Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschergruppe: Mit Stammzellen gegen Knochenkrankheiten

01.04.2003


Ein weiterer Zweig der Stammzellforschung hat sich an der Uni Würzburg etabliert: Aus dem Knochenmark und den Knochen von Erwachsenen sollen Stammzellen gewonnen und daraufhin untersucht werden, ob sie sich für die Therapie von Knochenerkrankungen eignen. Dieser Aufgabe widmet sich die neue Klinische Forschergruppe "Osteogene Stammzelldifferenzierung und Therapie von Knochenverlust".



Einsatzmöglichkeiten für solche Stammzellen gibt es viele: Knochen-, Knorpel- und Gelenkdefekte, Bänderverletzungen, Gelenksarthrose und Osteoporose. Bindegewebs-Stammzellen von Erwachsenen können einerseits gewonnen werden, um in einer Zellkultur Gewebe zu züchten. Andererseits kann man sie auch als Zielzellen für Medikamente betrachten, welche die Regeneration von Gewebe anstoßen. Letztere Form der Therapie kann zum Einsatz kommen bei der Behandlung der Osteoporose. Bei dieser Erkrankung nimmt die körpereigene Regeneration des Knochens mit dem Alter ab.



Bei der Arthrose eignen sich für den Gewebeersatz Methoden der Gewebezüchtung in einer Zellkultur, das so genannte "Tissue Engineering". Schon heute werden dafür spezielle Zellen angewendet, die so genannten Chondrozyten: Sie werden mittels Biopsie von einer gesunden Stelle des Gelenks entnommen und in einer Zellkultur vermehrt. Dann werden sie an den Ort des Defekts transplantiert, wo sie einen neuen Überzug aus Knorpelzellen bilden. Der neue Knorpel ist bislang allerdings von minderer Qualität und geringer Lebensdauer. "Um diese Situation zu verbessern, hoffen wir unter anderem auf Stammzellen", so der Leiter der Klinischen Forschergruppe, Prof. Dr. Franz Jakob.

Die neue Forschergruppe wird jeweils zur Hälfte von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Bayern gemeinsam mit dem Bezirk Unterfranken finanziert. In den ersten drei Jahren ihrer Arbeit erhält sie insgesamt 188.000 Euro für Sach- und Investitionsmittel sowie zusätzliche Mittel für Personal. Sprecher der Gruppe ist Prof. Dr. Jochen Eulert, Inhaber des Lehrstuhls für Orthopädie der Universität und ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus des Bezirks Unterfranken.

In der Klinischen Forschergruppe gehen Grundlagenforschung und klinische Anwendung Hand in Hand. Das soll den Patienten zu Gute kommen, weil dadurch neue wissenschaftliche Erkenntnisse sehr schnell in die Krankenversorgung einfließen können. Außerdem wird die Forschergruppe, teilweise in Kooperation mit anderen Forschungszentren der Uni Würzburg, auch klinische Studien durchführen. Diese zielen ebenfalls darauf ab, die Therapie zu verbessern.

Der interdisziplinäre Ansatz der Forschergruppe zeigt sich besonders deutlich daran, dass ein Teilprojekt bei Prof. Dr. Walter Sebald am Lehrstuhl für Physiologische Chemie im Biozentrum der Uni angesiedelt ist. Weitere Projektleiter sind PD Dr. Norbert Schütze (Molekulare Orthopädie) und Dr. Ulrich Nöth (Tissue Engineering), beide von der Orthopädischen Klinik.

Die DFG hat diese Forschergruppe mit der Empfehlung gefördert, sie möge als Kristallisationskeim für die Ansiedlung weiterer Projekte im Themengebiet fungieren. Außerdem hat sie ihr den Auftrag erteilt, ein strukturiertes Ausbildungsprogramm zu initiieren. In diesem Sinne ist laut Prof. Jakob mittelfristig die Einrichtung eines Graduiertenkollegs "Geweberegeneration und Tissue Engineering" geplant. In einem Graduiertenkolleg arbeiten Doktoranden und Postdoktoranden in einem koordinierten Forschungsprogramm, das von mehreren Hochschullehrern getragen wird.

Auf lange Sicht soll die Forschergruppe außerdem die kritische Masse für die Gründung eines Forschungsverbunds zusammenbringen. Um ein solches "Kompetenzzentrum Osteologie" zu gründen, das sich mit dem Muskel-Skelett-System und seinen Erkrankungen befasst, sieht Jakob in der Würzburger Forschungslandschaft sowie in der Industrie der Region ausreichend Potenzial vorhanden.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Franz Jakob, Sekretariat, T (0931) 803-1581, Fax (0931) 803-1599, E-Mail: m.hofmann.klh@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: DFG Engineering Osteoporose Stammzelle Zellkultur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics