Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprachkenntnisse der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz

03.03.2008
Das Englische gilt als nützlichste Fremdsprache

Die schweizerische Bevölkerung steht bezüglich Fremdsprachenkenntnisse in Europa an dritter Stelle. Die in der deutschen und in der italienischen Schweiz lebenden Personen beherrschen im Schnitt 2,2 Fremdsprachen, die in der Romandie lebenden Personen 1,7. Zu diesen Ergebnissen kommt eine im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz» (NFP 56) erstellte Studie.

Schweizerinnen und Schweizer brüsten sich gerne damit, zu den polyglottesten Völkern Europas zu zählen. Das tun sie tatsächlich, doch sie stehen nicht ganz an der Spitze. Punkto Fremdsprachenkenntnisse rangiert die hiesige erwachsene Bevölkerung, die im Schnitt 2,0 Fremdsprachen spricht, hinter Luxemburg (3,0) und den Niederlanden (2,2) an dritter Stelle. Der Durchschnittswert der Europäischen Union (EU) lag vor der Osterweiterung bei 1,14 Sprachen.

Die durch Nachuntersuchungen erhärteten Werte hat der Berner Sprachwissenschaftler Iwar Werlen im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz» (NFP 56) ermittelt. Werlen und sein Team haben sich einer repräsentativen Methode bedient, die in den letzten Jahren in der EU angewendet wurde. Sie befragten für ihre Studie «Sprachkompetenzen der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz» 600 Personen in der deutschen, 400 in der französischen und 200 in der italienischen Schweiz zu ihren Kenntnissen und Wertschätzungen der eigenen und fremder Sprachen.

... mehr zu:
»Fremdsprache »NFP
Zufriedenheit vor Interkulturalität
Demnach sprechen in der deutschen und italienischen Schweiz lebende Personen im Schnitt 2,2 Fremdsprachen, nämlich vorwiegend Französisch und Englisch, während die in der Romandie lebende Bevölkerung sich in 1,7 Fremdsprachen verständigen kann. Bemerkenswert ist die Motivation, die für das Erlernen einer Sprache genannt wird: Zuoberst steht die eigene Zufriedenheit (von 53% der Befragten angegeben). Gefolgt wird sie von der Motivation der grösseren Verständigungsmöglichkeiten in den Ferien im Ausland (50%), des besseren Verständnisses von Menschen aus anderen Kulturen (39%), des Kennenlernens von Menschen aus anderen Ländern (34%) sowie der Berufsarbeit (35%).

Am häufigsten werden als Fremdsprachen, die man spricht, das Französische und das Deutsche genannt. Das Englische steht an keiner der drei Sprachregionen an der Spitze. In der deutschen Schweiz rangiert das Französische – von 71% der Befragten genannt – vor dem Englischen (67%), in der Westschweiz liegen Hoch- und Schweizerdeutsch (47%) vor dem Englischen (43%), in der italienischen Schweiz führt das Französische (74%) vor dem Deutschen (65%) und dem Englischen (42%). Das Englische hat also nicht die Funktion einer «Lingua franca» inne, die ihm oft zugeschrieben wird.

Fragt man hingegen nach der nützlichsten Fremdsprache, steht das Englische an erster Stelle: Es wird von 86% der Befragten genannt. Wiederum fallen die Unterschiede zwischen den Landesteilen ins Auge: In der Deutschschweiz bezeichnen 92% der Befragten, in der Westschweiz 88% und in der italienischen Schweiz 77% Englisch als die nützlichste Fremdsprache. Die oft propagierte Solidarität der lateinbasierten Sprachgegenden («Helvetia latina») kommt nicht zum Tragen: Schweizerdeutsch Sprechende erachten das Französische zu 46% als nützlich, Italienischsprachige zu 30%, und von den Französischsprachigen bezeichnen nur gerade 9% das Italienische als eine nützliche Sprache.

Bedrohtes Italienisch
Als prestigeträchtigste Sprache gilt der Schweizer Bevölkerung das Englische – vor dem Französischen, dem Deutschen und dem Spanischen. Auffallend ist die sprachregional unterschiedliche Einschätzung der Muttersprache: Während in der Romandie 55% der Befragten das Französische als prestigeträchtige Sprache nennen, sind die Werte in der deutschen Schweiz (Hochdeutsch 17%, Schweizerdeutsch 4%) und in der italienischen Schweiz (Italienisch 6%) sehr niedrig. Das deutet auf eine geringe Sprachloyalität hin. Iwar Werlen hält denn auch fest, dass der Status des Italienischen Anlass zur Sorge gibt: die Zahl seiner Sprecherinnen und Sprecher nimmt ab, es spielt nur eine geringe Rolle als Fremdsprache und es gilt als wenig nützlich und prestigeträchtig – und das auch im eigenen Sprachgebiet.

Hingegen scheint sich die von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) 1975 erlassene Empfehlung, die Mehrsprachigkeit in der Schweiz durch die Einführung einer zweiten Landessprache als erster Fremdsprache in der Primarschule zu festigen, bewährt zu haben: Prägend für das Erlernen der ersten Fremdsprache ist nach Angabe der Mehrheit der Befragten die Schule.

Nationales Forschungsprogramm «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz» (NFP 56)

Die traditionelle Viersprachigkeit der Schweiz ist längst zur Vielsprachigkeit geworden. Dies wirft für Schule und Gesellschaft Probleme auf. Andererseits aber eröffnet das sprachliche Kapital der Schweiz grosse Chancen, da die internationalen Verflechtungen Sprachenkenntnisse nötiger denn je machen. Die Vielfalt der Sprachen stellt heute neue Fragen an Schule, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und auch an jedes einzelne Individuum. Das vom Bundesrat in Auftrag gegebene NFP 56 erforscht und entwickelt seit 2006 die Grundlagen zur Erhaltung, Förderung und Nutzung der Sprachenvielfalt in der Schweiz.

Philippe Trinchan | alfa
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.linguadult.ch
http://www.nfp56.ch

Weitere Berichte zu: Fremdsprache NFP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie