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Kluge Köpfe für Fraunhofer

19.02.2008
Die Fraunhofer-Gesellschaft schafft dieses Jahr 1000 neue Stellen. Sie bietet Nachwuchswissenschaftlern ein sehr gutes Arbeitsumfeld. Darüber hinaus stehen im Programm "Attract" 100 Mio Euro für Forschungsvorhaben von Spitzenforschern bereit.

Das große Werben um die Besten hat in einigen Forschungsgebieten bereits begonnen. Es wird zunehmend schwieriger, gute Naturwissenschaftler und Ingenieure zu finden. "Wir brauchen Spitzenkräfte für die angewandte Forschung. Und wir müssen den Forscherinnen und Forschern die besten Möglichkeiten und Freiräume bieten, damit sie sich entfalten können.

Das sind die grundlegenden Voraussetzungen, damit aus Ideen innovative Produkte werden", erklärt Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. "Wir wollen unsere Spitzenposition als attraktiver Arbeitgeber für Absolventinnen und Absolventen der Natur- und Ingenieurwissenschaften weiter ausbauen. Denn die Basis unseres Erfolgs sind die hervorragenden Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Die Auftragslage der Institute ist sehr gut. Dieses Jahr werden bis zu 1500 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt: Davon werden 1000 Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen, weitere müssen wegen der normalen Fluktuation neu besetzt werden. Forscherinnen und Forscher, die bei der Fraunhofer-Gesellschaft Erfahrungen gesammelt haben, wechseln häufig in die Industrie. Diesen Transfer der Köpfe sieht Bullinger als wichtiges Unternehmensziel. "Die Wissenschaftler können sich bei uns in Aufgabenstellungen und Kompetenzen, die die Unternehmen benötigen, einarbeiten. Ihr spezifisches Know-how macht sie für die Industrie interessant. Dort steigen sie häufig die Karriereleiter hinauf und nehmen Führungspositionen in Wirtschaft oder Wissenschaft ein." Die Fraunhofer-Gesellschaft sorgt für ein gutes Arbeitsumfeld und beste Laborausstattung. Auch von der engen Anbindung der Fraunhofer-Institute an die Hochschulen profitieren die Mitarbeiter. Sie sind in die wissenschaftlichen Netzwerke eingebunden und arbeiten je nach Forschungsaufgabe interdisziplinär und über die Institutsgrenzen hinweg.

Arbeitgeber-Rankings belegen immer wieder: Fraunhofer ist ein attraktiver Arbeitgeber. Umfragen bei den neuen Mitarbeitern haben ergeben, dass die Beschäftigten die hohe Eigenverantwortung, die interessanten Forschungsgebiete und das gute Arbeitsklima sehr schätzen. Die angewandte Forschung bietet einen engen Bezug sowohl zur Wissenschaft als auch zur Praxis. "Mit der intensiven und systematischen Qualifizierung unserer Mitarbeiter leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Erfolg des Einzelnen und für die deutsche Wirtschaft", betont Bullinger. Darüber hinaus punktet die Fraunhofer-Gesellschaft durch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. An vielen Standorten bestehen bereits Kindertagesstätten. Mehr Frauen in die angewandte Forschung zu holen, ist ein Leitmotiv. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Doktorandinnen- und Mentoringprogramme aufgelegt.

Den Mitarbeitern bieten sich noch viele weitere Möglichkeiten: zum Beispiel eine technische Entwicklung zur Geschäftsidee auszubauen und selbst zu vermarkten. Rund 50 Mitarbeiter pro Jahr wagen den Schritt, ein eigenes Unternehmen zu gründen - mit Unterstützung der Fraunhofer-Venture-Gruppe.

Das Programm "Attract": einzigartiges Angebot für exzellente Wissenschaftler
Ein wichtiger Baustein, um kreative Köpfe zu gewinnen, ist das Programm "Attract". 100 Mio Euro stehen dem wissenschaftlichen Nachwuchs für ausgewählte Projekte zur Verfügung. Forscherinnen und Forscher erhalten die Chance, zu besten Bedingungen ihre Ideen in Innovationen umzusetzen: Über fünf Jahre bekommen sie jährlich 500 000 Euro, um selbständig eine eigene Arbeitsgruppe mit bis zu fünf Mitarbeitern aufzubauen. Bis 2009 werden insgesamt 40 Gruppen ausgeschrieben, 9 Arbeitsgruppen stecken bereits mitten in der Forschungsarbeit. Einige Beispiele: Sensoren in der Biomedizin und Sicherheitstechnik, Glaskeramiken für hocheffiziente Solarzellen sowie Assistenzsysteme für Patienten und ein Baustoff mit viel Potenzial: Beton. Nach fünf Jahren sollen die Forschungen soweit gediehen sein, dass sich die Arbeitsgruppe durch Wirschaftserträge und Lizenzeinnahmen selber trägt. Alternativ besteht auch die Möglichkeit zu einer Ausgründung. Professor Ulrich Buller, Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, freut sich über die engagierten Forscherinnen und Forscher: "Wir bieten den Wissenschaftlern ein Karrieresprungbrett. Sie haben nach dem Programm die Aussicht auf eine eigene Abteilung oder ein neues Geschäftsfeld am Fraunhofer-Institut oder eine gute Startposition in Wissenschaft und Industrie."

Forschungsbeispiele aus dem Programm "Attract"

Sensoren für die Biomedizin und die Sicherheitstechnik
Dr. Volker Cimalla forscht am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg an hochsensitiven, selektiven elektronischen Gas- und Flüssigkeits-Sensoren mit integrierten Lichtemittern. Ziel des Projekts ist es, optoelektronische und elektronische Bauelemente zu neuartigen Sensorsystemen zu kombinieren. Die neuen Sensoren sollen zunächst in der Medizin-, Umwelt- und Sicherheitstechnik für die schnelle Analyse von kleinsten Flüssigkeitsmengen (Nanoliter-Tröpfchen), sowie der Überwachung der Umgebungsluft eingesetzt werden. Die Systeme ermöglichen zum Beispiel ein besonders kostengünstiges "Monitoring" biochemischer Reaktionen in kleinsten Flüssigkeitsvolumen, wie sie etwa in einer einzelnen Zelle vorliegen. Außerdem lassen sich damit gesundheitsgefährdende Gase bereits in kleinsten Konzentrationen detektieren. Die neuartigen, miniaturisierten Sensorsysteme erweitern die Möglichkeiten von Halbleitersensoren in der Biomedizin- und Sicherheitstechnik.
Multifunktionale Massenbaustoffe
Die Arbeitsgruppe zu multifunktionalen Massenbaustoffen leitet Dipl.-Ing. Christof Rymarczyk am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP. Der Schwerpunkt der Forschungsarbeiten liegt bei den hydraulisch gebundenen Massenbaustoffen wie Beton, Putz und Mörtel. Diese wurden in der Vergangenheit - bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage des Baugewerbes - kaum weiterentwickelt. Der Fokus des Projekts liegt auf der Entwicklung von neuen, höherwertigen und vor allem umfangreicheren Funktionen, die derzeit noch häufig durch zusätzliche Bauteile erreicht werden. Bei den Oberflächen stehen korrosionsfreie Spezialbetone oder Selbstreinigung im Vordergrund. Dazu kommen Verfahren, die zur Reduktion des Energiebedarfs oder zu schalungsfreien Betonbauteilen führen. Darüber hinaus bilden Spezialbetone einen weiteren Schwerpunkt. Dabei arbeiten die Forscher von Anfang an mit interessierten Unternehmen aus der Baubranche zusammen.
Glaskeramiken für hocheffiziente Solarzellen
Am Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP und dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Halle arbeitet Privatdozent Dr. Stefan Schweizer. Er will die Effizienz von Solarzellen steigern. Das einfallende Licht soll durch Deckgläser oder Schichten auf der Rückseite der Module so verändert werden, dass es in den für Solarzellen nutzbaren Energiebereich verschoben wird. So lässt sich der Wirkungsgrad der Solarmodule erhöhen, ohne die eigentliche Solarzelle zu modifizieren. Es wird dabei zwischen up- und down-conversion Prozessen unterschieden. Das Deckglas, das bei der down-conversion verwendet wird, wandelt ein einfallendes ultraviolettes Photon in ein oder mehrere Photonen einer Wellenlänge um, die effizienter von der Solarzelle absorbiert werden können. In der up-conversion Schicht auf der Rückseite des Moduls können jeweils zwei oder mehrere Photonen, die vom Deckglas und der Solarzelle nicht absorbiert werden, aus dem infraroten Spektralbereich zu einem sichtbaren Photon umgewandelt werden. Ziel ist es, optisch-aktive Glaskeramiken entsprechend anzupassen. Die Glaskeramiken sind im sichtbaren Spektralbereich optisch transparent und wären daher ideal als Schichten geeignet. Neben der optischen Funktionalität der Glaskeramiken untersucht und optimiert Schweizers Arbeitsgruppe auch die mechanischen Eigenschaften.
Patientenindividuelle Monitoringsysteme
Dr. Gudrun Stockmanns und ihr Team am Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg entwickeln personalisierte Monitoring- und Assistenzsysteme für die intelligente häusliche Umgebung. Die personalisierten Systeme begleiten den Menschen unsichtbar und unbemerkt im Alltag oder in seiner häuslichen Umgebung und unterstützen ihn bei den alltäglichen Aufgaben. Ziel des Projekts ist es, solche Systeme für kranke, hilfs- und pflegebedürftige Menschen bereit zu stellen und ihnen damit ein möglichst langes und gesundes Leben zu Hause zu ermöglichen. Die inHaus-Forschungsanlage in Duisburg (www.inhaus.de) bildet ein einzigartiges Fundament für Entwicklung, Demonstration, Evaluation und Vermarktung solcher Raumsysteme. Darüber hinaus soll lizenzierbares Know-How in diesem neuen Anwendungsfeld erarbeitet und gemeinsam mit der Industrie vermarktet werden.

Marion Horn | idw
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/02/Presseinformation19022008.jsp
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/02/Presseinformation19208.jsp

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