Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch in der Mumienforschung an der Universität Zürich

17.12.2007
Einem schweizerisch-deutschen Forscherteam unter Leitung von Dr. Dr. Frank Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich ist ein Meilenstein in der medizindiagnostischen Forschung an historischen Mumien gelungen.

Weltweit erstmals konnte mittels der Magnetresonanztechnik (MRI) qualitativ hochwertige Bilder von intakten antiken Mumien generiert werden ohne vorherige zerstörende Befeuchtung der trockenen Gewebe. Dieser wissenschaftlich-methodische Durchbruch ist aktuell in der Fachzeitschrift "Journal of American Medical Association" (Volume 298, issue 22) erschienen.

Mumien weisen im Gegensatz zu Skeletten die Erhaltung von Weichteilen auf. Daher ermöglichen diese wertvollen Körper auf einzigartige Weise, Lebensbedingungen der Vorzeit zu studieren aber auch die evolutionäre Entwicklung von heutigen Krankheiten. Aus ethischen Gründen werden so genannte nicht-invasive (nicht Gewebe zerstörenden) medizinische Methoden bei der Untersuchung historischer Mumien bevorzugt. Gerade die Magnetresonanztechnik, die ohne Röntgenstrahlen Einblick in das Körperinnern ermöglicht, ist daher ein sehr wünschenswertes diagnostisches Bildgebungsverfahren.

Erstmals ist es nun dem Forschungsteam "Swiss Mummy Project" um Dr. Dr. F. Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich im Rahmen eines von ihm geleiteten Doktorandenprojektes (med. vet. H. von Waldburg) gelungen, erfolgreich MRI-basierte Bilder von trockenen Mumien - ohne deren vorgängige Befeuchtung - zu erzeugen. Möglich wurde dies nur dank einer neuartigen Software der SIEMENS Medical Solutions. Auf klinischen Standard-MR-Geräten wurde mittels so genannter ultra-short-echo-time-application (UTE) diverse ägyptische und peruanische Mumien und Mumienteile (ca. 1500 v. Chr. bis 1100 n. Chr.) bei SIEMENS Medical Solutions analysiert. Die UTE-Anwendung erlaubt, auch ausgesprochen trockene Gewebe mittels der auf der Anregung von Wasserstoffkernen basierenden MR-Technik zu untersuchen. Dabei konnten u.a. Teile der Bandscheiben oder auch Einbalsamierungssubstanzen, die im alten Ägypten bei der Mumifizierung verwendet wurden, besonders genau untersucht werden.

... mehr zu:
»Gewebe »Mumie

"Dies ist ein medizindiagnostischer Durchbruch in der Erforschung von Mumien", so Frank Rühli. "Wir haben nun eine weitere, erstmals absolut zerstörungsfreie Untersuchungsmethode zur Verfügung, die uns noch differenziertere Analysen historischer aber auch moderner trockener Gewebe ermöglicht." Besonders wichtig ist es, dass diese MR-Analysen nun möglich sind, ohne die wertvollen Gewebe vorher rehydrieren (befeuchten) zu müssen. Diese UTE-Untersuchungen werden in Zukunft auch für rechtsmedizinische oder anthropologische Fragestellungen verwendet werden können.

Diese erfolgreiche Forschungsarbeit zeigt auch die Bedeutung der Unterstützung von Forschungsprojekten durch kompetitive Drittmittelfinanzierung wie im vorliegenden Fall durch den Forschungskredit der Universität Zürich. Zudem hat sich die offizielle Forschungskooperation zwischen der Universität Zürich (Anatomisches Institut) und einem Industriepartner (Gruppe für Kardiovaskuläre Applikationsentwicklung bei MR, Siemens Medical Solutions, Erlangen, D) als äusserst wertvoll erwiesen. Die Arbeit wurde zudem auch durch das ZUSE Institut Berlin unterstützt.

Kontakt:

Dr. Dr. Frank Rühli, Anatomisches Institut der Universität Zürich
Tel. +41446355315, Fax: +41446355702
E-Mail: frank.ruhli@anatom.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Berichte zu: Gewebe Mumie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie