Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Patent "Vorrichtung zur Dosierung von Harnstoffpellets" an Konsortium der Automobilindustrie verkauft

09.08.2005


Nachdem in den letzten Monaten zahlreiche, nicht immer sachliche, Diskussionen über Gesundheitsgefährdung und Quellen von Feinstaub dem Thema Umweltschutz steigende Aktualität beschert hat, wird diese Aufmerksamkeit sich in Zukunft sicherlich auch auf die Stickoxide ausdehnen. So jedenfalls ist es den strengen Grenzwertvorstellungen zu entnehmen, die für die Fahrzeugmodelljahre ab 2008 nicht nur in der EU zu erwarten sind.



Seit einigen Jahren wird an der Technischen Universität Kaiserslautern unter Leitung von Professor Werner Müller, Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik, ein Forschungsprojekt bearbeitet, das von den deutschen Pkw-Dieselherstellern und einigen großen Zulieferern direkt finanziert wird. Thema ist die Weiterentwicklung einer innovativen Methode zur Stickoxidminderung, die an der TU Kaiserslautern entwickelt wurde. Inzwischen wird dieses Verfahren in der Industrie ernsthaft diskutiert und zu den favorisierten Methoden gerechnet. Die Grundlage ist Harnstoff aus dem sich durch thermische Zersetzung Ammoniak gewinnen lässt, das sich wiederum hervorragend als Reduktionsmittel zur Stickoxidminderung eignet. Solche Einrichtungen auf der Basis einer wässrigen Harnstofflösung sind für stationäre Motoranlagen bekannt und für Kraftfahrzeuganwendungen in Vorbereitung. Die Methode der TU Kaiserslautern benutzt keine wässrige Lösung, sondern Festharnstoff in Form von Pellets, so wie sie als Düngemittel in großen Mengen hergestellt werden.



Diese Pellets werden in einem kleinen beheizten Reaktor thermisch zersetzt und nach einer nachfolgenden Hydrolyse steht das gewünschte Reduktionsmittel Ammoniak zur Verfügung. Vorteil des Ausgangsmaterials Festharnstoff ist unter anderem die kleinere mitzuführende Masse und der geringere Raumbedarf für die Speicherung. Da die wässrige Lösung bei ca. -12°C gefriert, ergibt sich hier gegenüber dem Festharnstoff ein zusätzlicher technischer Aufwand zur Lösung dieses Problems.

Es spricht also einiges für Festharnstoff als Reduktionsmittellieferant. Die technische Realisierung allerdings erfordert eine Einrichtung, die in der Lage ist, mit der geforderten Präzision circa zwei Millimeter große Harnstoffpellets aus einem Vorratsbehälter bedarfsgerecht zu dosieren und über eine Distanz von bis zu fünf Metern dem schon erwähnten thermischen Reaktor zuzuführen. Und da heutige Diesel-Pkw eine bis vor kurzem nicht gekannte Fahrdynamik ermöglichen, muss mit entsprechenden schnellen Veränderungen der Stickoxidemissionen gerechnet werden, denen das Dosiersystem folgen muss.

Aus diesem Anforderungsprofil wurde nach zahlreichen Diskussionen in der Projektgruppe, zu der auch die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Sebastian Käfer, Dr. Andreas Herr und Andreas Lacroix gehörten, eine Erfindung geboren und realisiert. Die Frage nach der Patentwürdigkeit wurde dann mit Unterstützung der IMG Innovations-Management GmbH geprüft und schließlich kam es nach zahlreichen Recherchen zur Formulierung einer Patentanmeldung durch die TU Kaiserslautern. Nachdem die Untersuchungen des Festharnstoff-SCR-Systems weiterhin erfolgreich blieben, unterbreitete das Konsortium aus der Automobilindustrie der TU schließlich ein Angebot zum Kauf der Patentanmeldung, das sich zu dieser Zeit noch in der Prüfungsphase befand. Die TU Kaiserslautern stimmte dem Angebot in sechsstelliger Höhe zu und veräußerte die Rechte.

Kontakt: Prof. Dr.-Ing. Werner Müller, Tel.: 0631/205-2306, E-mail: wmueller@mv.uni-kl.de

Thomas Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kl.de

Weitere Berichte zu: Automobilindustrie Konsortium Reduktionsmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen