Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internet-Turbo für Auto-Elektronik

11.09.2009
Start für Forschungsprojekt zur Sicherheit in eingebetteten IP-basierten Auto-Systemen

Für die meisten Auto-Innovationen ist die Elektronik verantwortlich. In modernen Fahrzeugen stecken heute bis zu 70 elektronische Steuergeräte, die miteinander Daten austauschen.

Leider sprechen diese eingebetteten Systeme aber eine andere Sprache als der Rest der Fahrzeugkomponenten - das bremst Neu-Entwicklungen. Die Automobil-Industrie möchte deshalb, dass sich die Elektronikbauteile in Zukunft mittels Internet-Protokoll (IP) verständigen. Doch was, wenn die Kommunikation während der Fahrt versagt oder Hacker versuchen, die Bordelektronik zu manipulieren?

Um solche Störungen auszuschließen, entwickeln zwölf Unternehmen der Automobilindustrie zusammen mit sechs Forschungseinrichtungen im Projekt "Sicherheit in eingebetteten Systemen" (SEIS) ein IT-Sicherheitsmodell für die IP-Kommunikation im Auto. Fraunhofer SIT übernimmt dabei die Analyse der Sicherheitsanforderungen und entwickelt konkrete Lösungsvorschläge, die anschließend anhand von prototypischen Demonstratoren getestet werden.

Heutige Auto-Elektronik besteht aus mehreren abgeschotteten Domänen, die technisch unterschiedliche Bussysteme umfassen. Problem: Diese Bussysteme sind nicht kompatibel miteinander und genügen nicht den zukünftig erwarteten Übertragungskapazitäten. "Diese Struktur bremst Neu-Entwicklungen, denn Informationsflüsse zwischen den Hardware-Domänen lassen sich nur schwer oder gar nicht realisieren, verhindern eine einheitliche Software-Entwicklung und bremst Installationsvorgänge", sagt Peter Schoo, Bereichsleiter beim Fraunhofer SIT. Durch den Einsatz von IP kann eine Einheit entstehen, die Fahrzeuginformationen leichter zu neuen Diensten verbindet.

"Ein Software-Update bei einem Auto dauert heute bis zu 24 Stunden, weil das im Moment nur tröpfchenweise geht", sagt Schoo. Die Vereinheitlichung von Schnittstellen und Protokollen kann solche Prozesse und die gesamte Entwicklung der Auto-Elektronik beschleunigen, und selbst Open-Source-Konzepte ließen sich mittels der IP-Basis verwirklichen. Es ergeben sich jedoch auch neue Angriffs- und Missbrauchsmöglichkeiten sowie neue Störungsquellen, weil Angreifer in Fahrzeugen ungestörten physikalischen Zugriff auf die Fahrzeugteile haben. So lässt sich etwa Auto-Hardware mittels Seitenkanal-Angriffen attackieren. Dabei werden Sicherheitsmodule durch die Analyse von physischen Parametern wie Reaktionszeiten oder Temperaturabstrahlung gebrochen.

Im Rahmen des SEIS-Projekts wollen die Projektpartner jetzt gemeinsam die Elektronikarchitektur im Auto vereinfachen und gleichzeitig die Datenvernetzung im Kraftfahrzeug absichern. Ziel ist die Entwicklung einer sicheren IP-basierte Kommunikationsplattform für eingebettete Systeme. Damit das zugehörige Sicherheitsmodell ausreichenden Schutz bietet, muss es die unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation im Auto berücksichtigen und auch für zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten offen sein. So wird Fraunhofer SIT zusammen mit den Konsortialpartnern nicht nur die Kommunikation zwischen den einzelnen Steuergeräten absichern, sondern auch die Kommunikation mit benachbarten Fahrzeugen und dem Internet.

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ist Teil der Innovationsallianz Automobilelektronik (E|ENOVA) und dauert drei Jahre. Mit ersten Ergebnissen ist nach einem Jahr zu rechnen. Zu den Projektpartnern gehören die Unternehmen BMW AG, BMW Forschung und Technik GmbH, Audi AG, Audi Electronics Venture GmbH, Volkswagen AG, Daimler AG, Robert Bosch GmbH, Continental Automotive GmbH, Infineon Technologies AG, EADS Deutschland GmbH, Alcatel-Lucent Deutschland AG, Elektrobit Automotive GmbH, die Universitäten Karlsruhe, Chemnitz, Erlangen und München sowie das Fraunhofer ESK und das Fraunhofer SIT.

Oliver Küch | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.eenova.de/seis
http://www.sit.fraunhofer.de/seis
http://www.esk.fraunhofer.de/press/PM0910SEIS.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise