Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei Celisca entsteht das Labor der Zukunft

19.12.2016

Prof. Kerstin Thurow: Wissenschaft für die Praxis

Ewig schlauer werden und der Welt zu wichtigen Erkenntnissen verhelfen. Das klingt gut. Aber auch in den Ingenieurwissenschaften ist der Weg an die Spitze, also zum Professoren-Titel, schwer. Insofern ist es etwas Besonderes, wenn am Center for Life Science Automation der Universität Rostock, kurz CELISCA, seit 1999 fünf Habilitierte den Weg nach ganz oben gefunden haben.


Dr. Heidi Fleischer, Dr. Hui Liu, Dr. Bernd Göde (v.l.n.r.) und apl. Prof. Mohit Kumar (vorn)

„Wir machen keine Nachwuchsförderung, sondern Nachwuchsforderung“, unterstreicht Professorin Kerstin Thurow, die Direktorin des Instituts für Automatisierungstechnik (IAT) der Universität Rostock. Sie war 1999 mit nur 29 Jahren die jüngste Professorin Deutschlands, habilitierte als studierte Chemikerin in den Ingenieurwissenschaften und brach stets eine Lanze für das fachübergreifende Arbeitsprinzip des Forschungszentrums. Im Institut haben sich in den letzten Jahren drei Wissenschaftler habilitiert.

„Da muss man nicht nur ein dickes Buch schreiben“, sagt Prof. Thurow. „Die Akteure müssen publizieren, dozieren, Studenten betreuen, Drittmittel für Projekte einwerben.“

„Wissenschaft für die Praxis“, das ist der Anspruch von Kerstin Thurow. „Das, was bei uns am Institut erforscht wird, muss anwendungsbereit sein“, gibt Prof. Thurow die Richtung vor. Am Zentrum für Innovationskompetenz CELISCA entsteht das Labor der Zukunft: Neben der Entwicklung neuer technologischer Verfahren spielen auch deren gesundheitliche Folgen für die Mitarbeiter eine wichtige Rolle.

Dr. Heidi Fleischer hat ihre Habilitationsarbeit an der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik (IEF) der Universität Rostock verteidigt. Die 43-jährige Rostockerin studierte an der Uni Rostock, promovierte hier und hat sich jetzt habilitiert. Ihr Arbeitsgebiet im Warnemünder Center for Life Science Automation der Universität Rostock ist ein Zukunftsgebiet: die Rostockerin war die Erste, die systematisch Automationskonzepte für die Laborarbeit und die hochkomplexe Messtechnik entwickelt hat.

Soll heißen: Mit hochkomplexen Sensoren und mit Unterstützung von Robotern hat sie klassische Laborarbeit automatisiert. So geht sie den Eigenschaften von Materialien aus Medizin, Umwelt und Bio-Wissenschaften mit anderen Vorzeichen auf den ganz tiefen Grund. So ganz nach dem Geschmack von Kerstin Thurow: „Wir sitzen nicht im Elfenbeinturm, suchen im Team nach praktischen Lösungen“.

Hui Liu aus China ist seit Juli 2011 an der Uni Rostock. Der heute 33-Jährige kam als Spezialist mit Fachwissen aus Robotik, Transportsystemen und Energiemanagement an die Uni Rostock. Ihm ist es gelungen, erstmals weltweit ein Gesamtkonzept für den praktischen Einsatz mobiler Roboter in klassischen Laboren der Life Sciences zu erarbeiten. Roboter können jetzt im Warnemünder Institut alleine Fahrstuhl fahren, sich ohne GPS orientieren, Menschen erkennen, ihnen ausweichen, die richtigen Proben an die richtige Stelle bringen.

„Es geht nicht darum, den Menschen im Labor überflüssig zu machen. Wir suchen nach Möglichkeiten, den Laboranten monotone und sich stets wiederholende Tätigkeiten durch Automatisierungsprozesse abzunehmen. Unsere Zielsetzung ist die Entwicklung besserer Verfahren und Produkte für die Life Sciences„, beschreibt Thurow die Aufgabenstellung von CELISCA.

Im Einzelnen zählen Elektrotechniker, Maschinenbauer, Informatiker, Biologen
und Mediziner zu den tragenden Säulen der CELISCA-Forschung. „Das Thema
der Automatisierung in den Life Sciences verfolgen auch andere Forschungseinrichtungen“, weiß die CELISCA- Leiterin zu berichten, „aber die von uns gewählte wissenschaftliche Bandbreite in diesem Forschungsfeld ist weltweit einzigartig.“

Davon profitiert der gesamte Hochschulstandort an der Ostsee. Das Center for Life Science Automation bildet einen zentralen Fixpunkt in dem Bemühen der Universität Rostock, sich in der Life Sciences-Forschung international zu profilieren. Dazu trägt auch Mohit Kumar bei. Der 38-jährige Inder beschäftigt sich mit der Entwicklung von neuen Methoden der künstlichen Intelligenz für die Dateninterpretation und maschinelles Lernen sowie Signale der Bildverarbeitung. Er ist der Mann für die richtige  Dateninterpretation. Sie lassen auch Schlussfolgerungen darüber zu, ob jemand Stress hat, Menschen über- oder unterfordert sind.

Die Habilitation von Bernd Göde liegt schon 20 Jahre zurück. Er bringt sich im Institut seit 2000 als Informatiker ein. Damals gingen die Datensätze in die Millionen. Und für den heute 62-Jährigen tat sich ein neues Arbeitsgebiet auf: Web-Technologien.

Dazu war es notwendig, vorhandene Anlagentechnik sinnvoll miteinander zu kombinieren. Eine Aufgabe u. a. für die an CELISCA beteiligten Informatiker, die entsprechende Softwarelösungen programmieren mussten, um die zum Teil völlig unterschiedlichen Steuerungen der einzelnen Geräte miteinander zu „verheiraten“.

Wie alle Forschungsvorhaben im Kompetenzzentrum gibt es stets einen konkreten Bezug zum Innovationsbedarf in der Life-Science-Branche. „Wir klopfen vor einer Entwicklung immer auch das Interesse unserer Kooperationspartner in der Wirtschaft und die Marktfähigkeit ab“, betont Thurow. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. habil. Kerstin Thurow
Center for Life Science Automation
Universität Rostock
F.-Barnewitz-Str. 8
18119 Rostock
Tel: +49 381 498 7800

www.celisca.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Neues Computerprogramm hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
13.11.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Schulraum in Stuttgart mit VLC-Technologie vom Fraunhofer HHI eröffnet
03.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte