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Pascoe-Studie zeigt: Geringer Stellenwert der Naturmedizin an

28.06.2002


Expertenkreis Naturmedizin fordert mehr Professuren

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Der Stellenwert der Naturmedizin in der universitären Ausbildung der Ärzte ist gering. Dies zeigen die Ergebnisse der Pascoe-Studie, in der das Lehrangebot an den 36 humanmedizinischen Fakultäten, die laut ZVS (Zentrale Vergabestelle für Studienplätze) in Deutschland geführt werden, ausgewertet wurde. An einem Drittel der deutschen Universitäten werden gar keine Veranstaltungen zum Thema Naturmedizin angeboten. Lediglich an zwei Fakultäten gibt es einen Lehrstuhl für Naturheilkunde. Insgesamt werden an den Universitäten überwiegend nur ein (41,7%) bis zwei Veranstaltungen (29,2%) im Semester angeboten. Die meisten Veranstaltungen (30,5%) behandeln allgemein das Thema Naturheilkunde, gefolgt von den Themen naturmedizinische Pharmakologie (13,6%), Homöopathie (13,6%), Akupunktur (11,9%) und Phytotherapie (10,2%).

Die Ergebnisse der Pascoe-Studie resultieren aus Telefoninterviews, die an Hand eines strukturierten Fragebogens im März 2002 durchgeführt wurden. Zusätzlich wurden die Vorlesungsverzeichnisse der humanmedizinischen Fakultäten ausgewertet. Die Studie wurde initiiert vom Expertenkreis Naturmedizin, einem Zusammenschluss von Naturwissenschaftlern und Ärzten aus Forschung, Klinik und Praxis. Deren Ziel ist es, die Qualität der Naturmedizin zu analysieren und dort wo dieses sinnvoll erscheint, ihre Integration in die medizinische Wissenschaft nachhaltig zu verbessern - eine Forderung, die auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) im Mai 2002 gestellt hat. "Nach unserer Überzeugung sollte eine umfassende medizinische Ausbildung auch Kompetenz in wirksamen naturmedizinischen Therapien beinhalten. Deshalb fordern wir ein adäquates Lehrangebot, das - wie die Pascoe-Studie zeigt - in Deutschland leider noch nicht vorhanden ist", so der Sprecher des Expertenkreises, Prof. Dr. Harald Schmidt vom Universitätsklinikum Gießen. "Wir wünschen uns deutlich mehr Professuren in Deutschland", fordert er.


Die Experten sind enttäuscht über den geringen Stellenwert der Naturmedizin an den deutschen Universitäten und halten dies angesichts des studentischen Interesses und des Wunsches der Patienten für nicht zeitgemäß. 73% der Bevölkerung verwenden Naturheilmittel, wie eine aktuelle Allensbach-Studie von 2002 zeigt. Dies ist ein deutlich steigender Trend: Im Jahr 1997 waren es 65%, 1970 erst 52% gewesen. Dabei müssen Natur- und so genannte Schulmedizin überhaupt keinen Widerspruch darstellen. So leiten sich schon heute viele so genannte chemische Arzneimittel von natürlichen Substanzen ab. Demzufolge basiert moderne Arzneimittelentwicklung auch auf Naturstoffforschung.

Ruth Bastuck | ots

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