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Nachhaltige Kompetenzen durch informelle Bildung

19.08.2008
Nicht nur in der Schule wird gelernt. Wer sich freiwillig engagiert, bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei Greenpeace oder im Altenheim übernimmt Verantwortung für andere Menschen und das Gelingen von Projekten.

Dass gerade auch junge Menschen im Ehrenamt wertvolle Kompetenzen für ihren weiteren Lebensverlauf erwerben, zeigt eine aktuelle Studie des Forschungsverbunds Deutsches Jugendinstitut und Technische Universität Dortmund.

Streit schlichten an Schulen, Essen ausgeben an Obdachlose, örtliche Kulturveranstaltungen betreuen, Hausaufgabenhilfe für Lernschwache - alle finden das wichtig. Dennoch klagen einige Kommunen über einen dramatischen Rückgang von interessierten und engagierten Jugendlichen. Für viele sei die Übernahme einer ehrenamtlichen Aufgabe zu uncool oder sie wollten sich langfristig zu nichts verpflichten. Andere bastelten schon sehr früh an ihrer Karriere, seien im Schulstress und hätten für soziale Aufgaben kaum Zeit.

Besonders letzteres Argument aber kann als Ausrede nicht mehr gelten, wenn man die Ergebnisse der aktuellen Studie des Forschungsverbunds Deutsches Jugendinstitut und Technische Universität Dortmund anschaut, die gerade im VS Verlag unter dem Titel "Kompetenzerwerb im Freiwilligen Engagement. Eine empirische Studie zum informellen Lernen im Jugendalter" erschienen ist. Sie steht in einer Reihe mit zahlreichen weiteren Publikationen, die in den vergangenen zehn Jahren aus der produktiven Forschungskooperation zu den Themen "Ehrenamt" und "informelles Lernen" entstanden sind.

Die jüngste Studie basiert auf den Befunden qualitativer Interviews und einer bundesweiten standardisierten Erhebung. Sie zeigt, dass Heranwachsende im Ehrenamt personale, soziale, kulturelle sowie instrumentelle Kompetenzen entwickeln und erproben können, also Lernerfahrungen unter "Real-Bedingungen" machen, die ihnen in dieser Form woanders nicht zuteil werden. Davon profitieren die Engagierten nachhaltig in ihrem biografischen Verlauf.

Erwachsene, die in ihrer Jugend ehrenamtlich tätig waren, verfügen über mehr Kompetenzen, sind stärker politisch interessiert, gesellschaftlich engagiert und schätzen sich beruflich erfolgreicher ein als die Vergleichsgruppe der früher Nicht-Engagierten. Wer als Jugendliche/r gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, tut dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsene/r.

Personen, die in ihrer Jugend freiwillig engagiert waren, sind im Erwachsenenalter gesellschaftlich besser integriert als Nicht-Engagierte. Darüber hinaus haben sie ein stärkeres politisches Interesse und beteiligen sich häufiger an politischen und sozialen Aktivitäten. Somit ist freiwilliges Engagement Heranwachsender eine wichtige Grundlage für die

Weiterentwicklung der Zivilgesellschaft.

Über die besondere methodische Herangehensweise - die Kombination von quantitativer und qualitativer Befragung sowohl von Jugendlichen als auch in ihrer Jugend engagierten Erwachsenen in Einzelinterviews und standardisierten Befragungen - gibt die vierköpfige AutorInnengruppe im "Interview" Auskunft.

Die Studie hat außerdem gezeigt, dass der Zugang sowie die Art des Engagements deutlich im Zusammenhang mit den sozialen Ressourcen und den kulturellen Interessen des Elternhauses stehen. Jugendliche aus sozial unterprivilegierten, partizipations- und bildungsfernen Bevölkerungsgruppen sind im Ehrenamt unterrepräsentiert. Somit stellen Lernprozesse im freiwilligen Engagement keine Kompensation sozialer Ungleichheit dar, sondern verstärken diese tendenziell noch. Eine Erkenntnis, die auch der Bildungsexperte Prof. Dr. Heinz Reinders (Universität Würzburg) in seinem "Blick von außen" unterstreicht.

Wie dieser Verschärfung der sozialen Selektion durch das Ehrenamt entgegen gewirkt werden kann, beschreiben Prof. Klaus Schäfer (Familienministerium NRW) aus Sicht der Politik und Bastian Dietz vom Bayerischen Jugendring aus Sicht der Verbände in ihren Beiträgen. Bildungsferne, Armut und soziale Probleme, so Dietz, seien Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Diese Menschen würden oft strukturell ausgeschlossen, weil sie sich selbst nicht artikulieren und bei den Verantwortlichen der Blick für deren Situation nicht geschult sei. Deswegen lautet seine Empfehlung: Augen auf und Gewohnheiten überdenken! Nur so könne die Jugendarbeit Jugendliche aus bildungsfernen Schichten als Ehrenamtliche ins Boot holen.

Das DJI Online Thema August wird ergänzt durch ein Gespräch mit Ulrike Richter (DJI), die das "Informal Competencies Net" vorstellt. Ein länderübergreifendes Projekt, das Methoden und Instrumente des Sichtbarmachens informell erworbener Kompetenzen in die Praxis überführt - zum Beispiel bei Betriebspraktika.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de
http://www.dji.de/thema/0808

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