Anzeige
Früher bestand ein Fahrzeug zum größten Teil aus Stahl. Doch längst hat dieser Rohstoff Konkurrenz bekommen: Moderne Wagen werden aus einem Materialmix aus Stählen, Aluminium und faserverstärkten Kunststoffen gebaut.
Hochbeanspruchte Tragstrukturen oder Crashbauteile, die sich bei einem Aufprall zusammenfalten, dienen der Verstärkung der Karosserie. Sie schützen die Insassen bei einem Unfall. Bisher verwendeten Autobauer dafür Verbundwerkstoffe mit einer duroplastischen, also unschmelzbaren Matrix. Allerdings lassen sich diese nur schwer effi zient in Serie fertigen.
Außerdem können sie die Gesundheit gefährden: Bei einem Unfall »delaminiert « dieser Werkstoff in scharfkantige Splitter. Zudem kann man Duroplaste nicht wiederverwerten. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal haben diese Probleme nun gelöst und eine neue Werkstoffklasse für den Großeinsatz im Fahrzeugbau entwickelt: thermoplastische Faserverbundwerkstoffe. Haben sie ausgedient, kann man sie zerkleinern und aufschmelzen und so erneut zu hochwertigen Bauteilen umformen. Und im Crashtest geben sie eine deutlich bessere Figur ab. Bei einem Unfall nehmen die thermoplastischen, mit textilen Strukturen verstärkten Bauteile die enormen Kräfte auf, indem sich der Matrixwerkstoff zähelastisch verformt – ohne dabei zu splittern.
Bisher existierte für thermoplastische Verbundstrukturen aus Hochleistungsfasern noch kein geeignetes Herstellungsverfahren. Doch die ICT-Ingenieure haben jetzt einen großserientauglichen Prozess entwickelt, mit dem sich bis zu 100 000 Bauteile jährlich herstellen lassen. »Unser Verfahren bietet vergleichsweise kurze Fertigungszeiten «, sagt Dieter Gittel, Projektleiter am ICT. »Die Zykluszeit zum Herstellen von thermoplastischen Bauteilen beträgt nur etwa fünf Minuten. Bei vergleichbaren duroplastischen Bauteilen sind es oft mehr als zwanzig Minuten.« Thermoplastisches-RTM (T-RTM) nennen die Fraunhofer-Forscher ihr Verfahren. Es leitet sich aus dem gebräuchlichen RTM-Verfahren (Resin Transfer Moulding) für duroplastische Faserverbundwerkstoffe ab. Die Verbundbildung erfolgt in nur einem Schritt. »In ein temperiertes Formgebungswerkzeug legen wir die vorgewärmte Textilstruktur ein. Und zwar so, dass die orientierten Faserstrukturen entsprechend der zu erwartenden Belastung abgelegt sind. Dadurch ist es möglich, sehr leichte Bauteile herzustellen«, erklärt Gittel. Als Verstärkung dienen vorzugsweise Carbonoder Glasfasern. Dabei haben die Wissenschaftler spezielle Strukturen entwickelt. Anschließend injiziert man in die Formkammer die aktivierte Monomerschmelze. Darin befi ndet sich ein Katalysator- und Aktivatorsystem – chemische Substanzen, die für die Polymerisation notwendig sind. Der Clou: Die Forscher wählen das System und die Verarbeitungstemperatur so aus, dass sie die minimal erforderliche Verabeitungsdauer einstellen können.
Ein Demonstrationsbauteil belegt die Vorteile der neuen Werkstoffklasse: Der Kofferraumeinleger für den Porsche »Carrera 4« wiegt im Vergleich zum originalen Aluminiumbauteil bis zu 50 Prozent weniger. Um das Crashverhalten der gesamten Fahrzeugstruktur zu verbessern, haben die ICT-Ingenieure zudem die optimale Faserablage berechnet. Und noch einen Vorteil bringt das T-RTM-Verfahren: Die Kosten für das thermoplastische Matrixmaterial sowie für dessen Verarbeitung sind bis um die Hälfte niedriger als für duroplastische Strukturen. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren derartige Bauteile im Fahrzeug- und Maschinenbau sowie auch der Freizeitindustrie zur Anwendung kommen werden. Den Kofferraumeinleger für den Porsche »Carrera 4« zeigen die Experten auf der Messe Composites Europe in Essen vom 14. bis 16. September (Halle 12, Stand C33).
Dieter Gittel | Quelle: Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/08/sicherheit-im-fahrzeugbau.jsp
Weitere Berichte zu: Bauteile > chemische Substanz > Chemische Technologie > Composites Europe > Crashbauteile > Fahrzeugbau > Faserverbundwerkstoff > ICT > ICT-Ingenieure > Kofferraumeinleger > Porsche > Werkstoffklasse
S_Life - Nachhaltigkeit für die Automobilindustrie
09.02.2012 | Bayern Innovativ Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer mbH
Johnson Controls entwickelt ComfortThin Konzept für Autositze gemeinsam mit Harrison Spinks Ltd
31.01.2012 | Johnson Controls Automotive Experience
Erstmals gezeigt, dass Atomkerne transparent werden
Einem Team von DESY-Wissenschaftlern um Dr. Ralf Röhlsberger gelang es an der hochbrillanten Synchrotronlichtquelle PETRA III, Atomkerne mit Hilfe von Röntgenlicht transparent zu machen. Sie entdeckten dabei gleichzeitig ein neues Prinzip, um einen optisch gesteuerten Schalter für Licht herzustellen, also Licht mit Licht zu beeinflussen, ein wichtiger Baustein auf dem ...
Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst
Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...
Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.
Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.
Das System ...
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.
Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.
Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...
Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.
Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...
Anzeige
Anzeige

Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler?
09.02.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz
Wandel der Hochschulbildung in Deutschland und Professionalisierung
09.02.2012 | Studien Analysen
Ocean warming causes elephant seals to dive deeper
09.02.2012 | Biowissenschaften Chemie
7. Mannheimer Arbeitsrechtstag am 14. März mit Experten aus Theorie und Praxis
09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten
International Forum on Terahertz Spectroscopy and Imaging
09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Teams aus neun Ländern treffen sich an der Leibniz Universität zum 6th Hanover PreMoot
09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten