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Ausbildung und Familie miteinander vereinbaren – Fachkräfte von morgen sichern

20.06.2013
Ausbildung in Teilzeit: Attraktiv – aber noch wenig praktiziert

„Es gibt ein großes Potenzial an jungen Menschen mit Familienverantwortung, für die eine Ausbildung in Teilzeit Berufsperspektiven eröffnet“, erklärt der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser. Daten aus einer Sonderauswertung des Mikrozensus 2011 belegen dies: Demnach waren fast 47 % aller jungen Mütter (rund 117.000) und etwa 31 % aller jungen Väter (rund 21.000) im Alter von 16 bis 24 Jahren ohne Berufsabschluss und besuchten weder eine Schule noch absolvierten sie eine duale Ausbildung.

„Hier besteht Handlungsbedarf. Wir müssen jungen Eltern den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Eine Ausbildung in Teilzeit gibt diesen jungen Menschen eine Chance auf einen Berufsabschluss“, betont Esser.

Vom innovativen Instrument einer Ausbildung in Teilzeit profitieren nach Auffassung des BIBB-Präsidenten alle Beteiligten: „Die Auszubildenden, weil sie eine Berufsausbildung und ihre Familienverantwortung besser miteinander vereinbaren können, und die Betriebe, weil sie Potenziale einer motivierten und verantwortungsbewussten Zielgruppe nutzen und ihren Fachkräftenachwuchs von morgen sichern.“ Außerdem würden mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integriert und seien dadurch weniger von Unterstützungsleistungen abhängig.

Die Teilzeitberufsausbildung ist seit 2005 im Berufsbildungsgesetz (BBiG) rechtlich verankert. Vielen Betrieben und jungen Erwachsenen ist diese Ausbildungsform aber anscheinend noch nicht ausreichend bekannt. Darauf lässt jedenfalls die geringe Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Teilzeit schließen. Bundesweit wurden 2011 nur 1.173 derartige Verträge geschlossen. Dies entspricht einem Anteil an allen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen des Jahres 2011 von lediglich 0,2 %. Der Frauenanteil liegt bei rund 92 %. Bundesweit durchlaufen derzeit etwa 3.000 junge Erwachsene eine duale Ausbildung nach dem Teilzeitmodell.

Eine neue Veröffentlichung des im BIBB angesiedelten JOBSTARTER-Programms mit dem Titel „Ausbildung in Teilzeit – ein Gewinn für alle“ zeigt jetzt, wie es Unternehmen, Auszubildenden, Kammern, Arbeitsagenturen und Berufsschulen gemeinsam gelingen kann, das Modell der Ausbildung in Teilzeit zum Erfolg werden zu lassen. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wie lassen sich Betriebe für eine Ausbildung in Teilzeit gewinnen? Wie sichern die Auszubildenden die Kinderbetreuung und ihren Lebensunterhalt? Und wie gelingt die Kooperation mit den Berufsschulen? Die neue JOBSTARTER-Veröffentlichung ergänzt die im Herbst 2012 erschienene JOBSTARTER-Broschüre „Ausbildung in Teilzeit – Finanzie-rungsmöglichkeiten des Lebensunterhalts im Überblick“.

Das Programm JOBSTARTER – gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) – ist eine Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsplatzsituation von Jugendlichen und zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen. Ausbildung in Teilzeit ist dabei ein wichtiger Themenbereich. JOBSTARTER-Projekte schaffen Ausbildungsplätze in Teilzeit, beraten Betriebe und junge Erwachsene beim Einstieg in das Modell und verankern diese Ausbildungsform in regionalen Ausbildungsstrukturen. Bis Ende 2012 wurden 276 betriebliche Ausbildungsplätze in Teilzeit geschaffen und jungen Menschen mit Familienverantwortung eine berufliche Perspektive vermittelt.

Alle Veröffentlichungen zur Ausbildung in Teilzeit können im Internetangebot des Programms JOBSTARTER kostenlos unter http://www.jobstarter.de/ausbildung-in-teilzeit bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Weitere Informationen auch in der BIBB-Fachzeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis – BWP“, Heft 1/2013, im Beitrag von Naomi Gericke und Nicole Lissek: „Noch wenig praktiziert: Teilzeitberufsausbildung im dualen System“ sowie im Beitrag von Karl Ulrich Voss: „Teilzeitausbildung – flexible Form für besonderen Bedarf und immer noch neu“ unter http://www.bibb.de/bwp-1-2013

Ansprechpartnerin im BIBB:
Sigrid Meiborg, Telefon: 0228 / 107-1010; E-Mail: meiborg@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de

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