Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Autistischen Kindern den Spracherwerb erleichtern: Computergestütztes Studierenden-Projekt

14.02.2012
An der Fachhochschule Frankfurt am Main (FH FFM) haben Studierende ein Konzept für ein computergestütztes Lernspiel entwickelt, das den Spracherwerb von autistischen Kindern über Körperbewegungen unterstützen könnte.
Das Projekt „LYSA“ (Learning sYStem for Autistic children) wurde interdisziplinär von Studierenden der Pflege und Informatik im Master-Studiengang Barrierefreie Systeme (BaSys) durchgeführt. Microsoft Deutschland nahm LYSA in die Initiative „Chancenrepublik Deutschland“ auf. Anhand von 30 Projekten wird dort gezeigt, wie Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen mittels innovativer Informationstechnologie aussehen können.

Frühkindlicher Autismus ist weitgehend genetisch bedingt. Er beeinflusst unter anderem die Wahrnehmung und die Kommunikation. Der Spracherwerb läuft meist langsamer ab. „Wie kann man diese Kinder unterstützen?“ fragten sich die Studierenden der BaSys-Projektgruppe und konzipierten die Idee für das Lernspiel. Sie entwickelten eine Software-Demonstration, die zeigt, wie die Kinder gefördert werden könnten. Hierfür verwendeten sie den Kinect-Sensor von Microsoft. Mit diesem können die Kinder allein über ihre Bewegungen direkt mit dem Spiel interagieren. Der übliche Controller wird durch den eigenen Körper ersetzt. Alle Bewegungen lassen sich visuell auf einem Bildschirm abbilden.

„Sprache setzt sich aus einem Objekt und einer dazugehörigen Bezeichnung zusammen. Die Kinder werden beispielsweise aufgefordert, für eine Mahlzeit eine Kartoffel in den Kochtopf zu werfen. Über ihre Handbewegungen greifen sie die virtuellen Objekte und legen sie in einen virtuellen Kochtopf“, erklärt David Heun, Sprecher der studentischen Projektgruppe, die Idee des Spiels.

„Das fertige Programm würde später auf einem sogenannten intelligenten Tutor basieren. Er würde den aktuellen Zustand und den Bildungsgrad des Kindes erkennen und gezielt auf dessen Bedürfnisse eingehen“, erläutert Heun mit Blick in die Zukunft. „Derzeit konnten wir den Tutor leider noch nicht realisieren, dies könnte aber in einer nächsten Projektphase geschehen. Dabei würden uns dann Professoren der FH Frankfurt und der Goethe-Universität unterstützen.“

Das Projekt LYSA ist Teil einer langfristigen Kooperation zwischen dem FH-Studiengang BaSys und dem Lehrstuhl für Texttechnologie der Goethe-Universität Frankfurt. Ziel ist es, lernende intelligente Systeme für die Kommunikation mit Menschen zu entwickeln. „Den Absolventinnen und Absolventen von BaSys bietet die Zusammenarbeit die Möglichkeit, ihrem Master eine Promotion folgen zu lassen“, erläutert Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch, Leiter des Schwerpunktes „Intelligente Systeme“ im Studiengang BaSys. „ Im Januar 2012 konnte der erste Absolvent von BaSys seine Promotionsstelle an der Goethe-Universität antreten“.

Auf dem „Innovation Day“, einer Veranstaltung von Microsoft Deutschland, stellten die FH-Studierenden im Januar 2012 ihr Projekt vor. Ralph Haupter, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, nahm LYSA als Pilotprojekt in die „Chancenrepublik Deutschland“ auf. „Das Projekt LYSA zeigt, dass moderne IT den gesellschaftlichen Fortschritt vorantreiben kann. Genau das ist das Ziel unserer Initiative: Mit innovativen Pilotprojekten aus Industrie, Forschung und Lehre wollen wir konkret zeigen, dass Informationstechnologie Lösungen für zentrale gesellschaftliche Herausforderungen bietet. Mit der ‚Chancenrepublik Deutschland‘ wollen wir nicht nur den Beweis antreten, dass sich gesellschaftliche Innovationen lohnen, sondern auch für eine neue Innovationskultur werben, die Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik mit einbezieht und so den Standort Deutschland stärkt“, sagt Haupter.

Der Master-Studiengang Barrierefreie Systeme der FH FFM vereint drei eigenständige Profile mit unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung. Je nach Schwerpunkt sind dies Barrierefreies Planen und Bauen, Intelligente Systeme zur Lebenshilfe oder Case Management für barrierefreies Leben. Absolvent(inn)en erwerben einen Master-Abschluss mit Hinweis auf den gewählten Schwerpunkt. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist die Arbeit an einem schwerpunktübergreifenden Projekt. Der viersemestrige Studiengang richtet sich an Absolvent(inn)en aus den Bereichen Architektur, Städtebau und Innenarchitektur sowie Informatik und Ingenieurwesen oder Pflege- und Sozialwissenschaften, Gesundheits- und Rehawissenschaften, Sozialarbeit, Sozialpädagogik sowie Ergo- und Physiotherapie. Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester 2012/13 endet am 15. September 2012.

Weitere Informationen zum Projekt LYSA unter: http://www.basys.fh-frankfurt.de/dokuwiki/de:home:kinder:projekt:lysa

Video zu LYSA unter: http://www.youtube.com/watch?v=1b4FXB8VVNM

Details zum Master-Studiengang BaSys unter: http://www.fh-frankfurt.de/de/fachbereiche/uebergreifende_angebote/basys.html

Mehr zur Initiative „Chancenrepublik Deutschland“ unter: http://www.chancenrepublik-deutschland.de und http://www.facebook.com/chancenrepublik

Kontakt: FH FFM, Fachbereich 2: Informatik und Ingenieurwissenschaften, Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch, Telefon: 069/1533-3007, E-Mail: doeben@fb2.fh-frankfurt.de

Sarah Blaß | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten