Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HRK-Senat debattiert Studienreform in Deutschland

20.02.2008
Politik darf Bologna-Reform nicht länger links liegen lassen - Hochschulen steuern nach

Die Zukunft des Studiums in Deutschland stand im Mittelpunkt der Sitzung des 107. Senats der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 19. Februar in Bonn.

Diskutiert wurde der Stand der Bologna-Reform und deren Bewertung durch die Hochschulen, zwei Jahre bevor die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master abgeschlossen sein soll. "Wir sind jetzt in der Phase der Nachsteuerung, um die Reform zum Erfolg zu führen", sagte dazu HRK-Präsidentin Margret Wintermantel.

"Das betrifft die Anerkennungspraxis in den Hochschulen, die Gestaltung der Prüfungen, den Qualifikationsrahmen für Curricula oder Teilzeitstudiengänge. Das Bologna-Zentrum der HRK ist dafür eine wichtige Drehscheibe. Hier werden die inzwischen vorliegenden Erfahrungen gesammelt, ausgewertet und an die Hochschulen vermittelt. Bei der Aussprache im HRK-Senat wurden die notwendigen Konsequenzen erörtert.

Die Diskussion zeigte, dass sich die Hochschulen der noch anstehenden Aufgaben sehr bewusst sind und dass sie nach wie vor enorme Kräfte in den Reformprozess investieren. Dass der Staat, das heißt die Länder, die Hochschulen weitgehend mit der Finanzierung des Aufwands der Umstellung und der Intensivierung des Lehrangebots alleine lässt, bleibt eine ungeheure Belastung. Der HRK-Senat hat unmissverständlich erklärt, dass bei der zugesagten Neuauflage des Hochschulpakts für die Jahre nach 2010 dieser Bedarf nicht erneut ausgespart werden darf.

Ein wesentlicher Hebel, um die Situation in der Lehre zu verändern, ist die Reform des Kapazitätsrechts. Das ist starr, nicht bedarfsorientiert und gänzlich überholungsbedürftig. Der Senat hat den HRK-Vorschlag nochmals bekräftigt, dass die Ausbildungskapazitäten der einzelnen Hochschule pro Fächergruppe oder Fakultät in Zielvereinbarungen zwischen Land und Hochschule festgelegt werden sollten. Daraus muss sich eine Finanzierung ergeben, die als Grundausstattung die erforderlichen Mindestqualitätsstandards sichert. Damit hoffen wir zu einer bedarfsgerechten Ausstattung zu kommen, die durch Studienbeiträge oder andere Drittmittel von den Hochschulen dann weiter verbessert werden kann.

Die Hochschulen werten Informationen, die sich inzwischen aus den Erfahrungen mit den neuen Studiengängen ziehen lassen, sorgfältig aus. Dazu gehören auch die jetzt von der HIS-GmbH erhobenen Hinweise darauf, dass sich an manchen Stellen die Zahl der Abbrecher erhöht. Es fällt auf, dass es zwischen Universitäten und Fachhochschulen sowie von Fach zu Fach große Unterschiede hinsichtlich der Zahl der Abbrecher gibt. In den Sozial-, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften ist die Abbrecherrate deutlich gesunken. Dort hat der erhoffte Paradigmenwechsel tatsächlich stattgefunden. Bei den ingenieur- und wirtschaftswissen-schaftlichen Studiengängen an Fachhochschulen haben dagegen sogar vermehrt Studierende ihr Studium aufgegeben Das weist darauf hin, dass die Curriculumsplaner künftig noch mehr auf die Studierbarkeit der neuen Studiengänge achten müssen. Den Studierenden ist nicht geholfen, wenn der Lernstoff aus dem Diplom in die kürzeren Bachelor-Studiengänge gestopft wird. Bessere Betreuungsrelationen und Studienberatungen müssen hier ebenfalls ein Thema sein. Wir wollen eine echte Studienreform, die den Studierenden bei der Gestaltung des Curriculums im Mittelpunkt steht.

Auch die Frage, ob die Bologna-Reform die nationale und internationale Mobilität der Studierenden wie angestrebt fördert, muss geprüft werden. Daraus kann sich unter anderem die Frage ergeben, ob die Konzentration auf den sechssemestrigen Bachelor in Deutschland überall richtig ist. Es sind sicher Überlegungen notwendig, wo ein sieben- oder achtsemestriger Bachelor sinnvoller wäre, etwa um Praxisanteile oder Auslandssemester zu integrieren oder die Studienpläne zu entzerren. Das Ziel, einer verkürzten, kompetenzorientierten ersten Ausbildungsstufe wird dadurch nicht gefährdet."

Susanne Schilden | idw
Weitere Informationen:
http://www.hrk.de

Weitere Berichte zu: Bologna-Reform HRK-Senat Studienreform

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz