Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligente Fahrzeuge lernen Hören und Sehen

06.01.2014
Fahrzeugen das Sehen, Hören und Denken beibringen

An diesem Ziel arbeiten die Ingenieure des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) in einem neuen Forschungsprojekt. Fahrerlose Transportfahrzeuge sollen sich in Fabrikhallen künftig allein zurechtfinden, sich ihre Umgebung einprägen und sich anhand von markanten Punkten orientieren.


Ein solches fahrerloses Transportfahrzeug im Kleinformat dient als Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt. Am IPH soll die Maschine lernen, auf Sprache und Gesten zu reagieren.

Foto: Susann Reichert / IPH

Zudem soll es möglich sein, mit den Fahrzeugen direkt zu kommunizieren und ihnen mittels Sprache und Gesten Aufträge zu erteilen. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Industrie 4.0, also zur intelligenten Fabrik der Zukunft.

„Bring diese Palette zu Regal 12, Fach 3“ – so könnte künftig der Lagerarbeiter mit seiner Maschine sprechen. Er zeigt auf die Palette, das Fahrzeug versteht die Geste und führt den Auftrag aus. Um diese Idee in die Realität umzusetzen, arbeitet das IPH in einem Gemeinschaftsprojekt mit Projektpartnern aus Wissenschaft und Industrie zusammen. Die Ingenieure des hannoverschen Instituts entwickeln dabei die Sprach- und Gestensteuerung für das Fahrzeug. Damit soll es möglich sein, auf jene Palette zu zeigen, die das Fahrzeug bewegen soll – oder das Fahrzeug heranzuwinken, um ihm den nächsten Auftrag zu erteilen.

Außerdem soll sich das Fahrzeug allein in seiner Umgebung zurechtfinden. Bisher können sich fahrerlose Transportfahrzeuge nur auf vorgegebenen Wegen durchs Lager bewegen. Um sich zurechtzufinden, benötigen sie beispielsweise Führungslinien auf dem Boden oder Magnetsensoren, an denen sie sich orientieren können. Normalerweise ist es daher zeitaufwändig und teuer, ein fahrerloses Transportsystem (FTS) einzurichten.

Künftig sollen sich die Fahrzeuge so orientieren, wie es auch der Mensch tut: Indem sie sich markante Punkte im Raum merken. Damit werden fahrerlose Transportsysteme auch für kleinere Unternehmen interessant – weil keine baulichen Veränderungen mehr nötig sind, an denen sich das System orientieren kann.

„FTF out of the box“ lautet der Titel des Forschungsprojekts, denn die Fahrzeuge sollen ohne langwierige Vorbereitung sofort einsatzbereit sein – eben „out of the Box“, direkt nach dem Auspacken. Die Einarbeitungsphase soll im Vergleich zu anderen Systemen deutlich weniger aufwändig sein. Das Fahrzeug erfasst eigenständig seine Umgebung, speichert eine Art Landkarte ab und findet sich anschließend allein zurecht. Und es lernt ständig dazu, etwa wenn im Lager umgeräumt und ein Regal zur Seite gerückt wird. Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, der sich problemlos an eine sich wandelnde Umgebung anpassen kann, sollen damit auch auf Maschinen übertragen werden – ganz im Sinne der Industrie 4.0.

Während die Sprach- und Gestensteuerung am IPH in Hannover entwickelt wird, erarbeitet das Institut für technische Informatik der Universität zu Lübeck (ITI) das Navigationssystem für das fahrerlose Transportfahrzeug.

Auch Industrieunternehmen beteiligen sich an dem Projekt: Für die Sicherheitstechnik ist die Götting KG aus Lehrte in der Region Hannover verantwortlich, die Gesamtprojektkoordination übernimmt die Jungheinrich AG. Das Hamburger Unternehmen entwickelt ein System zur automatischen Palettenein- und -auslagerung und integriert zudem alle Komponenten in zwei Schubmaststapler, die dann in einer Lagerhalle nahe Hamburg getestet und kontinuierlich verbessert werden sollen.

Anschließend kommen die Prototypen bei den Anwendungspartnern des Projekts zum Einsatz. Bisher haben vier Logistik- und Produktionsunternehmen Interesse bekundet, das Fahrzeug unter realen Bedingungen zu testen. Weitere Anwendungspartner – vornehmlich aus dem Logistik- und Produktionsumfeld – sind willkommen.

Das Forschungsprojekt „FTF out of the box“ ist zum 1. Oktober 2013 gestartet und läuft drei Jahre. Gefördert wird es im Rahmen des Forschungsprogramms „AUTONOMIK für Industrie 4.0“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Projektträger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Susann Reichert | idw
Weitere Informationen:
http://www.ftf-out-of-the-box.de
http://www.iph-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie