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Neue Werkzeuge gegen Entzündungskrankheiten

15.02.2005


Die Fortschritte in der Molekularbiologie vermehren stetig die wissenschaftlichen Informationen zu menschlichen Zellen und ihrem Zusammenspiel, ihrer Kommunikation und Reaktion auf die Umgebung. Dieses Wissen ist ein Teil des Bestrebens der Pharmaindustrie, neue spezielle und effektive Therapeutika für alle menschlichen Krankheiten zu finden.



Ein besonders beachtetes Forschungsgebiet sind die zellularen Signalwege, vor allem jene, die mit G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (G-Protein coupled Receptors - GPCR) in Verbindung stehen. Wie der Name schon sagt, sind diese Rezeptoren an eine Proteingruppe namens G-Proteine gekoppelt, die den Ausgangspunkt der Signalvorgänge in Zellen bilden. Die GPCR treten häufig als Reaktion auf externe Reize (Liganden) wie Hormone, eine besondere Fettsäure oder andere Molekülarten auf.

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GPCR werden aufgrund ihrer Beteiligung an verschiedenen Krankheitsstadien, wie z.B. Krebs, Immunpathologien und Schmerzen, genau untersucht. Obwohl bereits detaillierte Informationen zum Wesen ihrer Liganden und der Funktion einiger GPCR vorliegen, ist der Großteil an GPCR noch nicht charakterisiert. Es wird angenommen, dass die Beschreibung dieser GPCR und das Verständnis ihrer Beteiligung an speziellen Krankheitsbildern zu einer Neubewertung pharmazeutisch wichtiger Ziele innerhalb der GPCR-Gruppe führen.

Im Rahmen des europäischen ORPHAN-RECEPTOR-Projektes konzentrierte man sich auf die Charakterisierung einiger GPCR und ihr therapeutisches Potenzial als Medikamentenwirkstoffe für die Pharmaindustrie. ChemR23, ein Mitglied der GPCR-Familie, wurde im Rahmen dieses Projektes untersucht. Am Anfang der Untersuchung stand das Wesen des ChemR23-Liganden im Mittelpunkt. Die Bestimmung des Liganden könnte der erste Schritt zur Entschlüsselung des Signalwegs sein, in dem ChemR23 eine Rolle spielt. Die Forscher fanden ein neues Protein, das sie Chemerin nannten, als Liganden des Rezeptors. Chemerin und ChemR23 wurden in Zellen des Immunsystems und in einer Vielzahl menschlicher Gewebe gefunden.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass Chemerin antigen-präsentierende Zellen anzieht, die eine Hauptfunktion bei Entzündungen besitzen. Dieser Vorgang in Verbindung mit den Gewebeausprägungsmustern von Chemerin und ChemR23 lassen vermuten, dass sie bei menschlichen Erkrankungen mit Entzündungsreaktionen von Bedeutung sind. Diese Ergebnisse lassen das Potenzial von ChemR23 als wichtiges neues Medikamentenziel bei Entzündungszuständen und möglicherweise Krebs erkennen. Somit erhalten die Forscher durch das ChemR23-Chemerin-System neue Informationen zu Entzündungsreaktionen beim Menschen und den zugrunde liegenden Mechanismen. Weitere Forschungen können zur Entwicklung neuer Therapeutika führen und besonders für Pharmaunternehmen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, von Interesse sein.

Dr. Pierre Nokin | ctm
Weitere Informationen:
http://www.euroscreen.be/

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