Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Begabungen erkennen und fördern

27.02.2015

Sie verschafft Orientierung bei der Wahl des Studienfachs, sie berät Familien in Schulfragen, sie forscht über Hochbegabung: Seit zehn Jahren ist die Begabungspsychologische Beratungsstelle der Uni Würzburg aktiv. Bei der Geburtstagsfeier gab es Einblicke in die erfolgreiche Arbeit.

Schock für das ganze Land: Ende 2001 zeigte die PISA-Studie, dass die Kinder in Deutschland mit ihren schulischen Leistungen im internationalen Vergleich zurückliegen. Das brachte die Bildungsexperten ins Grübeln. „Auch in Würzburg haben wir viel darüber diskutiert, wie sich Begabungsreserven mobilisieren lassen“, sagt Wolfgang Schneider, Professor für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der Universität.

Aus dieser Situation heraus entstand schließlich im Februar 2005 die Begabungspsychologische Beratungsstelle. Bei einer Feier zum zehnjährigen Bestehen gab Schneider nun viele Einblicke in die erfolgreiche Arbeit der Einrichtung, die er von Anfang an leitet.

Erstes Frühstudium in Bayern realisiert

Begabungsreserven mobilisieren – ein erster Schritt dazu wurde schon 2004 getan. Damals richtete die Uni Würzburg als erste Hochschule in Bayern ein Frühstudium ein. Seitdem können besonders begabte Schüler noch während der Schulzeit Vorlesungen und Seminare an der Uni Würzburg besuchen und Prüfungen mitschreiben. Die erbrachten Leistungen werden ihnen später im Studium anerkannt. Rund 40 Frühstudierende in 16 Studiengängen sind derzeit im Schnitt pro Semester eingeschrieben.

„Wir haben seinerzeit ein Auswahlverfahren entwickelt, um geeignete Schüler zu identifizieren, und in der Folge das Frühstudium auch wissenschaftlich begleitet und evaluiert“, erzählt Schneider. Diese Aktivitäten legten gewissermaßen den Keim für die Begabungspsychologische Beratungsstelle. Heute geht es dort nicht nur ums Frühstudium, sondern auch um Beratungen für Familien und Studierende sowie um Forschungsprojekte.

Orientierungsberatung und Online-Tests

Die Beratungsstelle am Röntgenring 10 hilft Abiturienten, Studieninteressierten und Studierenden bei der Orientierung in Sachen Studienfachwahl und Berufsziele. „Zwischen 100 und 150 Beratungen laufen jedes Jahr, Tendenz steigend“, so Schneider. Zu 90 Prozent sind es Studierende, die das Angebot wahrnehmen.

„Was soll ich studieren? Welches Fach passt am besten zu mir?“ Wenn Studieninteressierte sich das fragen, hilft ihnen seit Anfang 2014 ein Online-Interessentest weiter, den die Beratungsstelle entwickelt hat.

Zusätzlich werden Online-Selbsttests für Wirtschaftswissenschaft, Chemie, Physik, Mathematik und Lehramt erarbeitet. Sie richten sich an all diejenigen, die mit diesen Studienfächern liebäugeln. Bei den Tests sind Aufgaben zu bearbeiten, die für das jeweilige Fach typisch sind. So kann jeder herausfinden, ob seine Vorstellungen vom favorisierten Studiengang richtig sind. Die Selbsttests entstehen im Rahmen des „Qualitätspakts Lehre“, in dem die Uni Würzburg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Familienberatung in Schul- und Leistungsfragen

Die Beratungsstelle unterstützt zudem Familien, die zum Beispiel vor der Frage stehen, wann sie ihr Kind einschulen sollen oder ob es an eine weiterführende Schule übertreten kann. Mit psychologischen Tests wird auch geklärt, ob bei Kindern eine Hochbegabung vorliegt. In allen Fällen informiert die Beratungsstelle über Möglichkeiten der individuellen Förderung, bei Leistungsschwächen genauso wie bei Hochbegabung.

Karg-Stiftung fördert die Beratungsstelle

„Sie haben Maßstäbe gesetzt in der Hochbegabtenberatung“, so Ingmar Ahl von der Karg-Stiftung in seinem Grußwort bei der Jubiläumsfeier. Die Stiftung mit Sitz in Frankfurt/Main hat sich der Hochbegabtenförderung verschrieben und unterstützt die Arbeit der Würzburger Beratungsstelle von Anfang an. Derzeit finanziert sie die Studie WÜRFEL (Würzburger frühpädagogischer Erzieherleitfaden), bei der ein pädagogisches Konzept für Kindertagesstätten erarbeitet und evaluiert wird.

„Wichtig ist auch, dass Sie entsprechendes Fachwissen in die Ausbildung der Psychologiestudierenden einbringen“, lobte Ahl die Arbeit der Beratungsstelle weiter. Und nicht zuletzt hätten die Forschungsergebnisse aus Würzburg für nationale Aufmerksamkeit gesorgt.

Stark beachtete Forschungsergebnisse

Für Aufsehen sorgten zum Beispiel die Erkenntnisse der PULSS-Studie. Darin wurde verglichen, welchen Unterschied es macht, ob hochbegabte Kinder in Regelklassen oder in speziellen Hochbegabtenklassen unterrichtet werden. Am Ende stellten die Würzburger Forscher den Hochbegabtenklassen ein gutes Zeugnis aus: Die Schüler bringen dort bessere Leistungen und sind allgemein zufriedener, das ist ein wesentliches Ergebnis der Studie.

Inklusion in der Hochbegabtenförderung

Trotz guter Beurteilung: Hochbegabtenklassen und -schulen werden in der nächsten Zeit wohl in die Diskussion kommen, wie Festredner Professor Marcus Hasselhorn sagte. „Das heißt nicht, dass ihre Ansätze nicht gelungen sind. Aber diese Art der Sonderbeschulung steht dem Inklusionsgedanken entgegen“, so der Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt am Main. Hochbegabte sollten aber auf jeden Fall individuell gefördert werden – „denn eine Hochbegabung kann sonst auch verkümmern.“

Hector-Kinderakademien fördern Grundschüler

Seine Festrede hatte Professor Hasselhorn unter den Titel gestellt „Sollten Hochbegabte schon im Grundschulalter gefördert werden?“ Die Antwort: „Ja … aber wie?“ Dazu gab er einige Erkenntnisse aus seiner Forschung weiter. Hasselhorn ist derzeit einer der wissenschaftlichen Begleiter der Hector-Kinderakademien, die seit drei Jahren in Baden-Württemberg entwickelt werden.

In den Kinderakademien bekommen besonders begabte Grundschüler außerhalb der regulären Schulzeit verschiedene Förderangebote. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) – entsprechend den Richtlinien der Hector-Stiftung, die die Akademien initiiert hat und sie fördert. Deutlich positive Effekte der Angebote auf die Kinder wurden bei ersten Evaluationen bereits festgestellt.

Grußwort des Universitätsvizepräsidenten

Die Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Begabungspsychologischen Beratungsstelle fand am 26. Februar 2015 im Oswald-Külpe-Hörsaal am Röntgenring statt. Wolfgang Schneider begrüßte dort Gäste aus Schule und Wissenschaft; Universitätsvizepräsident Wolfgang Riedel gratulierte zum Jubiläum. In seinem Grußwort dankte Riedel der Karg-Stiftung auch im Namen der Universitätsleitung für die finanzielle Unterstützung der Beratungsstelle.

Für Musik sorgte ein Streichquartett des Würzburger Matthias-Grünewald-Gymnasiums. Es spielten die Schüler Mirjam Brönner (Viola), Mirjam Kroder und Celina Steiner (Violine) sowie Timon Töpfer (Violoncello). Auf den Festakt folgte ein Empfang in den Räumen der Beratungsstelle.

Weitere Informationen:

http://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/gute-noten-2/ Klassen für Hochbegabte: Ergebnisse der PULSS-Studie
http://www.interessentest.uni-wuerzburg.de/ Online-Interessentest für Studieninteressierte
http://www.begabungsberatungsstelle.uni-wuerzburg.de/ Zur Homepage der Begabungspsychologischen Beratungsstelle
http://www.karg-stiftung.de/ Karg-Stiftung: Förderung von Hochbegabten

Robert Emmerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics