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Fraunhofer-Forschung: Motor für Wachstum in Bayern

08.07.2008
Vier Institute, zwei Institutsteile, eine Einrichtung, zahlreiche Arbeits- und Projektgruppen sowie die Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft sind in Bayern angesiedelt.

Fraunhofer ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Garant für wirtschaftliches Wachstum in Bayern. Das belegen Forschungsergebnisse wie MP3, eine fast fettfreie Wurst, Antireflexschichten für Solarglas oder Hochleistungs-LEDs. Mit den neuen High-Tech-Programmen des Freistaats kann die Fraunhofer-Gesellschaft ihr Engagement in Bayern erheblich verstärken.

Dazu werden Themenfelder wie Kommunikationstechnik, Mikroelektronik, Materialwissenschaften oder Life Sciences zielgerichtet ausgebaut. Aus den neuen Aktivitäten sollen mittelfristig bis zu fünf neue Fraunhofer-Institute entstehen. Mittel in der Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro aus den Programmen Bayern 2020 und BayernFIT machen den konsequenten Ausbau der Fraunhofer-Aktivitäten am High-Tech-Standort Bayern möglich.

»Die Fraunhofer-Gesellschaft wurde in Bayern gegründet und hat ihre Zentrale in München. Dennoch hieß es im vergangenen Jahr: Fraunhofer sei in Bayern unterrepräsentiert. Das hatte eine vergleichende Untersuchung ermittelt, die von der Landesregierung in Auftrag gegeben wurde. Bis zu fünf neue Fraunhofer-Institute seien nötig, um den High-Tech-Standort Bayern in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Jetzt können wir nach intensiven Beratungen ein abgestimmtes Ausbaukonzept für Bayern vorlegen«, sagt Fraunhofer-Präsident Prof. Hans-Jörg Bullinger bei der Vorstellung in der Staatskanzlei.

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»Dabei setzen wir auf das Prinzip ‘Kräfte bündeln – Stärken stärken’. Ausgehend von den jeweiligen Kompetenzen in den bayerischen Hochschulen und der regionalen Wirtschaft fokussieren wir die neuen Forschungsaktivitäten auf Erfolg versprechende Zukunftsthemen. Nur wenn wir vorhandene Stärken nutzen und zu leistungsfähigen Kompetenzzentren ausbauen, erreichen wir die kritische Masse, die nötig ist, um im globalen Wettbewerb der Regionen und Länder die Nase vorn zu haben.«

Bisher sind in den bayerischen Fraunhofer-Einrichtungen etwa 2 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. »Wir wollen und werden bis zu 500 zusätzliche, hochwertige Arbeitsplätze schaffen«, bestätigt Prof. Bullinger. »An bestehenden Standorten, aber auch durch den Ausbau unserer Aktivitäten in den Metropolregionen München und Nürnberg sowie den Städten Bayreuth, Regensburg, Würzburg. Allerdings erstreckt sich der Aufbau neuer Kapazitäten über mehrere Jahre. So entstehen zunächst üblicherweise Arbeits- oder Projektgruppen, die erst nach einer erfolgreichen Evaluation zu Instituten ausgebaut werden.«

Ein Teil des umfangreichen Konzepts wurde bereits Ende Mai vom bayerischen Ministerrat im Programm Bayern 2020 beschlossen. Der zweite Teil wird heute mit dem Programm BayernFIT Forschung, Innovation, Technologie entschieden. Daraus ergeben sich folgende Planungen:

Europäische Metropolregion München
Um die Innovationskraft der Metropolregion München zu stärken, werden in München, Garching, Freising, Augsburg und Holzkirchen neue Aktivitäten aufgebaut: IT-Sicherheit ist für Unternehmen, Verwaltung und Privatpersonen von elementarer Bedeutung. Um dieses Thema umfassend zu bearbeiten und gemeinsam mit bayerischen Unternehmen Lösungen zu erarbeiten, werden zunächst zwei befristete Fraunhofer-Projektgruppen des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT in München/Garching aufgebaut, mit dem Ziel dort ein neues, eigenständiges, an die TU München angebundenes Fraunhofer-Institut für IT-Sicherheit zu gründen.

Dies ist auch der Auftakt zum Bau eines Fraunhofer-Institutszentrums auf dem Campusgelände der TU München in Garching. Langfristig sollen alle in München tätigen Fraunhofer-Einrichtungen – bis auf die Fraunhofer Zentrale und das Fraunhofer IVV in Freising – auf dem Campus in Garching zusammengeführt werden.

Dort wird dann auch die Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK angesiedelt werden, die mittelfristig auf Institutsgröße anwachsen soll. Die ESK-Wissenschaftler arbeiten an Informations- und Telekommunikationssystemen, die dann auch für den Automobil- und Maschinenbau eingesetzt werden sollen. So unterstützen sie diese wichtigen Branchen bei ihren Entwicklungen. Ähnliche Pläne bestehen für den Münchner Institutsteil des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM. Das IZM hat in der Polytronik, also der Entwicklung von polymeren Bauelementen mit elektrischen, optischen und anderen Funktionalitäten, international eine führende Position inne. Diese soll ausgebaut und durch Felder wie Nanomaterialien und Bauelemente sowie Siliziumtechnik ergänzt werden. Ziel ist, den Institutsteil an die Universität der Bundeswehr München anzubinden und mittelfristig ein eigenständiges Fraunhofer-Institut zu etablieren.

In Augsburg sind zwei Projektgruppen geplant: Zum einen zum Thema Faserverbundwerkstoffe, betrieben vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT, das eng mit der Universität Augsburg und der TU München kooperiert. Zum anderen im Bereich Mechatronik, in dem das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU mit der Technischen Universität München zusammenarbeitet. Darüber hinaus soll am Standort Holzkirchen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP das bestehende Fluglabor ausgebaut werden, um Komponenten aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen zu testen. Die Aktivitäten sind Teil eines Konzepts, das gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, der Firma Carbon Composites sowie der IHK Schwaben erstellt wurde, um mit Hilfe dieses Netzwerks für Hersteller und Zulieferer Zukunftspotenziale zu erschließen.

Damit sind für die Metropolregion München deutliche Schwerpunkte gesetzt: Stärkung und Ausbau von Forschung und Entwicklung zu IuK, IT-Sicherheit, Automobilbau sowie Luft- und Raumfahrt.

In Freising ist der Ausbau neuer Forschungsthemen in den Kompetenzfeldern Functional Food, Aseptik und intelligenter Verpackung

geplant. Dafür ist der Bau eines neuen Technikums erforderlich.

Europäische Metropolregion Nürnberg – Erlangen – Fürth
Der Ausbau der Standorte Nürnberg und Fürth des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen hat zum Ziel, dort in den kommenden fünf bis zehn Jahren eigenständige Fraunhofer-Institute zu gründen. In Nürnberg arbeiten die Forscher an Schwerpunkten wie Lokalisierung, Ortung und Kommunikation sowie an innovativen Lösungen für die Logistik, insbesondere auch dem Einsatz von RFID – Radio Frequency Identification. Die winzigen Chips sollen schon bald den Barcode als Kennzeichnung für Waren ablösen und den Weg der Güter transparent machen – ein boomender Markt.

Materialanalyse mit Hilfe von Röntgenstrahlen haben sich die Forscher am Standort Fürth auf die Fahne geschrieben. Damit helfen sie Unternehmen aus dem Automobilbau sowie der Luft- und Raumfahrttechnik, schneller und effizienter neue Produkte zu entwickeln. Die etablierten Technologien sollen verfeinert und weitere zerstörungsfreie Prüfverfahren für den industriellen Einsatz etabliert werden.

Am Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB in Erlangen steht eine Modernisierung und Erweiterung des Reinraums an, um dort in Zukunft auch für die Nanotechnologie fit zu sein. So kann die europaweit führende Position des Instituts in der Mikroelektronik und Mechatronik gefestigt werden. Ein neuer Schwerpunkt Elektronik für nachhaltige Energienutzung soll aufgebaut werden.

Würzburg
Innovative Werkstoffe für Umwelt, Energie und Medizin sind Arbeitsfelder des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg. Um auch weiterhin die wirtschaftsnahe Entwicklung von Komponenten und Fertigungsverfahren zu realisieren, wird ein neues Labor- und Technikum-Gebäude gebaut. Damit kann das ISC seine Stellung als starker Partner für die Materialforschung in Bayern weiter ausbauen. Hinzu kommt, dass mit der Einrichtung des Zentrums für Smart Materials ZeSMa ein wichtiger Schritt getan wird, die bestehenden Kompetenzen auf dem Gebiet intelligenter Materialien in Bayern zu vernetzen und den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Umsetzung zu beschleunigen. An diesem bayerischen Kompetenz-zentrum ist das ISC maßgeblich beteiligt.

Außerdem soll in Würzburg eine Projektgruppe »Regenerative Technologien für die Onkologie« des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entstehen. Erforscht werden dort Technologien zur effizienten Arzneimittelentwicklung und zuverlässige Diagnose- und Therapieverfahren. Basis liefert eine Entwicklung des IGB, mit der es möglich ist, menschliches Gewebe mit einem funktionellen Blutgefäßsystem in vitro zu züchten. Diese Verfahren sollen auf die Herstellung von Tumoren übertragen werden, um diese in vitro mit Medikamenten »zu therapieren« und molekulare Mechanismen der Tumorenentstehung und Metastasierung aufzuklären.

Zudem sollen in Würzburg Aktivitäten des IIS zum Thema Röntgentechnologie vorangetrieben werden.

Bayreuth
In Bayreuth sind zwei Fraunhofer-Projektgruppen angesiedelt: »Keramische Verbundstrukturen« aus dem ISC in Würzburg und »Prozess-innovation« vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart. Beide Projektgruppen werden intensiv ausgebaut.
Regensburg
In Regensburg wird die Projektgruppe des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM auf dem Gebiet »Diagnose und Therapie von Tumor-, Stoffwechsel- und Alterserkrankungen« weiter ausgebaut. Neu hinzukommen soll eine Projektgruppe »Materialien für die Chemo- und Biosensorik« – eine Kooperation des IZM in München mit der Universität Regensburg. Folgende Forschungsthemen sollen bearbeitet werden: Funktionelle Schichten, chemische Sensoren, Biosensoren, Sensor Arrays und mikrofluidische Chips. Um diese Bauelemente zu realisieren, wird auf die Pilotlinie des IZM in München zurückgegriffen werden – das schafft Synergieen.
Straubing
Der Aufbau einer Fraunhofer-Projektgruppe Biogene Rohstoffe, die an das Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing angegliedert sein könnte, wird geprüft.

Die Erfolge der Fraunhofer-Institute zeigen, welch herausragende Rolle sie in der regionalen Innovationslandschaft spielen. Als leistungsfähige Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sorgen sie für raschen Technologietransfer – insbesondere für die regionalen Unternehmen. So entstehen im Umfeld von Fraunhofer-Instituten häufig Cluster der Innovation, die andere Firmen anziehen und aus denen neue Unternehmen gegründet werden – fruchtbare Orte der Ideen, die dem Standort Zukunft geben.

Franz Miller | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

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