Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung im Grenzbereich

02.06.2008
TU-Wissenschaftler untersucht, wie das Gehirn in Ausnahmesituationen funktioniert

"Wirklich so schnell ich kann?", fragt die Versuchsperson, nachdem sie hinter dem Lenkrad eines 210 PS starken Renault Clio RS CUP Platz genommen hat.

Ende März begannen die ersten Testfahrten auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums Berlin-Brandenburg in Tegel im Rahmen des Promotionsvorhabens von Sebastian Welke, der im DFG-Graduiertenkolleg "prometei" der TU Berlin (Prospektive Gestaltung von Mensch-Technik-Interaktion) promoviert. Durch ein EEG-basiertes Brain-Computer-Interface (BCI), mit dem Hirnströme abgeleitet werden können, versucht er die Intentionen beziehungsweise Handlungen eines Fahrers vorherzusagen.

Dazu untersucht Sebastian Welke, welche Veränderungen in den Daten des Elektroenzephalogramms (EEG) einer bewussten Handlung vorausgehen. Viele Prozesse im Gehirn laufen unbewusst ab. Welche Indikatoren in den EEG-Daten aber zeigen zuverlässig kognitive Prozesse an, die in Verbindung zu Handlungen des Fahrers im Fahrzeug stehen? "Die EEG-Daten werden unter anderem auch durch die Bewegung des Fahrzeugs und der Versuchsperson selbst beeinflusst. Das macht die Interpretation problematisch", so der junge Wissenschaftler. "Wenn wir jedoch entsprechend viele mögliche Störquellen synchron mit den EEG-Daten aufzeichnen, können diese später durch spezielle Algorithmen weitgehend aus den EEG-Daten herausgerechnet werden."

... mehr zu:
»EEG-Daten

Dafür wurden im Fahrzeug neben dem EEG umfangreiche Messsysteme eingebaut, die auch die Quer- und Längsbeschleunigung, Gaspedalstellung, Drehzahl, Geschwindigkeit, Lenkwinkel sowie die Temperatur im Inneren aufnehmen. Zusammen mit drei im Fahrzeug verbauten Kameras blieb somit keine der Handlungen des Fahrers unbeobachtet.

Um auch EEG-Daten des Fahrers aus dem fahrdynamischen Grenzbereich zu erhalten, wurden Teile aus professionellen Fahrertrainings in die Teststrecke integriert. Diese Daten sollen Aufschluss darüber geben, ob sich kognitive Prozesse beispielsweise bei einem Kontrollverlust über das Fahrzeug durch Hirnströme abbilden lassen und ob man sie in Echtzeit erkennen kann. Erste Ergebnisse konnten bereits mit internationalen Wissenschaftlern diskutiert werden.

Geplant sind auch EEG-Studien im realen Stadtverkehr. Hierzu wird derzeit ein VW Touran, eine Spende der Volkswagen AG, am Fachgebiet Mensch-Maschine-Systeme umgebaut. Betreut wird dieses ambitionierte Promotionsvorhaben durch PD Dr.-Ing. Thomas Jürgensohn (Institut für Straßen- und Schienenverkehr/Kraftfahrzeuge) und Prof. Dr.-Ing. Matthias Rötting (Fachgebiet Mensch-Maschine-Systeme).

Das Graduiertenkolleg "prometei"
Das Graduiertenkolleg "prometei" (Prospektive Gestaltung von Mensch-Technik-Interaktion) ist am Zentrum Mensch-Maschine-Systeme der TU Berlin angesiedelt und entwickelt Methoden, Verfahren und Werkzeuge, um bereits in frühen Phasen der Gestaltung technischer Systeme Probleme der Mensch-Maschine-Interaktionen berücksichtigen zu können. Zentrale Fragen werden interdisziplinär und domänenübergreifend bearbeitet. Es wird seit Oktober 2004 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund 1,9 Mio Euro gefördert (derzeit 15 Stipendiaten, neun Betreuer, sechs Mentoren. Sprecher: Prof. Dr. Manfred Thüring, Prof. Dr.-Ing. Matthias Rötting).

3.202 Zeichen

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dipl.-Ing. Sebastian Welke, TU Berlin, Zentrum Mensch-Maschine-Systeme (ZMMS), Graduiertenkolleg "prometei", Franklinstr. 28/29, 10587 Berlin, Tel.: 0172/3875497, E-Mail: sebastian.welke@tu-berlin.de; Prof. Dr.-Ing. Matthias Rötting, TU Berlin, Zentrum Mensch-Maschine-Systeme, Tel.: 030/314-79520, E-Mail: roet-ting@mms.tu-berlin.de; Prof. Dr. Manfred Thüring, TU Berlin, Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft, Fachgebiet Kognitionspsychologie und Kognitive Ergonomie, Tel.: 030/314-21420. E-Mail: thuering@gp.tu-berlin.de

Weiterführende Links:

Homepage des Zentrums Mensch-Maschine-Systeme:
www.mms.tu-berlin.de/
Homepage des Graduiertenkollegs "prometei":
www.zmms.tu-berlin.de/prometei/
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.zmms.tu-berlin.de/prometei/
http://www.mms.tu-berlin.de/

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Berichte zu: EEG-Daten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE