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Ausbildungsmarkt von Wirtschaftskrise und demografischem Einbruch gezeichnet

18.12.2009
Mit 566.004 neuen Lehrverträgen wurden 2009 bundesweit 50.338 Ausbildungsverhältnisse weniger begonnen als im Jahr zuvor (-8,2 %). Dies ist das Ergebnis einer Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Stichtag 30. September.

In Ostdeutschland sank die Zahl der Neuabschlüsse um 13,0 %. Sie fiel damit nicht nur auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, sondern lag mit 98.998 erstmals unter der Marke von 100.000. In Westdeutschland wurden 467.006 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Mit -7,1 % fiel der Rückgang hier nicht ganz so stark aus wie im Osten.

Ungeachtet des starken Einbruchs in Ostdeutschland verbesserten sich die Ausbildungschancen für die dort lebenden Jugendlichen. Sie sind inzwischen sogar günstiger als die Chancen der westdeutschen Jugendlichen. Denn die Zahl der Haupt- und Realschulabgänger/-innen - die Hauptklientel der dualen Berufsausbildung - sank im Osten erneut um 13,1 %. Mit nur noch 79.802 hat sie sich gegenüber 2001 (175.163) inzwischen mehr als halbiert. Erschwerend kam in diesem Jahr hinzu, dass sich der massive Geburtenrückgang der frühen 90er-Jahre nun erstmalig auch spürbar auf die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen auswirkt. Ihre Zahl nahm im Vergleich zu 2008 um 17,3 % ab und lag bei nur noch 54.030.

Für viele ostdeutsche Unternehmen bedeutet dies, dass sie inzwischen große Schwierigkeiten haben, Bewerber/-innen für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Dies gilt insbesondere für jene Betriebe, die Ausbildungsplätze außerhalb stark nachgefragter Berufe anbieten. Zu den Berufen, in denen Lehrstellen nur sehr schwer besetzt werden können, zählen zum Beispiel Bäcker/-in, Fleischer/-in, Gebäudereiniger/-in, Restaurantfachmann/-frau oder Fachverkäufer/-in im Nahrungsmittelhandwerk.

In Westdeutschland ging die Zahl der an einer Ausbildung interessierten Jugendlichen ebenfalls zurück. Doch hier sind die Auswirkungen des demografischen Einbruchs noch nicht so heftig wie in den neuen Bundesländern. Im Vergleich zu 2008 wurden zwar 3,8 % weniger Haupt- und Realschulabgänger/-innen registriert. Die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen stieg jedoch um 4,8 %, unter anderem auch als Folge des doppelten Abiturjahrgangs im Saarland.

Eine deutliche Entlastung erfuhr der westdeutsche Ausbildungsmarkt dadurch, dass sich 2009 wesentlich weniger Altbewerber/-innen bei den Arbeitsagenturen, Arbeitsgemeinschaften und zugelassenen kommunalen Trägern meldeten als ursprünglich erwartet worden war. Der starke Rückgang bei dieser Personengruppe und die demografischen Effekte konnten allerdings den durch die Wirtschaftskrise ausgelösten Einbruch des Ausbildungsplatzangebotes (-37.758 gegenüber 2008) nicht so weit auffangen, dass sich die Ausbildungschancen der westdeutschen Jugendlichen wie in den drei Jahren zuvor weiter verbesserten. Standen 2008 rechnerisch noch 67,0 neue Ausbildungsverträge 100 Schulabgängerinnen und Schulabgängern gegenüber, fiel dieser Wert 2009 wieder auf 63,1 (Ostdeutschland: 72,4 in 2008 und 74,0 in 2009).

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland ist somit zunehmend von zwei scheinbar widersprüchlichen Phänomenen gekennzeichnet: Auf der einen Seite finden die Unternehmen - insbesondere in Ostdeutschland - immer weniger Bewerber und Bewerberinnen, auf der anderen Seite gibt es - vor allem im Westen Deutschlands - immer noch zu viele Jugendliche, die bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos bleiben. Zum Stichtag 30. September 2009 registrierten die Arbeitsagenturen, Arbeitsgemeinschaften und zugelassenen kommunalen Träger bundesweit noch rund 93.000 Bewerber/-innen, die auch noch zu diesem Zeitpunkt ihren Wunsch nach Vermittlung einer Ausbildungsstelle weiter aufrecht erhielten. Die meisten dieser Jugendlichen (rund 82.000) stammen aus den alten Bundesländern. Rund 77.000 dieser 93.000 noch suchenden Bewerber und Bewerberinnen hatten bis zum 30. September zumindest eine Alternative gefunden, zum Beispiel die Teilnahme an berufsvorbereitenden Maßnahmen oder an einer Einstiegsqualifizierung (29.000), einen erneuten Schulbesuch (21.000), ein Praktikum (7.000), eine Erwerbstätigkeit (8.000), die Fortsetzung einer außerbetrieblichen Ausbildung (7.000) beziehungsweise einer bereits begonnenen betrieblichen Ausbildung oder eines Studiums (2.000) oder die Leistung gemeinnütziger beziehungsweise sozialer Dienste (3.000).

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Manfred Kremer, appelliert angesichts der aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt an die Unternehmen, in Zukunft noch stärker als bisher auf die Jugendlichen zuzugehen, die in der Schule nicht zu den Leistungsstärksten zählen. Hierzu gebe es für die Betriebe keine Alternative, denn die demografische Talfahrt werde sich auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. "Viele vermeintlich schwächere Jugendliche sind froh, ihre Schulzeit endlich hinter sich gelassen zu haben und brennen nun darauf, ihre wahren Stärken in einer betrieblichen Berufsausbildung unter Beweis zu stellen", so Manfred Kremer. Es sei deshalb nicht sinnvoll, diese Jugendlichen bei vorhandener Ausbildungsreife in schulischen Warteschleifen unterzubringen und sie dort weiter zu demotivieren.

Weiterführende Analysen und Daten zur aktuellen Entwicklung des Ausbildungsstellenmarktes im Jahr 2009 sind im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de zu finden.

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de

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