Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Telematik: Der Handlungsdruck für Automobilhersteller wächst

06.09.2001


  • Marktdurchdringung dauert ca. 10 Jahre

  • Zusammenarbeit mit strategischen Partnern zwingend erforderlich

  • Für die Automobilhersteller müssen die Fahrzeug- und Mobilitätsdienste Priorität haben

Da sich Fahrzeuge technisch immer mehr angleichen, nimmt der Druck auf die Automobilhersteller zu, sich zusätzlich über Service- und Markenerlebnis von der Konkurrenz zu unterscheiden. Die mobilen Dienste im Auto werden hierbei aufgrund ihres großen Differenzierungs- und Kundenbindungspotenzials eine Schlüsselrolle einnehmen. So wurden in den letzten Wochen drei Modelle vor allem über innovative Telematiklösungen positioniert: Der neue 7er BMW mit ConnectedDrive, das erste vernetzte Auto mit Internetanschluss, der Alfa 147 mit dem connect System und der Golf eGeneration mit integriertem PDA und Handy. Doch noch agieren die Automobilhersteller zögerlich, dabei ist der Telematikmarkt einer der großen Zukunftsmärkte dieses Jahrzehnts: Für Europa werden stetig wachsende Umsätze mit mobilen Datendiensten auf über EURO 75 Mrd. im Jahr 2005 prognostiziert. Zwischen den Anbietern von Telekommunikation, Fahrzeugen, Software und Elektronik hat der Kampf um den Telematikmarkt begonnen und die Automobilhersteller müssen sich beeilen, wenn sie ihn für sich gewinnen wollen. Eine Untersuchung von Mercer Management Consulting identifiziert künftige Gewinner und Verlierer im Telematikmarkt und zeigt, welche Stärken die Automobilhersteller zur Absicherung ihrer Position einsetzen müssen.

Technische Innovationen benötigen Zeit

Gerade die deutschen Automobilhersteller mit einem Potenzial von ca. 18 Millionen Bestandskunden in Deutschland tun sich schwer, ihre Rolle im Wettstreit um das Geschäftsfeld Telematik zu definieren. Während die einen konsequent in eigene Telematikplattformen investieren, reagieren andere zögerlich. Sie wissen: Eine Telematikplattform, die heute in ein Luxusklassefahrzeug eingebaut wird, braucht etwa sechs Jahre, um in der Unterklasse angeboten zu werden - und bis zur vollständigen Marktdurchdringung auf dieser Plattform vergehen dann mindestens weitere zehn Jahre.

"Von der Einführung bis zu einer Teilnehmerzahl von 50 % benötigte der Farbfernseher etwa 14 Jahre, der PC 13 Jahre, das Handy 12 Jahre und der Videorekorder 8 Jahre. Für Telematikendgeräte wird dies keinesfalls schneller gehen, zumal hier auch die Entwicklungszeiten der Automobilhersteller von etwa drei Jahren und die Modelllaufzeiten der Fahrzeuge von rund sechs Jahren zu berücksichtigen sind." so Marco Ehmer, Telematik-Experte bei Mercer Management Consulting. Eine Untersuchung der internationalen Unternehmensberatung Mercer Management Consulting kommt zu dem Ergebnis, dass frühestens in 15 Jahren 50% der Fahrzeuge über ein fest eingebautes Telematikendgerät verfügen - wovon viele dann bereits wieder technisch veraltet sein werden. Dies hat zwei Konsequenzen: Weder aus Kunden- noch aus finanzieller Sicht ist es sinnvoll, allein auf das Fahrzeug als Plattform zu setzen. Außerdem ist es illusorisch, als Automobilhersteller innerhalb von fünf Jahren allein aus den Diensten Geld verdienen zu wollen.

Zugang zu den Diensten muss von allen mobilen Geräten aus möglich sein

Die Automobilhersteller müssen wegen der langsamen Marktpenetration über das Fahrzeug heute drei andere Hebel ansetzen, um ihre Kunden frühzeitig an sich zu binden:

  • Die Unterstützung eigener, fahrzeugspezifischer sowie fremder, geräteunabhängiger Technologieplattformen (PDA, Handy, Laptop ...) in den eigenen Fahrzeugen.

  • Den Aufbau eines attraktiven, geräteübergreifenden Diensteangebotes, das die nichtkopierbaren, fahrzeugbezogenen Dienste (z.B. Ferndiagnose und -wartung) als Anker benutzt, um weitere Dienste anzubieten.

  • Die konsequente Nutzung des Händlernetzes, um die Kunden beim Kauf eines Autos direkt an das eigene Telematikangebot zu binden.

Diese geräteübergreifende Strategie kann kein Automobilhersteller allein umsetzen, da ihm hierzu das technische Know-how fehlt und die Möglichkeit, ein Partnerschaftsnetzwerk zu steuern. Zwingend erforderlich sind strategische Partner aus den Bereichen Telekommunikation, Portaltechnologie und mobile Endgeräte. Das erhöht die Chancen des Markteintritts der neuen Wettbewerber im Bereich Telematik - wie Microsoft, AOL, Vodafone oder Siemens - und gefährdet die noch heute mögliche Kontrolle des Automobilherstellers über die Beziehung zum Kunden. Die von Mercers Automobilexperten entwickelten "Strategischen Szenarien" zeigen, welche Konstellationen auf der Wertschöpfungskette zukünftig über Erfolg und Misserfolg auf dem Telematikmarkt entscheiden, und dass die Automobilhersteller ihre Stärken zur Absicherung der eigenen Position einsetzen müssen.

Jede Automarke braucht ein spezifisches Dienste-Angebot

Ankerpunkt des Dienste-Angebotes einer Automobilmarke sind in erster Linie die fahrzeugbezogenen Dienste, wie z.B. Ferndiagnose und -wartung, und die mobilitätsbezogenen Dienste, wie z.B. Routenplanung, Tankstellenanfahrt oder Parkplatzreservierung. "Eine Automobilmarke", so Ehmer "ist rund um ihr Kerngeschäft - das Auto und die Mobilität - glaubwürdig. Dies muss sich in der Reihenfolge der Dienste-Einführung widerspiegeln."

Allgemein gehaltene Marktstudien liefern zwar erste Hinweise auf die Attraktivität von Dienste-Segmenten jenseits des Kerngeschäftes, reichen jedoch noch nicht für den Aufbau eines markenspezifischen Angebotes. Unbedingt nötig sind konkrete Konsumentenbefragungen anhand von Dienste-Simulationen. Mercer-Untersuchungen in den USA ergaben beispielsweise, dass 60% der Befragten eine Grundgebühr von monatlich $ 10 für mobile Datendienste akzeptieren würden und dass bei 41% der Befragten Interesse, aber nur bei 9% Zahlungsbereitschaft für aktuelle Reiseinformationen besteht. Jeder Automobilhersteller benötigt solche Informationen über seine Kunden, um ein markenspezifisches Dienste-Angebot aufbauen zu können.

Werden die beschriebenen Hebel professionell angesetzt, sind die Automobilhersteller im Kampf um den Telematikmarkt gut positioniert. Voraussetzung für ihren nachhaltigen Erfolg ist, dass sie ihr heutiges, auf langfristig werthaltige Produkte ausgerichtetes Geschäftsmodell erfolgreich um ein Geschäftsmodell im Service- und Dienstegeschäft Telematik erweitern. Ein attraktives, aktuelles Produktangebot mit schnell wechselnden Technologien, Content in Echtzeit und kurzlebigem Design steht dabei im Vordergrund.

Mercer definiert 4 Herausforderungen für die Automobilhersteller:

  • Aufbau markenspezifischer, geräteübergreifender Dienste-Angebote.

  • Prognose markenspezifischer Dienste- und Potenzialszenarien für eigene und fremde technische Plattformen.

  • Entwicklung strategischer Partneringkonzepte, die die Wertschöpfung im Unternehmen halten.

  • Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit im Telematikmarkt über den Entwurf eines adäquaten Geschäftsmodells.

Mercer Management Consulting

Mercer Management Consulting ist Teil der Mercer Consulting Group, New York, einer der führenden internationalen Top-Management-Unternehmensberatungen mit 160 Büros in 40 Ländern. Weltweit erwirtschaften 14.700 Mitarbeiter einen Umsatz von 4,4 Mrd. DM. Die Büros in München, Frankfurt, Zürich und Genf tragen mit 240 Mitarbeitern zu diesem Erfolg bei.

Unseren Kunden steht mit den Bereichen - Communications, Information & Entertainment - Financial Institutions and Risk Enterprise - Manufacturing/Automotive - Travel and Transportation - Retail, Consumer, Healthcare - Energy, Life Sciences & Core Industries - eine breite Palette von Beratungsdienstleistungen zur Verfügung. Die Kompetenzen in den Bereichen Internet und eBusiness sind in der MercerDigital Group gebündelt und wurden durch eine strategische Allianz mit IBM Global Services gestärkt. Zudem bietet Mercer seinen Kunden ein breites Produktangebot im Bereich Private Equity und M&A an.

Die Beratungsleistungen von Mercer Management Consulting fokussieren auf Strategien zur Wertsteigerung. Dabei bildet Value Growth - die nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes - den Schwerpunkt. Mercer steht dafür, Wachstumspotenziale aufzuzeigen und konsequent zu nutzen, Wachstumsbarrieren zu erkennen und zu überwinden sowie Strategie, Führung, Organisation, Geschäfts- und Managementprozesse gemeinsam mit den Kunden nachhaltig auf Wertwachstum auszurichten.

Pierre Deraëd | ots
Weitere Informationen:
http://www.mercermc.de/media/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Neue Akzente für das Ambiente im Automobil
19.09.2017 | Schott AG

nachricht Mobilität von Morgen: Wie wir uns in Zukunft von A nach B bewegen
07.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz