Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Simulationssoftware für die Automobilindustrie - TriboForm auf der Überholspur

12.08.2016

Das Startup TriboForm der University of Twente hat eine neue Simulationssoftware für die Automobilindustrie entwickelt, die bereits von den Automobilherstellern Mercedes-Benz und Volvo für Motorhauben, Autotüren und Kotflügel genutzt wird.

Automobilbranche fährt ab auf die Simulationssoftware eines Spin-Offs der University of Twente. Auch andere Branchen könnten zusteigen


Geschäftsführer und Gründer Jan Harmen Wiebenga (li.) und technischer Geschäftsführer Johan Hol (re.)

Ein niederländisches Unternehmen erobert den deutschen Markt: Die neue Simulationssoftware von TriboForm, einem Startup der University of Twente, ist bereits bei Automarken wie Mercedes-Benz im Einsatz. Um das immense Wachstum besser zu schultern, werden deutsche Arbeitskräfte gesucht, die mit an der Erfolgsgeschichte schreiben sollen.

Traumhaft und doch kein Traum. „Als wir die Autos sahen, wurde uns erst richtig bewusst, dass wir an ihnen mitgewirkt haben“, sagte Jan Harmen Wiebenga, Geschäftsführer und Gründer von TriboForm zum offiziellen Start des neuen Softwareproduktes. Denn für Motorhauben, Autotüren und Kotflügel nutzen die Automobilhersteller Mercedes-Benz und Volvo die Software von TriboForm aus Enschede. Was die beiden Gewächse der University of Twente, Wiebenga und den technischen Geschäftsführer Johan Hol, mächtig stolz macht. Und gut möglich, dass ihre Simulationssoftware schon bald in der Automobilindustrie Standard sein wird.

Nachfrage ist bereits sehr groß

Die Nachfrage nach der Software des noch jungen Unternehmens TriboForm ist bereits jetzt sehr groß, denn die europäische Automobilindustrie fährt bestens mit ihr. Aber worin liegt das Erfolgsgeheimnis? Nun, die Erfolgsformel der Enscheder liegt in individuellen, auf den Kunden zugeschnittenen Lösungen. Häufig verwendete, konstante Reibungskoeffizienten waren gestern. Die Simulationssoftware von TriboForm berücksichtigt bei der Blechumformung vielmehr die jeweiligen Material- und Schmiermitteleigenschaften, Oberflächenbeschaffenheiten und Prozessbedingungen. Das, so das Unternehmen, ermöglicht eine akkurate Simulation der Reibungsbedingungen zwischen dem in der tatsächlichen Produktion verwendeten Blech, Schmiermittel und Werkzeugkombination.

Simulation von Tribologie, Reibung und Schmierung

Tribologie, Reibung und Schmierung werden bei der Blechumformung simuliert, visualisiert und bewertet. „Die Ergebnisse können in Simulationspaketen eingebunden werden. Das Resultat sind schnellere, präzisere und komplette Blechumformsimulationen“, betont Wiebenga. Diese optimierten Simulationen gewinnen zunehmend an Bedeutung. „Sie verbessern die operative Effizienz, führen zu einer Ersparnis von Kosten und Zeit und gewährleisten eine hohe Produktqualität.“

Die Simulationen steigern die Präzision bereits in der Planungsphase, lassen die Formteilqualität mit einer hohen Zuverlässigkeit erkennen und erhöhen schließlich auch die Effizienz bei Forschung und Entwicklung. „Höherwertigere Werkzeugkonstruktionen führen zu Einsparungen bei Werkzeugproben und Testzeiten“, erläutert Wiebenga.

Ziel: Software als Standard in der Automobilindustrie

Auch hier hat Einseitigkeit keine Chance: Die Software von TriboForm wird sowohl von OEMs als auch ihren Zulieferern genutzt. OEMs nutzen sie in ihren eigenen Prozessen, um ihre Produktion zu optimieren. „Zulieferer der OEMs verwenden sie, um ihren Service gegenüber OEMs zu verbessern und entwickeln bessere Werkstoffe, die von den OEMs verwendet werden.“

Für Wiebenga und Hol, in deren Büros Autotüren von Volvo XC90 und Mercedes-Benz C-Klasse aufgestellt sind, ist das aber nur der Beginn. „Unser oberstes Ziel ist es, dass unser Produkt zum Standard in der Entwicklung von Autos weltweit wird.“ Könnte gut klappen. „Kunden der Automobilindustrie integrieren derzeit die Software in ihren Standardentwicklungsprozess. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre werden Fahrzeuge entwickelt, indem die Software von TriboForm als Standard-Softwaretool genutzt wird“, ist sich Wiebenga sicher. Denn der Konkurrenzdruck in der Autobranche sei groß. „Mit ihm geht der Wunsch nach innovativen Software-Produkten wie dem unseren einher.“

Von der University of Twente auf die Erfolgsspur

Von der University of Twente aus führte der Weg der beiden Geschäftsführer auf die Erfolgsspur: Wiebenga und Hol starteten TriboForm 2013 während ihrer Doktorarbeit im Fachbereich Technische Mechanik an der Fakultät CTW (Construerende Technische Wetenschappen). Bis heute halten die beiden Firmeninhaber Kontakt zu ihrem alten Fachbereich.

Mittlerweile zählt das im Kennispark Twente in Enschede beheimatete Unternehmen sechs Mitarbeiter. „Mit dem Start unseres Softwareproduktes kommt eine neue Wachstumsphase“, sagt Wiebenga. Die Nähe zur Universität in Enschede bleibt aber wichtig: für die Fortsetzung der wissenschaftlichen Software-Entwicklung und die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. „Nur dann können wir als Unternehmen schnell wachsen“, betont Hol.

Weil aktuell 60 Prozent des Umsatzes über den deutschen Markt erzielt wird, vor allem natürlich durch die Automobilindustrie, sucht TriboForm deutsche Mitarbeiter für Verkauf, Kundenbetreuung und Engineering. In diesem Jahr zunächst einen Mitarbeiter in Vollzeit und in der Periode 2017 bis 2020 vier weitere Mitarbeiter in Vollzeit.

Nähe zum deutschen Markt essentiell

Der deutsche Markt ist für die Unternehmensentwicklung essentiell. „Einige unserer Kunden sind ganz in der Nähe, nur wenige Fahrtstunden entfernt. Es kostet uns mehr Zeit, nach Amsterdam zu fahren als zu einigen unserer Kunden“, erläutert Wiebenga. Deutschland biete einen sehr innovativen Markt mit führenden Automobilherstellern, die beispielhaft für andere Autohersteller in der EU und außerhalb der EU seien.

Bei der Automobilindustrie als Hauptabnehmer soll es aber nicht bleiben. Auch außerhalb der Autoindustrie möchte TriboForm Fuß fassen. Denn abgesehen von der Automobilindustrie „kann unsere Software in der allgemeinen Fertigungsindustrie, zum Beispiel im Bereich elektronischer Geräte, sowie in der Transport- und Luftfahrtindustrie eingesetzt werden“, so Wiebenga. Gute Gründe dafür, dass TriboForm auf der Überholspur bleiben wird.

Adresse:
University of Twente
Drienerlolaan 5
7522 NB Enschede

Alf Buddenberg | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.utwente.nl/en/research/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften