Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jacobs University leitet Forschungsprojekt zur Eigentumsentflechtung in der Energiebranche

04.01.2008
Ist die Zwangsveräußerung von Netzwerken sinnvoll, um den Wettbewerb in der europäischen Energiewirtschaft zu intensivieren?

Diese und andere Fragen der Eigentumsentflechtung bei Energiegroßkonzernen stehen im Mittelpunkt des Projektes "UNECOM: Unbundling of Energy Companies - Will it be worth it?" (http://www.unecom.de), das jetzt unter der Leitung von Gert Brunekreeft, Jacobs Professor of Energy Economics, startete.

An dem 720.000-Euro-Projekt mit 1,5 Jahren Laufzeit beteiligen sich außerdem die Ruhr-Universität Bochum, die niederländische Universiteit van Tilburg, die Technische Universiteit Delft sowie die Wirtschaftsuniversität Wien.

Im Herbst 2007 stellte die Europäische Kommission ihre Gesetzesvorhaben zur weiteren Umgestaltung des europäischen Energiemarktes vor. Wichtigster und zugleich umstrittenster Vorschlag ist die erzwungene eigentumsrechtliche Trennung des Netzbetriebs von den Bereichen der Energieerzeugung und -vermarktung bei sogenannten "integrierten" Energieunternehmen.

In der öffentlichen Debatte um die geplanten Direktiven bezweifeln Ökonomen, Techniker und Juristen, dass unabhängige Netzwerkbetreiber tatsächlich den Wettbewerb ankurbeln und so günstigere Energiepreise entstehen, und befürchten außerdem, dass die Entkopplung des Netzwerkbetriebes die dauerhafte Netz- und Energieversorgungssicherheit gefährdet.

"Bei der Eigentumsentflechtung in der Energiewirtschaft stehen europaweit weit mehr als nur riesige Geldsummen auf dem Spiel. Obwohl die wissenschaftliche wie politische Diskussion in den betroffenen EU-Ländern und in Brüssel intensiv geführt wird, ist das Problem bei weitem noch nicht ausreichend analysiert und empirische Daten für eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Abwägung sind zurzeit praktisch noch nicht verfügbar. Diese Informationslücken wollen wir jetzt schließen", sagt Projektleiter Gert Brunekreeft über die Zielsetzung des neu gestarteten UNECOM-Forschungskonsortiums. Der Jacobs-Professor und Leiter des Bremer Energieinstitutes ist Spezialist für Energieökonomie in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien.

Um der vielschichtigen Problematik gerecht zu werden, setzt das Projekt UNECOM neben der Internationalität des Forschungsverbundes auf Interdisziplinarität: Theoretisch wie empirisch wollen die Projektpartner die wirtschaftlichen, verwaltungs- und managementtechnischen, rechtlichen und technologischen Aspekte der Eigentumsentflechtung erforschen. Gert Brunekreeft: "In Bremen befassen wir uns vor allem mit wirtschaftswissenschaftlichen und verwaltungstechnischen Fragen: Mit Hilfe einer sozialen Kosten-Nutzen-Analyse (SCBA, Social Cost Benefit Analysis) wollen wir untersuchen, ob der 'Wohlfahrtsgewinn' der von der EU verordnete Marktintervention tatsächlich die durch sie verursachten Kosten überwiegt. Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang ist die nach den Auswirkungen der angestrebten Wettbewerbssteigerung: Wie wirkt die Wettbewerbssteigerung auf die Gesamtwirtschaft aus und wer profitiert am meisten von etwaigen Umverteilungseffekten? Voraussetzung für eine SCBA ist unter anderem eine detaillierte empirische Untersuchung der Eigentumsentflechtung mit ökonometrischen Methoden, die wir hier durchführen werden. Darüber hinaus wollen wir untersuchen, wie Entscheidungen über nötige Langzeitinvestitionen, sowohl in die Netzwerke als auch in die Energieproduktionsanlagen, zwischen zukünftig unabhängigen aber dennoch notwendigerweise interagierenden Partnern gefällt werden können."

Neben den wirtschaftwissenschaftlichen Untersuchungen in Bremen und Wien, sind Mittelpunkt der rechtlichen Studien, die überwiegend in Bochum und Tilburg durchgeführt werden, vor allem Fragen nach den Konflikten zwischen nationalstaatlicher und EU-Legislative bei der Entwicklung und Implementierung der geplanten neuen Energiedirektiven. Technologische und institutionspolitische Kompatibilitätsprobleme einer dezentralisierten Energiewirtschaft mit konkurrierenden Akteuren werden schwerpunktmäßig in Delft untersucht. Finanziert wird UNECOM von dem holländischen Wissenschaftsrat "Next Generation Infrastructures Foundation" (NGInfra), der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, der RWE Energy AG und dem Verbund Austrian Power Grit (APG) aus Österreich.

Fragen zum Projekt beantwortet:

Prof. Dr. Gert Brunekreeft | Professor of Energy Economics
(http://www.jacobs-university.de/directory/gbrunekreeft/index.php)
Tel: +49 (0)421 200-3497
g.brunekreeft@jacobs-university.de

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de/directory/gbrunekreeft/index.php

Weitere Berichte zu: Eigentumsentflechtung Energiewirtschaft UNECOM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft
19.12.2016 | Universität Rostock

nachricht Bildung 4.0: Die Welt des digitalen Lernens: Smartphones und Virtual Reality im Unterricht
14.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie