Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Test auf Eis beweist: Keil verkürzt Bremsweg

18.04.2007
Die elektronische Keilbremse (EWB) von Siemens kann den Anhalteweg auf Schnee und Eis um bis zu 15 Prozent verkürzen. Tests in Nordschweden ergaben, dass der Prototyp der EWB ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde (km/h) nach 64,5 Metern zum Stehen bringt. Im Durchschnitt benötigen vergleichbare Wagen der Mittelklasse mit hydraulischen Bremsen sowie Antiblockiersystem (ABS) bei derselben Geschwindigkeit rund 75 Meter. An dem Punkt, an dem das Fahrzeug mit der EWB bereits vollständig abgebremst ist, sind konventionell gebremste Fahrzeuge noch 30 km/h schnell.

Die Versuche unternahmen Experten des Automobilzulieferers Siemens VDO unter Aufsicht von Prüfern der DEKRA (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein) in Arjeplog knapp 100 Kilometer südlich des Polarkreises und rund 900 Kilometer nördlich von Stockholm. Bisherige Angaben über kürzere Anhaltewege der EWB waren lediglich in Simulationen ermittelt worden. Die mehrtägigen Tests bestätigten die Computerberechnungen eindrucksvoll. Siemens VDO wird die Erkenntnisse nun in die Weiterentwicklung der EWB einfließen lassen. Das neue Bremssystem ist in drei Jahren serienreif.


Die EWB stellt eine Revolution der Bremsentechnik dar, weil sie völlig ohne Hydraulik funktioniert. Jedes Rad hat seine eigene Einheit mit Bremszange, Bremsscheibe und Bremsklötzen, die rein elektronisch gesteuert werden. Herz der EWB ist ein Keillager, das durch eine besondere geometrische Form eine Selbstverstärkung der Bremse erreicht. So kann ein Elektromotor, der das Rollenlager bewegt, mit relativ geringer Energie eine große Bremswirkung erzielen: Der Bremsklotz wird durch die Drehung des Rades mitgezogen und überträgt so große Kräfte auf die Bremsscheibe. Der Elektromotor hält den Bremsklotz auf dem Rollenlager in der Position mit der optimalen Bremskraft. Sensoren überprüfen dabei 1000 Mal pro Sekunde die Lage des Bremsklotzes.

Hydraulische Systeme, wie sie heute in praktisch allen Autos verwendet werden, reagieren trotz ABS und Bremskraftverstärker prinzipbedingt träger. Bis sich nach dem Druck aufs Bremspedal der Druck in dem mit Flüssigkeit gefüllten System aufbaut, vergehen wertvolle Millisekunden. Bei der EWB laufen alle Signale elektronisch. Nach ihrer Einführung kann zudem auf die Produktion gesundheitsschädlicher Bremsflüssigkeit verzichtet werden. Allein für alle Neufahrzeuge in Deutschland werden pro Jahr niedrig geschätzt 5,4 Millionen Liter – umgerechnet rund 2200 Tankzüge voller Bremsflüssigkeit – benötigt. (IN 2007.04.3)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

Weitere Berichte zu: ABS Anhalteweg EWB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Mehr Flexibilität in der Produktion durch selbstfahrende Transportfahrzeuge
27.11.2017 | Technologie Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH

nachricht Leichtbauteile für die Automobilindustrie schnell und günstig fertigen
16.11.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik