Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtueller Crashtest-Dummy wird schwanger

14.09.2009
Besseres Fahrzeugdesign verspricht mehr Sicherheit für werdende Mütter

Britische Wissenschaftler haben mit "Expecting" ein Computermodell entwickelt, das eine Schwangere inklusive detaillierter Wiedergabe eines Fötus in der Gebärmutter darstellt und für Simulationen in der Automobilbranche gedacht ist. "Die Automobilindustrie hat in den letzten ein, zwei Jahrzehnten viel weitergebracht, was die Sicherheit des 'Durchschnittsfahrers' betrifft.

Was wir tun, soll dazu beitragen, zusätzlich die Sicherheit werdender Mütter zu verbessern", erklärt B Serpil Acar, Informatikerin an der Loughborough University, gegenüber pressetext. Das neue virtuelle Modell kann beispielsweise in Crashtest-Simulationen zum Einsatz kommen, damit zukünftige Fahrzeuggenerationen die Sicherheit für Schwangere im Auto zu verbessern. Derzeit gängige Bauweisen bringen Forschern zufolge für werdende Mütter Probleme mit sich, die von Sicherheitsgurten und Lenkrad ausgehen.

Die Basis für Expecting bildet ein weibliches Modell für die Simulations-Software MADYMO (MAthematical DYnamic Models) des niederländischen Unternehmens TASS. Um dieses Modell so zu modifizieren, dass eine gute virtuelle Darstellung einer Schwangeren möglich wird, hat Acars Team auf die Hilfe werdender Mütter gesetzt. Mehr als 100 Freiwillige wurden dazu in verschiedenen Phasen der Schwangerschaft und unterschiedlichen Körperhaltungen jeweils insgesamt knapp 50 Mal vermessen. All diese Daten sind dann in die Anpassung des Computermodells eingeflossen, das nun einer relativ kleinen Frau in der 38. Schwangerschaftswoche entspricht.

Das modifizierte Modell kann nun für simulierte Unfallszenarien zum Einsatz kommen, wobei erstmals eine Schwangerschaft realistisch berücksichtigt werden kann. "Die Integration von Gebärmutter, Fötus und Plazenta kann die Dynamik des Modells völlig verändern", betont Acar. Im späten Schwangerschaftsstadium bringt es der Fötus im Mittel auf 3,3 Kilogramm Gewicht und ist sehr fest, kann sich aber bei Zusammenstößen innerhalb der Gebärmutter praktisch frei bewegen. Welche Risiken das für Mutter und Kind bedeutet, kann dank des neuen Modells virtuell erforscht werden.

Unter anderem könnten sich Hersteller dadurch beispielsweise einem Problem widmen, das mit den Anstoß zum Projekt gegeben hatte. Denn Acar kennt die Probleme werdender Mütter im Auto aus eigener Erfahrung. "Ich habe gesehen, dass es eine Fehlanpassung zwischen schwangeren Fahrzeuginsassen und aktuellen Sicherheitsgurten gibt und wollte das lösen", nennt sie ein Beispiel. Das schwangere Simulationsmodell hilft, neue Gurtformen zu erarbeiten. Aber auch andere Risiken für werdende Mütter könnten in zukünftigen Autogenerationen reduziert werden. So kommen Lenkräder dem Unterleib mancher schwangerer Fahrerinnen so gefährlich nahe, dass davon im Unfallsfall ein erhöhtes Risiko ausgehen dürfte.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.lboro.ac.uk
http://www.tass-safe.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie