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20 Jahre nach dem Mauerfall: Duale Berufsausbildung in Ostdeutschland weiterhin ungenügend verankert

06.11.2009
Auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer unterscheiden sich die Strukturen der beruflichen Ausbildung in Ost- und Westdeutschland immer noch ganz wesentlich.

Dies geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Entwicklungsgeschichte und aktuellen Situation der betrieblichen Ausbildung in den neuen Bundesländern hervor. Gleichwohl haben sich die Chancen der Jugendlichen in Ostdeutschland auf eine Ausbildungsstelle derzeit verbessert.

Gründe sind hierfür zum einen die massive Förderung durch den Staat, zum anderen die spürbar zurückgehende Zahl von Schulabgängern und -abgängerinnen, was allerdings mit Blick auf die künftige Fachkräfteentwicklung die ostdeutschen Betriebe und Unternehmen vor neue, gravierende Probleme stellen wird. Die Ergebnisse der BIBB-Studie sind veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe des BIBB REPORT 12/09.

In der BIBB-Untersuchung wird die Entwicklung des ostdeutschen Ausbildungssystems in den letzten 20 Jahren vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, demografischer und bildungsbezogener Trends nachgezeichnet und auf der Grundlage amtlicher Statistiken dargestellt. Die Studie zeigt, dass die nach dem Zusammenbruch der DDR erforderliche Umstrukturierung der Berufsausbildung trotz finanzieller Förderung nicht befriedigend gelungen ist. Nach wie vor ist die duale Ausbildung in Ostdeutschland geprägt von einem hohen Anteil außerbetrieblicher Ausbildungsstellen und einem vergleichsweise geringeren Anteil von Betrieben, die Jugendliche selbst ausbilden.

Ursächlich hierfür sind im Wesentlichen die starken ökonomischen Umbrüche und die besonderen Schwierigkeiten in der ostdeutschen Wirtschaft - abzulesen an den immer noch höheren Arbeitslosenquoten und der schrumpfenden Zahl von Betrieben. Hinzu kommt die seit Jahren anhaltende Abwanderung ostdeutscher Jugendlicher in die westlichen Bundesländer, die rückläufige demografische Entwicklung und die damit verbundene deutliche Abnahme der Bewerberzahlen. Die BIBB-Analysen lassen darüber hinaus den Schluss zu, dass die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes unbeabsichtigte Nebenfolgen für die Entwicklung einer auch quantitativ tragfähigen betrieblichen Ausbildungskultur in Ostdeutschland gehabt haben.

"Die betriebliche Ausbildung in den neuen Bundesländern", so Prof. Dr. Reinhold Weiß, stellvertretender BIBB-Präsident, "sollte vor allem durch die Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen unterstützt werden, zum Beispiel durch eine Ausbildungsberatung, ausbildungsbegleitende Hilfen für Jugendliche, eine ortsnahe Beschulung und ergänzende überbetriebliche Unterweisung."

Aufgrund des sich in Ostdeutschland bereits jetzt abzeichnenden Mangels an qualifiziertem Fachpersonal appelliert Prof. Weiß an die dortigen Betriebe und Unternehmen, verstärkt in die berufliche Ausbildung einzusteigen. "Dabei sollten auch Jugendliche mit schlechteren schulischen Voraussetzungen, Altbewerber und Altbewerberinnen oder junge Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine faire Chance erhalten." Anderenfalls drohe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft. Dies gelte insbesondere für diejenigen Regionen, die bereits heute mit den dramatischen Folgen von Bevölkerungsrückgang und Überalterung zu kämpfen hätten.

Detaillierte Informationen enthält der neue BIBB REPORT 12/09: "Im Osten nichts Neues? 20 Jahre nach dem Mauerfall steht die Berufsausbildung vor großen Herausforderungen". Die Ausgabe kann kostenlos im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/bibbreport heruntergeladen werden.

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de/bibbreport

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