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McKinsey-Studie fordert "Autobahn für die Wirtschaft"

15.10.2002


Schnelleres Produktivitätswachstum in Deutschland notwendig


Frankreich und Deutschland müssen ihr Produktivitätswachstum zum Teil massiv steigern und den Abstand zu den USA verringern. Nur so kann der derzeitige Lebensstandard gesichert werden. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Studie "Wege zu höherem Produktivitätswachstum in Deutschland und Frankreich" des (MGI), die am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist die aktuelle Situation in Deutschland alarmierend, so das Fazit der Untersuchung.

Die MGI-Studie untersucht die Produktivität in Deutschland, Frankreich und in den USA sowie die Ursachen ihrer Veränderung. Im Einzelnen analysierte McKinsey die Bereiche Telekommunikation, Retail Banking, Automobilindustrie, Straßengüterverkehr, Einzelhandel und Stromversorgung. Zwar konnten in den 90er Jahren fast alle Sektoren ihre Produktivität steigern, doch mit Ausnahme des Mobilfunkbereichs in Deutschland und Frankreich und dem französischen Einzelhandel weisen sämtliche Sektoren in den USA ein stärkeres Produktivitätswachstum auf.


Im Retail Banking liegt Deutschland trotz hoher Steigerungen der Produktivität durch Geschäfts- und Technologieinnovationen, verstärkter Nachfrage und Konsolidierung hinter Frankreich und den USA. Notwendig sei deshalb, so die Studie, eine weitere Konsolidierung des Bankenwesens. Dadurch sei ein zusätzliches Produktivitätswachstum von 20 Prozent möglich.

Im Bereich der Telekommunikation dagegen steht Deutschland an der Spitze des Produktivitätswachstums. Grund dafür ist vor allem die Liberalisierung des Festnetzmarkts. In diesem Sektor ist auch das relativ schwache Produktivitätswachstum im US-amerikanischen Mobilfunkmarkt auffällig. Dieser verliert an Boden gegenüber Frankreich und Deutschland auf Grund der regionalen Fragmentierung der Industrie, die wiederum durch die regionale Lizenzvergabe in den USA verursacht wurde.

Die französische Automobilindustrie hat zu den lange überlegenen deutschen Konkurrenten in puncto Arbeitsproduktivität aufgeschlossen. Von Japan und den USA trennt die Europäer aber immer noch eine Produktivitätslücke von rund 30 Prozent. Schlankere Prozesse, weniger Mitarbeiter in der Verwaltung sowie eine geringere Produktkomplexität seien Ansätze, um die Produktivität der europäischen Autobauer wieder zu steigern, geht aus der McKinsey-Studie hervor.

Die Deregulierung des Straßengüterverkehrs im europäischen Binnenmarkt bescherte den französischen und deutschen Fuhrunternehmen im vergangenen Jahrzehnt ein enormes Produktivitätswachstum. Angesichts des verschärften Wettbewerbs müssten sie jetzt verstärkt die Vorteile von IT nutzen, um in dem immer härteren Umfeld bestehen zu können. Der Abstand zur Produktivität der US-Unternehmen verringerte sich zwar deutlich, liegt aber immer noch bei 15 Prozent.

Liberalisierungseffekte steigerten auch die Produktivität auf dem deutschen Strommarkt. In den nächsten Jahren können die Energieversorger ihre Produktivität weiter erhöhen, wenn zunehmender Wettbewerbsdruck und weitere regulatorische Änderungen sie dazu bewegen, ihre Prozesse noch effizienter zu gestalten.

Die komplizierten Eigentümerstrukturen im deutschen Einzelhandel hemmen die Konsolidierung in diesem Sektor. Dies führt den Ergebnissen der McKinsey-Studie zufolge zu Überkapazitäten bei den Verkaufsflächen und verhindert notwendige Investitionen. Die deutsche Arbeitsproduktivität liege daher zehn Prozentpunkte niedriger als in den USA.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnten Frankreich und Deutschland fünf Jahrzehnte lang bei der Arbeitsproduktivität ihren Abstand zu den USA verringern. Doch seit Mitte der 90er Jahre ist dieser Trend nicht nur zum Erliegen gekommen, er hat sich sogar umgekehrt: In den USA wächst die Produktivität schneller als in den europäischen Ländern - der Abstand vergrößert sich zunehmend.

Der Schlüssel zum notwendigen Produktivitätswachstum liegt in Geschäfts- und Technologieinnovationen. Damit diese Innovationen möglich werden, so die McKinsey-Studie, sei ein angemessenes regulatorisches Umfeld notwendig. Es sei die Aufgabe der politischen Entscheidungsträger, eine "Autobahn für die Wirtschaft" zu schaffen. Die bisher umgesetzten Verbesserungen, wie etwa die schrittweise Beseitigung von Importquoten für japanische Autos, die Liberalisierung auf dem Telekommunikations- und auf dem Strommarkt, führten durchweg zu Produktivitätswachstum.

Wie aus der McKinsey-Studie hervorgeht, ist es in der Vergangenheit einigen Industriesektoren gelungen, Produktivitätswachstum durch Konsolidierung zu erzielen. Doch im deutschen Einzelhandel, aber auch im Retail Banking seien nach wie vor große Konsolidierungspotenziale vorhanden. Auf lange Sicht aber könnten nur die Entwicklung und Verbreitung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse nachhaltig zu Produktivitätssteigerungen führen. Produktivitätswachstum bedeute dabei nicht automatisch Arbeitsplatzabbau, wie die MGI-Studie aufzeigt.

Die Studie "Wege zu höherem Produktivitätswachstum in Deutschland und Frankreich" wurde von McKinsey unabhängig erarbeitet. McKinsey berät zahlreiche führende Unternehmen weltweit und kennt daher das Potenzial für weiteres Produktivitätswachstum. Mit der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts will McKinsey den Entscheidungsträgern helfen, das Potenzial freizusetzen.

Das McKinsey Global Institute (MGI) ist der Think Tank der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Es führt Studien zu globalen ökonomischen Fragestellungen durch, insbesondere zum Wirtschaftswachstum.

Rolf Antrecht | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.mckinsey.de

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