Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transportschutz zum Aufsprühen

24.01.2002


Auftrag der Flüssigfolie auf die lackierte Karosserie eines Audi TT: Vollautomatisch und präzise sprüht ein Roboter die wässrige Polyester-Polyurethan-Dispersion auf.
Quelle: Audi AG


Audi setzt als weltweit erster Hersteller Flüssigfolie ein

  • Neues Verfahren ist eine Eigenentwicklung von Audi
  • Schutz der Karosserien von der Lackiererei bis zum Händler
  • Umweltfreundlich, vollautomatisch und leicht zu entfernen

Ein Verfahren, das es in dieser Form im Automobilbau bisher nicht gab, befindet sich jetzt bei Audi im Einsatz: In einer Pilotanlage innerhalb der Lackiererei in Ingolstadt werden alle Audi A3- und Audi TT-Karosserien mit einer neuartigen Flüssigfolie besprüht, um Lackschäden zu vermeiden. Quasi ein Transportschutz aus der Spritzpistole. Das innovative Verfahren ist eine Eigenentwicklung von Audi und zum Patent angemeldet.

Projektleiterin des patenten Konzepts ist Dr. Sigrid Saulich, zuständig für Konservierungstechnik in der Lackiererei-Planung der AUDI AG. Gemeinsam mit einem Team, das sich aus den Bereichen Anlagenplanung, Verfahrenstechnik, Qualitätssicherung und Produktion zusammensetzt, wurde das Projekt im April 1999 gestartet. Das Ziel: Eine Alternative zu den herkömmlichen Konservierungsverfahren der Wachsbeschichtung und der Klebefolie zu entwickeln.

Denn sowohl Wachs als auch Klebefolie sind mit Nachteilen behaftet. So ist der Transportschutz der Fahrzeuge mittels Klebefolie sehr personal-, zeit-, platz- und kostenintensiv. Würden etwa alle in Ingolstadt produzierten Fahrzeuge mit Klebefolie versehen, wären damit allein rund 120 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb beschäftigt. Eine langwierige Angelegenheit, denn jede dieser Folien muss mühsam von Hand aufgeklebt werden.

"Bei der Fahrzeugkonservierung mit Wachs ist hingegen der Umweltaspekt ausschlaggebend. Dieses Verfahren bringt sowohl beim Auftragen als auch bei der Entkonservierung eine Menge Abwässer und Lösungsmittel mit sich", so die Projektleiterin. Wegen der gesetzlichen Umweltbestimmungen in den USA und in Kanada müssen daher alle Audi Fahrzeuge, die in diese Märkte verschifft werden, als "Schutzanzug" die Klebefolie tragen.

Mit drei Euro pro Karosserie ist die Wachskonservierung in der Applikation zwar konkurrenzlos günstig. Dafür schlägt die Entkonservierung mit rund 20 bis 30 Euro pro Fahrzeug (je nach Dienstleister) zu Buche. Die Konservierungs-kosten mit der neuen Flüssigfolie liegen derzeit bei rund 25 Euro (etwa 35 Euro pro Karosserie bei der Klebefolie). Doch, so Dr. Sigrid Saulich: "Das Konzept verknüpft die Vorteile der Wachskonservierung mit denen der Klebefolie, vermeidet aber gleichzeitig deren Nachteile."

Das Investitionsvolumen für eine Applikationsanlage liegt bei rund fünf Millionen Euro. Audi hat in der Lackiererei in Ingolstadt eine Pilotanlage errichtet. Acht Applikationsroboter beschichten vollautomatisch innerhalb von viereinhalb Minuten eine Karosserie mit Flüssigfolie. Dabei handelt es sich um eine wässrige Polyester-Polyurethan-Dispersion.

Präzise sprühen die Roboter Streifen für Streifen, jeweils rund zehn Zentimeter breit, auf den Lack der Karosserien. Das Dach und die Hauben werden komplett mit dem flüssigen Kunststoff überzogen, an den Flanken sowie an Bug und Heck sind es jeweils die exponierten Flächen. In knapp 1,7 Kilogramm Folie wird so jedes Fahrzeug verpackt. Nach dem Auftragen wird der Schutzschicht mit Hilfe von entfeuchteter Luft bei 20 bis 25 Grad Celsius innerhalb von zweieinhalb Minuten ein Großteil des Wassers entzogen. Anschließend trocknet das Material weiter auf dem Transportweg bis zur Hohlraumkonservierung. Die zehnminütige Hohlraumkonservierung im Trockner (80 Grad) sowie die weitere Lufttrocknung auf dem Weg der Karosserien durch die Montage tun ein übriges.

Die Flüssigfolie wird bereits am Ende des Lackiervorgangs aufgebracht. Somit dient sie nicht nur als Transportversiegelung, sondern sie schützt den Lack auch beim Zusammenbau der Fahrzeuge in der Montage. Kommt der Wagen beim Audi Händler an, kann dieser die Schutzschicht vor Ort einfach abziehen - wie Klebeband vom Roller. Vorteil: Während bei einer Wachsbeschichtung der Händler bislang die Autos an zentralen Stellen entkonservieren lassen muss, entfallen nun diese Kosten und der logistische Aufwand. Die Schutzschicht muss erst unmittelbar vor der Kundenübergabe entfernt werden. Steht ein Fahrzeug länger beim Händler, kann die Flüssigfolie weiter auf dem Blechkleid bleiben. Sie bietet bis zu sechs Monaten effektiven Schutz. Die Verwertung der abgezogenen Folie erfolgt über von den Audi Vertriebspartnern beauftragte Dienstleister.

Seit kurzem werden bereits alle A3 und TT mit Flüssigfolie beschichtet. In der Pilotanlage werden Erfahrungen für die Großserie gesammelt. Denn künftig plant Audi, weitere Modellreihen mit Flüssigfolie zu konservieren.

Audi ist ein weltweit operierender Entwickler und Produzent hochwertiger Automobile. Im Jahr 2001 lieferte das Unternehmen mehr als 725.000 Audi Modelle an Kunden aus. Im Konzern sind über 50.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Joachim Cordshagen | ots

Weitere Berichte zu: Karosserie Lackierer Pilotanlage Schutzschicht Transportschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften