Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsch-Japanische Forschergruppe sucht nach neuen Ansätzen der Krebstherapie

19.06.2008
Forschungskooperation mit der Universität Tokio

Die internationale Forschungskooperation zwischen der LMU und der Universität Tokio, die im Oktober letzten Jahres als Teil des Zukunftskonzeptes LMUexcellent geschlossen wurde, startet mit einem ersten gemeinsamen Forschungsprojekt im Bereich der pharmazeutischen Nanotechnologie.

Eine deutsch-japanische Forschergruppe arbeitet an der LMU zum Thema "Smart Drug Nanocarriers and Nanomedicine" unter der Leitung von Kazunori Kataoka (Professor am Center for NanoBio Integration an der Universität Tokio) und Ernst Wagner (Professor für Pharmazeutische Biotechnologie an der LMU sowie Mitglied des "Center for Nanoscience CeNS") und des Exzellenzclusters "Nanoinitiative Munich NIM"). Die LMU hat für Professor Kataoka eine Gastprofessur im Exzellenzcluster NIM eingerichtet.

"Mit den Forschungskooperationen, die wir mit weltweit führenden Universitäten schließen, schaffen wir die Infrastruktur für zukunftsweisende Forschung und stärken damit die internationale Position der LMU in der Spitzenforschung nachhaltig," sagte LMU-Präsident Bernd Huber anlässlich der heutigen Begrüßung von Professor Kataoka.

... mehr zu:
»Krebstherapie »LMU

Im Zentrum der Vereinbarung mit der Universität Tokio, die in einer dem Exzellenzwettbewerb vergleichbaren Initiative in Japan sehr erfolgreich abgeschnitten hat, steht zunächst die Intensivierung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit vor allem in den Fächern Physik, Chemie und Biologie.

Eine Vernetzung gerade dieser Fächer leistet das jetzt gestartete Forschungsprojekt, in dessen Rahmen mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter des Kataoka-Labors mit ihren Kollegen an der LMU Untersuchungen durchführen, um neue Ansätze der Krebstherapie zu testen und weiterzuentwickeln. Die Entdeckung der RNA-Interferenz, wonach Gene durch kurze doppelsträngige RNA-Moleküle (siRNA) gezielt ausgeschaltet werden können, wurde vor wenigen Jahren mit dem Nobelpreis gewürdigt und eröffnet ganz neue Therapieansätze.

"Wir planen in unserer Kooperation, solche siRNA in eigens entwickelte synthetische Viren zu verpacken und intravenös in tumortragende Tiere einzubringen", so Kataoka. "Durch entsprechende Eigenschaften dieser virus-ähnlichen synthetischen Nanopartikel soll das Biomolekül dann zielgerichtet in den Tumor gelangen, um dort die Aktivität von tumorrelevanten Genen zu verringern."

Der Erfolg der Behandlung - also die verminderte Aktivität des jeweiligen Zielgens - kann durch moderne Testverfahren nachgewiesen werden. Entsprechende bioanalytische und bildgebende Verfahren wurden bereits im Rahmen von NIM entwickelt, die notwendigen Geräte stehen bereits zur Verfügung. "Kazunori Kataoka entwickelt in seinem Labor Biomaterialien, die für vielfältige Aufgaben in der Biomedizin eingesetzt werden können. Einige seiner Ansätze haben bereits die Phase der klinischen Erprobung erreicht", sagt Wagner.

"Ein Forschungsschwerpunkt sind Trägersysteme, die therapeutisch wirksame Moleküle in Tumorzellen schleusen sollen. Und dieser Aspekt ist auch ein zentrales Thema unserer eigenen Arbeit. Unsere Trägersysteme basieren auf synthetischen Viren, die therapeutische Nukleinsäuren wie siRNA zielgerichtet in Tumore schleusen."

Passende Tumormodelle sind am Lehrstuhl Wagner bereits etabliert. "Wir können sogar schon erste therapeutische Effekte vorweisen", berichtet Wagner. "Die dadurch erzielte reduzierte Aktivität in den betreffenden Genen kann Tumorwachstum verringern - und zwar ohne toxische Nebenwirkungen. Gemeinsam mit dem Labor von Kazunori Kataoka sollen noch effizientere Trägersysteme entwickelt und in den Tumormodellen getestet werden."

Professor Kataoka hat seine Gastprofessur diese Woche im Rahmen eines ersten Forschungsaufenthaltes an der LMU angetreten. Neben Vorträgen und fachlichen Diskussionen im Rahmen des Forschungsprojekts hat der international renommierte Biotechnologe unter anderem bereits einen Workshop für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschafter an der LMU geleitet. Außerdem wird er am morgigen Freitag um 15 Uhr an dem an der LMU angesiedelten Center for Nanoscience (CeNS) einen öffentlichen Vortrag in englischer Sprache zum Thema: "Supramolecular Devices as Smart Nanocarriers for Gene and Drug Delivery" halten.

Kontakt:
Prof. Dr. Ernst Wagner
Vorsitzender des Departments für Pharmazie
Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie ? Biotechnologie der LMU
Tel.: 089 / 2180 - 77841
Fax: 089 / 2180 - 77798
E-Mail: ernst.wagner@cup.uni-muenchen.de
www.cup.uni-muenchen.de/pb/aks/ewagner/
Weitere Informationen zum öffentlichen Vortrag
von Professor Kataoka am CeNS unter:
www.cens.de/calendar/weekly-cens-colloquium.html
Weitere Informationen zur Exzellenzinitiative:
www.lmu.de/excellent/info

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/
http://www.cens.de/calendar/weekly-cens-colloquium.html

Weitere Berichte zu: Krebstherapie LMU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie