Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Service-Engineering für Automobile: Startschuss für ein zukunftsweisendes Projekt

03.08.2012
In der Handwerkskammer für Oberfranken fiel am 1. August 2012 der Startschuss für das bundesweit einzigartige Gemeinschaftsprojekt "Kfz-Service-Engineering 2020".

Unter dem Motto „Reparieren statt austauschen“ werden die Universität Bayreuth, die Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation und die Handwerkskammer für Oberfranken in den nächsten drei Jahren zusammenarbeiten, um neue technische Serviceprozesse rund ums Auto zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Insbesondere die Diagnose- und die Reparaturmöglichkeiten für elektronische Bauteile sollen dabei entscheidend verbessert werden.


Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil gibt den Startschuss für das Projekt „Kfz-Service-Engineering 2020“, das Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper an der Universität Bayreuth maßgeblich konzipiert hat. - Von li.: Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Regierung von Oberfranken; Gudrun Brendel-Fischer MdL; Andreas Tröger, Obermeister der Kfz-Innung Oberfranken; Präsident Thomas Zimmer, Handwerkskammer für Oberfranken; Staatsminister Martin Zeil MdL, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie; Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper, Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation und Inhaber des Lehrstuhls Umweltgerechte Produktionstechnik an der Universität Bayreuth; Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, Handwerkskammer für Oberfranken; Thomas Hacker MdL, Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag; Dr. Christoph Rabenstein MdL; Landtagsvizepräsident Peter Meyer.
Foto: Andreas Harbach; mit Autorangabe zur Veröffentlichung frei.

Das gemeinsame Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie maßgeblich gefördert. In seinem Grußwort betonte Wirtschaftsminister Martin Zeil die im Vergleich mit anderen bayerischen Bezirken außerordentlich hohe Innovationskraft Oberfrankens, die im Projekt "Kfz-Service-Engineering 2020" erneut zum Ausdruck komme. Das Vorhaben sei nicht durch ministerielle Vorgaben in die Region hineingetragen worden.

Vielmehr sei es in der Region selbst konzipiert worden – in enger Kooperation unterschiedlicher Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft, die jetzt gemeinsam ein zukunftsweisendes Projekt auf den Weg bringen würden. Per Knopfdruck gab Bayerns Wirtschaftsminister den symbolischen Startschuss: Er setzte die elektronisch angesteuerte, nach Reparaturarbeiten wieder voll funktionstüchtige Thermolüftung eines Automobils in Gang.

Die wiederhergestellte Funktionstüchtigkeit steht beispielhaft für die ambitionierten Ziele des Projekts, die von Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper – dem Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation und Inhaber des Lehrstuhls Umweltgerechte Produktionstechnik an der Universität Bayreuth – und HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller vorgestellt wurden. Ein neuartiges Service-Engineering, das eine gezielte Diagnose und Wiederaufarbeitung defekter elektronischer Bauteile leistet, soll künftig an die Stelle der bisher üblichen Auswechslung kompletter Baugruppen treten.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die nötigen Reparaturarbeiten technisch machbar, wirtschaftlich umsetzbar und für Kunden bezahlbar sind. In den letzten Jahren ist die Instandhaltung älterer Fahrzeuge technisch aufwändig geworden, weil die Elektronik im Auto immer schnelleren Innovationszyklen unterliegt. Oftmals übersteigen die Kosten den Zeitwert des Automobils, so dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Das Projekt "Kfz-Service-Engineering 2020" will diesen Zustand durch effiziente Diagnose- und Reparaturverfahren nachhaltig ändern. Damit gewinnen die Kfz-Betriebe neue Potenziale der Wertschöpfung, und die Automobilkunden sparen erhebliche Geldsummen.

Um herauszufinden, wo die größten Potenziale für neue Servicelösungen liegen, sind unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper bereits im Vorfeld des Projekts die aktuellen Service- und Schadensfälle in Oberfranken erfasst und detailliert ausgewertet worden. Grundlage dafür waren die ADAC-Pannenstatistik sowie eine Umfrage unter allen 1.200 Kfz-Betrieben in Oberfranken; über die regionalen Medien wurden auch Autobesitzer und Werkstattmitarbeiter befragt. Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass zwei Drittel aller Pannen Autos betreffen, die älter als 5 Jahre sind. Besonders die Elektronik älterer Autos macht dabei Probleme. Mehr als die Hälfte aller Ausfälle sind laut ADAC-Statistik auf defekte elektronische Baugruppen zurückzuführen.

Auf den Ergebnissen dieser Voruntersuchung werden die jetzt beginnenden Projektarbeiten aufbauen. Es sollen dabei 10 Servicebereiche ausgewählt und entwickelt werden – bis hin zur Anwendung im Schulungszentrum der Handwerkskammer für Oberfranken und bei den Kfz-Betrieben. Das Besondere des Projekts ist, wie Steinhilper und Koller in ihrer Präsentation hervorhoben, die am Standort Bayreuth gegebene Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung mit dem praxisbezogenen Know-How des Handwerks. Alle drei Projektpartner werden in den nächsten drei Jahren für ingesamt 1,7 Mio. Euro neue Mitarbeiter einstellen, weitere 1,3 Mio. Euro sind für Investitionen vorgesehen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 3,5 Mio. Euro.

In seiner Eröffnungsansprache hob HWK-Präsident Thomas Zimmer den Wandel hervor, den das Handwerk durchlaufen habe. "Wir, das Handwerk, arbeiten heute ganz anders als früher." Es werde häufig unterschätzt, auf welchem hohen Niveau das Handwerk heute stehe. "Kfz-Service-Engineering 2020" sei ein hervorragendes, zukunftsweisendes Projekt. Es strahle auf die berufliche Bildung aus und sei "ein weiteres Highlight" für die Arbeit im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer für Oberfranken.

Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper
Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik
Fraunhofer Projektgruppe Prozessinnovation
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55 7300
E-Mail: rolf.steinhilper@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Informatiker der Saar-Uni verhindern Auto-Fernsteuerung durch Hacker
03.11.2016 | Universität des Saarlandes

nachricht Gewichtseinsparung durch lasergestützte Materialbearbeitung im Automobilbau
07.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ICTM Conference 2017: Production technology for turbomachine manufacturing of the future

16.11.2016 | Event News

Innovation Day Laser Technology – Laser Additive Manufacturing

01.11.2016 | Event News

#IC2S2: When Social Science meets Computer Science - GESIS will host the IC2S2 conference 2017

14.10.2016 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie