Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Null Fehler in Auto-Elektronik

24.02.2005


Informatiker arbeiten an dem Beweis, dass ein Betriebssystem frei von Entwurfs- und Programmierungsfehlern ist



Für die Sicherheit von Autos wird immer mehr Elektronik eingesetzt. Damit ist jedoch auch die Fehlerquote gestiegen. Laut ADAC sind ein Drittel aller Autopannen auf Mängel in der Elektronik zurückzuführen, rund 80 Prozent davon sind Softwarefehler. Eine Forschergruppe unter Leitung des Saarbrücker Informatik-Professors Wolfgang Paul arbeitet derzeit mit Hochdruck an einer Technologie, mit der formal garantiert werden kann, dass Automobilsysteme keine solche Fehler mehr enthalten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dann auf ein Auto-Notruf-System angewendet werden, das nach einem Unfall automatisch die Rettungsstelle alarmiert. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass man schon in naher Zukunft die Sicherheitstechnik in Autos und Flugzeugen ohne diese Korrektheitsgarantien nicht mehr vermarkten kann. Ihre Forschungsergebnisse stellen sie auf der CeBIT 2005 in Hannover vor.

... mehr zu:
»BMBF »Elektronik »Verisoft


Wenn Computersystemen nachgewiesen wird, dass sie ihre mathematisch exakten Vorgaben korrekt erfüllen, spricht man von der formalen Verifikation. Die dafür notwendigen Methoden haben Wissenschaftler im Rahmen des Forschungsprojektes Verisoft entwickelt, das seit zwei Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. "Bisher verwendet die Industrie viel Zeit darauf, Rechnersysteme zu testen, um dabei oft nur kleine Fehler zu entdecken. Sie sucht also sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen. Durch unser Verfahren können wir schon bei der Konstruktion jede auch noch so winzige Nadel im Heuhaufen finden", erläutert Professor Wolfgang Paul. Für die Industrie habe die Verifikation enorme Vorteile. Neue Systeme könnten schneller und günstiger entwickelt werden. Außerdem ersparten sich zum Beispiel die Autohersteller teure Rückrufaktionen wegen Störungen in der Fahrzeugelektronik. "In Zukunft können die Hersteller eine Garantie dafür abgeben, dass ihre Computersysteme fehlerfrei konstruiert sind. Dies wird sich auch auf die Sicherheitsvorschriften und Normen auswirken", sagt der Saarbrücker Informatik-Professor. Hier erhoffe er sich einen Wettbewerbsvorteil für die bundesdeutsche Industrie, da die hiesige Forschung beim Thema "Verifikation" weltweit die Nase vorn habe.

Im vergangenen Jahr haben die Wissenschaftler des Verisoft-Projekts den automatischen Autonotruf als Beispiel für ein komplexes System unter die Lupe genommen und alle Abläufe in mathematische Formeln gepackt. Diese exakte Modellierung schafft die Grundlage dafür, nicht nur in der Hard- und Software, sondern auch im Kommunikationssystem ein fehlerfreies Design nachweisen zu können. Der automatische Auto-Notruf soll nach dem Willen der Europäischen Union und der Automobilindustrie, wie erst kürzlich bekannt gegeben, schon ab 2009 in alle Neuwagen eingebaut werden. Bei einem Unfall wählt das Auto automatisch eine Notrufzentrale an und sendet die genauen Koordinaten des Unfallorts sowie weitere Fahrzeugdaten. Damit dieses Szenario ohne Pannen abläuft, müssen nicht nur zahlreiche unabhängige Prozessoren im Fahrzeug korrekt funktionieren, sondern auch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Software wie GPS, Mobiltelefon und Crashsensoren. Das Forschungsprojekt Verisoft wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2003 mit ca. 3,7 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Die Federführung für das Projekt liegt bei der Universität des Saarlandes. Auf wissenschaftlicher Seite arbeitet sie mit den Technischen Universitäten Darmstadt, Koblenz und München sowie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und dem Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken zusammen. Industrielle Partner sind die Infineon Technologies AG, die T-Systems International GmbH, die BMW Group und die mittelständische AbsInt GmbH.

Das Verisoft-Projekt wird auf der CeBIT in Hannover vom 10. bis 16. März 2005 auf dem saarländischen Forschungsstand (Halle 9, Stand D09) vorgestellt. Im Rahmen des "future talk forum" der CeBIT (Halle 9, Stand C16) hält der wissenschaftliche Gesamtprojektleiter Prof. Dr. Wolfgang Paul am 11. März um 14 Uhr einen Vortrag zum Thema "Konstruktion garantiert fehlerfreier Betriebssystemkerne".

Fragen beantworten Ihnen:

Projektleitung Verisoft
Tom In der Rieden
Tel. 0681/302-3585
Email: idr@cs.uni-saarland.de

| idw
Weitere Informationen:
http://www.verisoft.de
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: BMBF Elektronik Verisoft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics