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Wissenschaft in den Kandidatenländern: Junge Menschen verzichten auf Forscherkarriere

03.04.2003


In einer heute veröffentlichten Erhebung der Kommission werden wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Zukunft der Wissenschaft in einem erweiterten Europa aufgeworfen. Über die Hälfte aller Befragten zeigten wenig Interesse an Wissenschaft und Technologie, wobei junge Männer in Zypern und Ungarn der Wissenschaft am meisten Wert beimessen, ältere Frauen in Bulgarien und der Türkei am wenigsten. Junge Menschen wenden sich mit Hinweis auf kärgliche Besoldungsaussichten von einer wissenschaftlichen Karriere ab. Acht von zehn Befragten waren jedoch überzeugt, dass die Wissenschaft ihre Lebensqualität verbessern und bisher unheilbare Krankheiten heilbar machen könnte, und die europäische Forschung im Allgemeinen positive Ergebnisse aufzuweisen hat.



Philippe Busquin, für Forschung zuständiges Mitglied der Europäischen Kommission, legte die Ergebnisse des Eurobarometers über Forschung in den Kandidatenländern vor und erklärte: "In den Kandidatenländern sind die Menschen in Bezug auf die Forschung optimistischer als in den derzeitigen Mitgliedstaaten. Sie sind zuversichtlicher, dass Wissenschaft und Technologie zu einer besseren Zukunft beitragen können. Sie geben die Forschung jedoch aufgrund fehlender Mittel und Karriereaussichten in der Wissenschaft auf. Die Zeit ist reif für größere Investitionen in die Forschung in diesen Ländern als Teil einer erweiterten EU. Wir müssen dafür sorgen, dass wir jetzt in unser wissenschaftliches Vermächtnis für künftige Generationen in Europa investieren."



Für diese Eurobarometer-Erhebung wurden im November 2002 anhand eines Standardfragebogens insgesamt 12247 Personen in den 13 Kandidatenländern, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Türkei, Tschechische Republik und Zypern, befragt.

Mangelnde Information...

Das Eurobarometer zeigt, dass sich bei der Wissenschaft die Geister scheiden. 56% der Staatsangehörigen der Kandidatenländer sind weder an Wissenschaft und Technologie interessiert noch darüber informiert (EU15: 45%). Nur 35% der Befragten äußerten Interesse an der Wissenschaft (EU15: 45%). Zwei Drittel der Teilnehmer an der Erhebung glauben, dass sie über Wissenschaft und Technologie nicht ausreichend informiert sind.

Großes Interesse an Wissenschaft und Technologie besteht in Zypern (58%), Ungarn (53%), Malta (50%) und Slowenien (50%), während das Interesse in zwei Ländern unter dem Durchschnitt liegt: Bulgarien (34%), Türkei (22%). Rumänien entspricht genau dem Durchschnitt: 35%.

...aber zuversichtlich, dass die Wissenschaft die Lebensqualität verbessern kann

Aus demografischen Analysen geht hervor, dass Frauen an wissenschaftlichen Themen weniger interessiert sind (29%) als Männer (41%). Bei der niedrigsten Altersgruppe ist das Interesse an Wissenschaft und Technologie am größten (44%), im Vergleich zu 26% bei der höchsten Altersgruppe.

Die Wissenschaft wird in den Kandidatenländern als sehr positiv eingeschätzt. Die Bürger setzen hohe Erwartungen in den wissenschaftlichen Fortschritt. Etwa acht von 10 Befragten in den Kandidatenländern glauben, dass Wissenschaft und Technologie "das Leben gesünder, leichter und komfortabler machen" (81%) und dass der wissenschaftliche und technologische Fortschritt dazu beitragen wird, dass Krankheiten wie Krebs oder Aids, die heute häufig unheilbar sind, geheilt werden können (77%).

Es gibt keine schlechten Erfindungen

Die Menschen haben eine positive Meinung von Wissenschaftlern, auch wenn das Bild relativ unklar ist. Die meisten Menschen in Europa (in der EU etwas mehr als außerhalb) halten die Wissenschaft für werteneutral, d.h. es gibt keine schlechten Erfindungen — lediglich die Anwendung bestimmter wissenschaftlicher Erkenntnisse kann gut oder schlecht sein. Dennoch ist fast die Hälfte (49%) der Befragten in den Kandidatenländern (EU15: 43%) der Ansicht, dass Wissenschaftler für den Missbrauch ihrer Entdeckungen verantwortlich sind. In den Kandidatenländern werden Wissenschaftler zusammen mit der Industrie für die BSE-Krise verantwortlich gemacht.

Berufsaussichten

Der Hauptgrund für das abnehmende Interesse junger Menschen an wissenschaftlichen Studien und Berufen hängt mit dem Arbeitsmarkt in den Kandidatenländern zusammen. Die meisten Befragten glauben, dass mittelmäßige Berufsaussichten und niedrige Gehälter die jungen Menschen davon abhalten, wissenschaftliche Studien und Laufbahnen einzuschlagen.

Anerkennung für die EU-Forschung

Die als effizienter angesehene europäische Forschung findet breite Unterstützung. Ohne Zweifel sind die Menschen in beiden Teilen Europas der Meinung, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen europäischen Wissenschaftlern und europäischen Ländern die Stellung der Wissenschaftler Europas in der Welt stärken würde. Von der Erweiterung wird eine Förderung des wissenschaftlichen Potenzials sowohl der Kandidatenländer als auch der jetzigen Mitgliedstaaten erwartet.

Wissenschaftliche Bildung

Nach den Ergebnissen dieser Erhebung ist die wissenschaftliche Bildung in den Kandidatenländern etwas geringer als in den 15 Mitgliedstaaten. Unter den Kandidatenländern sind die Türken, die Rumänen und die Malteser über grundlegende wissenschaftliche Fragen am wenigsten informiert, während die Slowenen, die Tschechen und die Ungarn darüber am besten informiert sind.

Fabio Fabbi | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/comm/public_opinion/
http://europa.eu.int/comm/research/index_en.html
http://www.cordis.lu/candidate_countries

Weitere Berichte zu: Erhebung Kandidatenland Mitgliedstaat

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