Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Universitäten ein weltweites Vorbild

06.02.2003


Die Kommission hat heute in Brüssel als Teil einer Initiative des für Forschung zuständigen Kommissionsmitglieds Philippe Busquin und des für Bildung und Kultur zuständigen Kommissionsmitglieds Viviane Reding eine Mitteilung über die Rolle der Universitäten im Europa des Wissens veröffentlicht.


Die europäischen Universitäten stehen vor enormen Herausforderungen: Entwicklung der wissensbasierten Gesellschaft und Wirtschaft, notwendige Anhebung des Bildungs- und Hochschul-bildungsniveaus in allen Mitgliedstaaten und Bemühungen zur Verwirklichung des europäischen Forschungsraums. Die Universitäten sind Zentren für fortgeschrittene Ausbildung, Forschung und lokale Entwicklung, und die EU braucht ein gesundes Universitätssystem. Dies wurde auch vom Europäischen Rat in Barcelona im März 2002 anerkannt, der festlegte, dass die europäischen Bildungssysteme bis 2010 zu einer „weltweiten Qualitätsreferenz“ werden sollen. In der Mitteilung werden alle Betroffenen aufgefordert, sich an der Diskussion über Schlüsselthemen für die Hochschulbildung wie Finanzierung, Autonomie, fachliche Kompetenz, Erreichen und Bewahren von Exzellenz, Beitrag zur lokalen und regionalen Entwicklung und Verwirklichung des europäischen Hochschul- und Forschungsraumes zu beteiligen.

Das für Bildung und Kultur zuständige Kommissionsmitglied Viviane Reding erklärte: „Unsere Universitäten müssen weiterhin Spitzenleistungen erbringen und dürfen nicht in die zweite Liga absteigen. Wenn wir jetzt nicht darüber nachdenken, wie wir die Universitäten künftig fördern können, kann es morgen dafür zu spät sein“.


„Wenn Europa ein führender Akteur der globalen Wissensgesellschaft sein soll, müssen wir unsere Universitäten fördern“, so der europäische Forschungs-kommissar Philippe Busquin. „Die Universitäten sind Forschungs- und Bildungs-zentren und gleichzeitig Pole der regionalen Wirtschaftsentwicklung. Investitionen in die Universitäten gehören zu den besten Zukunftsinvestitionen, die wir tätigen können.“

Diskussionsbedarf

Die Kommission möchte eine Diskussion über die Rolle der Universitäten (oder besser gesagt sämtlicher Arten von Hochschuleinrichtungen wie „Fachhoch-schulen“, „Polytechnics“ und „Grandes Ecoles“) in der wissensbasierten Wirtschaft und Gesellschaft in Europa anregen. Im Mittelpunkt der Diskussion soll die Frage stehen, wie die Universitäten in die Lage versetzt werden können, ihrer Schlüssel-rolle gerecht zu werden.

In der Europäischen Union gibt es etwa 3 300 Hochschuleinrichtungen. In ganz Europa, einschließlich der anderen westeuropäischen Länder und der Beitritts-länder, sind es etwa 4 000. Die Zahl der Studierenden an diesen Universitäten wächst: Im Jahr 2000 lag sie bei 12,5 Millionen, zehn Jahre zuvor noch bei weniger als 9 Millionen.

Weshalb Anstrengungen auf europäischer Ebene?

Die Zuständigkeit für die europäischen Universitäten liegt im Wesentlichen auf nationaler und regionaler Ebene. Das Hochschulwesen ist deshalb ausgesprochen heterogen, was sowohl für die Organisation und die Entscheidungsstrukturen als auch für die Arbeitsbedingungen gilt. Die europäischen Universitäten stehen jedoch alle vor den gleichen Schwierigkeiten und sind gezwungen, sich an ein im Wandel befindliches Umfeld anzupassen. Angesichts ihrer zentralen Rolle eröffnet die Schaffung eines wissensbasierten Europas den Universitäten große Chancen, stellt sie zugleich aber auch vor enorme Herausforderungen.

Die Universitäten operieren darüber hinaus in einem immer stärker von der Globalisierung geprägten Umfeld, das sich ständig weiterentwickelt und gekennzeichnet ist durch einen starken Wettbewerb um die größten Talente sowie durch die Entstehung neuer Anforderungen, auf die die Universitäten reagieren müssen. Die europäischen Universitäten sind jedoch im Allgemeinen weniger attraktiv und verfügen über weniger Finanzmittel als die Universitäten in anderen Ländern außerhalb der EU, insbesondere den USA (siehe Anhang).

In diesem Zusammenhang sind die strukturellen Reformen innerhalb des Bologna-Prozesses ein Versuch, diese Vielfalt in einem kohärenteren und kompatibleren europäischen Rahmen zu organisieren, der gleichzeitig eine Voraussetzung für die Zugänglichkeit und Konkurrenzfähigkeit der europäischen Universitäten, in Europa selbst sowie in aller Welt darstellt.

Die europäische Dimension

Die wissensbasierte Wirtschaft und Gesellschaft beruht auf vier miteinander zusammenhängenden Elementen:

  • auf der Schaffung neuen Wissens, hauptsächlich durch wissenschaftliche Forschung;
  • seiner Vermittlung durch die allgemeine und berufliche Bildung;
  • seiner Verbreitung mittels Informations- und Kommunikationstechnologien;
  • seiner Anwendung in Industrie und Dienstleistungen.?

Die Universitäten haben hier eine Sonderstellung, denn sie sind unmittelbar in alle diese Prozesse involviert. Der Grund hierfür ist ihre Schlüsselrolle in den drei Bereichen Forschung und Verwertung der Forschungsergebnisse (durch Kooperationen mit der Industrie und Spin-off-Unternehmen), allgemeine und berufliche Bildung (insbesondere Ausbildung von Forschern) sowie regionale und lokale Entwicklung (zu der sie maßgeblich beitragen können).

Debatte mit Universitäten und Behörden

In der Mitteilung werden einige Bereiche angesprochen, in denen Reflexions- und Handlungsbedarf besteht, und eine Reihe von Fragen aufgeworfen:

  • Wie lässt sich sicherstellen, dass die Universitäten langfristig über ange-messene Einnahmen verfügen und dass die Mittel so effizient wie möglich eingesetzt werden?
  • Wie lassen sich Autonomie und Professionalität sowohl in akademischen Belangen als auch im Hochschulmanagement gewährleisten?
  • Wie lassen sich genug Ressourcen bündeln, um exzellente Leistungen zu erzielen? Wie können geeignete Bedingungen geschaffen werden, unter denen die Universitäten auf Exzellenz hinarbeiten und sie auch erzielen können?
  • Wie können die Universitäten besser auf lokale und regionale Anforderungen eingehen und zur Umsetzung entsprechender Strategien beitragen?
  • Wie können Maßnahmen in allen diesen Bereichen zum Aufbau eines kohärenten, aus miteinander kompatiblen Elementen bestehenden und wettbewerbsfähigen europäischen Hochschulraums (wie in der Erklärung von Bologna vorgesehen) bzw. eines Europäischen Forschungsraums (Zielsetzung des Europäischen Rates von Lissabon vom März 2002) beitragen?

Die nächsten Schritte

Die Kommission wird im Sommer 2003, vor dem Treffen der europäischen Bildungsminister im September 2003 in Berlin, eine Bestandsaufnahme der Diskussionsbeiträge vornehmen. Die Bildungs- und Forschungsminister werden geeignete Initiativen ermitteln und prüfen.

Europäische Universitäten: Unzureichende Mittelausstattung

In den Mitgliedstaaten machen die öffentlichen Bildungsausgaben (alle Bildungs-ebenen zusammengenommen) im Durchschnitt 5 % des BIP aus. Dieser Anteil entspricht in etwa dem in den USA und liegt über dem Anteil in Japan (3,5 %). Allerdings sind die öffentlichen Bildungsausgaben in Europa zuletzt nicht im gleichen Maße gestiegen wie das BIP, sondern in den vergangenen zehn Jahren sogar zurückgegangen. Die Gesamtausgaben für die Hochschulbildung wurden in keinem Mitgliedstaat analog zur wachsenden Zahl der Studierenden erhöht. Vielmehr hat sich hier eine erhebliche Lücke zu den Vereinigten Staaten aufgetan: 1,1 % des BIP in der EU gegenüber 2,3 %, also mehr als doppelt so viel, in den USA. Dieser Abstand ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Anteil der privaten Hochschulfinanzierung - vor allem durch die Familien - in Europa sehr gering ist. Er entspricht lediglich 0,2 % des europäischen BIP, während dieser Anteil in Japan bei 0,6 % und in den USA bei 1,2% des BIP liegt.

Insgesamt stehen den amerikanischen Universitäten sehr viel mehr Mittel zur Verfügung als den europäischen: im Durchschnitt zwei- bis fünfmal so viel pro Studierendem. Dieser Unterschied ist teilweise durch den Eigenbeitrag der Studierenden in den USA – den auch die zahlreichen ausländischen Studierenden leisten – zu erklären. Die amerikanischen Universitäten profitieren jedoch gleichzeitig von einer umfangreichen staatlichen Finanzierung (einschließlich Mitteln für Forschung und Verteidigung) sowie – insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung – von beträchtlichen privaten Mitteln, die Unternehmen und Stiftungen zur Verfügung stellen. Die großen forschenden Universitäten verfügen außerdem häufig über ein erhebliches Vermögen, das sie im Laufe der Zeit durch private Schenkungen (insbesondere von Ehemaligenvereinigungen) aufgebaut haben.

Da sich die Unterfinanzierung der europäischen Universitäten immer weiter zuspitzt, wird deren Fähigkeit eingeschränkt, die größten Talente für sich zu gewinnen und Exzellenz in Forschung und Lehre zu fördern . Es ist eher unwahrscheinlich, dass die bestehende Lücke allein mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln geschlossen werden kann, weshalb auch nach anderen Wegen gesucht werden muss, um die Einnahmen der Universitäten zu steigern und zu diversifizieren. In einer Studie über die Finanzierung der europäischen Universitäten wird die Kommission die wesentlichen Entwicklungen in diesem Bereich untersuchen und vorbildliche Verfahren ermitteln.

Auf der Tagung des Europäischen Rates von Barcelona im März 2002 hat sich die EU das Ziel gesetzt, den für Forschung und Entwicklung aufgewandten Anteil ihres BIP auf 3 % zu steigern . Dies macht erhebliche Anstrengungen insbesondere bei den Humanressourcen im Forschungsbereich, auch an Universitäten, erforderlich.

Pressestelle | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/comm/education/education_fr.html
http://europa.eu.int/comm/research/consultations/list_en.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise