Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HRK-Positionen zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland

21.02.2001


Die Positionen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland hat das 193. HRK-Plenum am 20. Februar in Berlin formuliert. Die HRK fasst damit die
Auffassung der Hochschulen über die notwendigen Entwicklungsstränge zu einem wettbewerbsfähigen Wissenschaftssystem zusammen. Anlass dazu war die Veröffentlichung der "Thesen zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland" im Juli letzten Jahres.

Das Konzept enthält im Wesentlichen folgende Elemente:

- Deutschland muss auch über Europa hinaus ein weltweit wirkendes Zentrum der Wissenschaft bilden und sich für qualifizierte Studierende und herausragende Nachwuchsforscher aus aller Welt weiter öffnen.

- Die europäische Union bildet einen ersten Schwerpunkt der Internationalisierung der Wissenschaft. Ziel ist ein transparenter und mobilitätsfördernder europäischer Bildungs- und Forschungsraum. Die EU-Programme zur Forschungsförderung sollten transparenter und ausschließlich an Qualitätskriterien orientiert sein, zumal die EU-Förderung die höchste Zuwachsrate von allen Drittmittelquellen der Hochschulen aufweist. Hochschulen sollten bei der Kommission nicht nur als Adressaten von Bildungsprogrammen angesehen werden, sondern in vergleichbarer Weise wie die außeruniversitären Einrichtungen an Forschungsprogrammen teilhaben.

- Die Rahmenbedingungen für die Anwerbung ausländischer Studierender müssen verbessert und die deutschen Hochschulen in die Lage versetzt werden, die Studierenden angemessen zu betreuen. In diesem Zusammenhang sollten die Hochschulen bei postgradualen Programmen die Möglichkeit, Studiengebühren zu erheben, ausschöpfen. Die Länder sollten als ein Kriterium für ihre Mittelzuweisungen an die Hochschulen auch die Zahl internationaler Studierender und Wissenschaftler verwenden.

- Die Mittelverteilung zwischen und innerhalb der Hochschulen sollte zum Teil leistungsbezogen erfolgen. Als Basis eines solchen wettbewerblichen Systems ist aber eine ausreichende Grundausstattung notwendig, um die Hochschule "drittmittelfähig" zu halten und die Kraft der Wissenschaftler zu sichern, auch gegen den "main-stream" in Erwartung des Unerwarteten zu arbeiten. Die in mehreren deutschen Ländern leider anhaltende Entwicklung, dass die Grundausstattung gegenüber den Drittmitteln immer weiter zurückgeht, muss gestoppt werden. Die staatlichen Grundmittel für Forschung und Lehre müssen insgesamt von derzeit 0,8 Prozent des BIP auf deutlich über ein Prozent erhöht werden, um wenigstens wieder den Stand von 1977 zu erreichen.

- Forschungsplanung darf die Potentiale der Forschung in dem bereits erwähnten Sinne der Erwartung des Unerwarteten nicht einschränken; dabei entspricht die formale Trennung von grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung nicht mehr der Realität. Eine Förderung der Anwendungsorientierung könnte optimal durch eine stärker integrierte Förderung der Prozesskette erreicht werden, die von der an Erkenntnis und Theoriebildung interessierten Grundlagenforschung bis hin zur angewandten Forschung und gezielten Entwicklung von Prototypen reicht und über Themen bzw. dialogorientierte Programmverbünde definiert wird.

- Die Zahl der Studierenden an Fachhochschulen sollte weiter wachsen. Zusätzlich kann der Nachfrage der Studierenden nach kooperativen Studienangeboten von Fachhochschulen und Universitäten Rechnung getragen werden. Auch gestufte Studienangebote kommen dem entgegen. Die Laufbahnvorschriften des öffentlichen Dienstes dürfen sich nicht länger ausschließlich am formalen Bildungsabschluss orientieren.

- In überlasteten Fächern sind bei unzureichender personeller, baulicher wie apparativer Grundausstattung die meisten Universitäten im Wettbewerb um einen Teil der Drittmittel gegenüber den außeruniversitären Forschungseinrichtungen benachteiligt. Hier ist endlich eine Trendwende erforderlich. Voraussetzung sind auch wissenschaftsangemessene Kapazitätsparameter, d.h. international wettbewerbsfähige Betreuungsrelationen zwischen Lehrenden und Lernenden. Die Nachwuchsförderung sollte künftig verstärkt auch in Kooperation mit außeruniversitären Einrichtungen stattfinden.

- Die Hochschulen müssen - insbesondere im Rahmen der Bund-Länder-Förderung des Hochschulbaus - finanziell in die Lage versetzt werden, als Knotenpunkte wissenschaftlicher Information die Chancen der Informations- und Kommunikationstechnologie zu nutzen. Virtuelle Lehr- und Lernformen sollten als Chance zur Verbesserung der Qualität von Lehre und Studium verstanden werden. Dringend erforderlich ist im Zuge der technologischen Entwicklung auch eine Zusammenführung der Aufgaben von Bibliotheken und Rechenzentren.

- Die Stärkung der Eigenverantwortung der Hochschulen muss mit der Entwicklung transparenter Erfolgsparameter einhergehen. Akkreditierung, Zertifizierung und Evaluation sollen Mindeststandards sichern. Auf dieser Basis können dann auch Spitzenleistungen identifiziert werden.

(Text der Entschließung im Internet unter www.hrk.de)

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Susanne Schilden | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung