Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligente Autos stimmen sich mit ihrer Umwelt ab: Zweites führerloses Fahrzeug an der Uni Ulm

10.07.2015

Rund um die Universität Ulm sind nun zwei führerlose Fahrzeuge unterwegs: Ingenieure um Prof. Klaus Dietmayer haben ein zweites selbststeuerndes Auto mit noch leistungsfähigerer Sensorik und höherer Rechenleistung in Betrieb genommen. Auch das neue Testfahrzeug darf dank einer Ausnahmegenehmigung am öffentlichen Straßenverkehr in ganz Deutschland teilnehmen. Mit den beiden Autos soll künftig vor allem das kooperative Fahren erforscht werden. Die Fahrzeuge werden also untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren, einander vor Staus warnen und ihr Fahrverhalten aufeinander abstimmen.

Rund 5000 Kilometer ist das hochautomatisierte Testfahrzeug des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik seit Mitte letzten Jahres über den Ulmer Eselsberg gerollt – ganz ohne Zwischenfälle und natürlich unfallfrei.


Automatisierte Versuchsfahrzeuge der Universität Ulm mit dem Kernentwicklungsteam um Prof. Klaus Dietmayer (links). Das neue Auto ist im Vordergrund zu sehen

Foto: Eberhardt/Uni Ulm

Jetzt konnten die Ingenieure um Professor Klaus Dietmayer ihren Fuhrpark um ein zweites selbststeuerndes Auto mit noch leistungsfähigerer Sensorik und höherer Rechenleistung erweitern. Auch das neue Testfahrzeug, ein aufgerüstetes T-Modell der Mercedes E-Klasse, darf dank einer Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums am öffentlichen Straßenverkehr in ganz Deutschland teilnehmen. Ein Sicherheitsfahrer, der bei Fehlfunktionen eingreifen kann, ist selbstverständlich immer an Bord.

„Mit den beiden Versuchsfahrzeugen wollen wir vor allem das kooperative hochautomatisierte Fahren erforschen. Die Autos sollen zukünftig auch untereinander kommunizieren und ihr Fahrverhalten aufeinander abstimmen“, erklärt Professor Dietmayer. Aktivitäten zu selbststeuernden Autos, die untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren, sind an der Uni Ulm im Forschungszentrum für kooperative, hochautomatisierte Fahrerassistenzsysteme und Fahrfunktionen (F3) gebündelt. Gefördert von der Carl-Zeiss-Stiftung arbeiten Ingenieure, Informatiker und Psychologen im Zentrum gemeinsam am intelligenten Fahrzeug der Zukunft.

Hochautomatisiertes und eines Tages autonomes Fahren soll dabei helfen, unsere Straßen sicherer zu machen und Unfälle zu vermeiden. Zudem wird das Autofahren komfortabler: Eines Tages könnten sich selbst Personen ohne Führerschein zum Bummel in die Stadt chauffieren lassen und dabei ein Buch lesen. Doch bisher funktioniert hochautomatisiertes Fahren nur bei Teilmanövern und auf bekannten Strecken. Besonders im anspruchsvollen innerstädtischen Verkehr, in dem sich Fußgänger, Radfahrer und Autos auf engem Raum bewegen, ist allerhand Technik nötig: Sieben Radare, fünf Kameras und einen Laserscanner haben die Forscher im neuen Testfahrzeug verbaut – und dabei weitestgehend auf Seriensensorik zurückgegriffen.

Diese Sensoren senden ständig Daten an drei im Fahrzeug integrierte Rechner, die die Situation bewerten, sinnvolle Handlungen planen und schließlich Gaspedal, Bremse und Lenkung ansteuern. Künftig soll die Handlungsplanung auch in Abstimmung mit anderen Fahrzeugen geschehen. Dazu tauschen die Autos beispielsweise Daten zu Position, Geschwindigkeit und Handlungsplanung über Funkmodule aus.

Außerdem erforschen die Ingenieure, wie Absichten und Wünsche anderer Verkehrsteilnehmer durch Sensoren und verarbeitende Algorithmen erkannt und bei der Handlungsplanung der Versuchsfahrzeuge berücksichtigt werden können. „Durch kooperatives hochautomatisiertes Fahren könnten zum Beispiel Verdeckungssituationen aufgelöst oder das ,Reißverschlusssystem‘ ganz ohne Fahrer perfektioniert werden“, erklärt Dietmayer.

An der Vision vom autonomen Fahren arbeiten Teams aus Ingenieuren, Informatikern und Technikern seit nunmehr fünfzehn Jahren am Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik. Bisher sind an der Uni Ulm über zwanzig Doktorarbeiten und mehr als 100 Abschlussarbeiten rund um die hochautomatisierten Fahrzeuge entstanden. Inzwischen meistern die Testautos Fußgängerüberwege ganz ohne Fahrereingriff, sie können selbstständig aus der Uni-Werkshalle in die Straße einbiegen und auch die Ampelerkennung hat sich deutlich verbessert.

In Zukunft sollen die Autos typische Handlungsweisen ihrer Besitzer in ihr Fahrverhalten und die Planung integrieren und noch besser mit weiteren Verkehrsteilnehmern und der Infrastruktur interagieren. Wie viel Kontrolle möchte der Fahrer an sein Auto abgeben? Und wann fühlt er sich bevormundet? Diese und andere Fragen der „Psychologie des Autofahrens“ werden ebenfalls im F3 untersucht. In den hochautomatisierten Testautos kann der Fahrer schon jetzt jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug erlangen – durch Knopfdruck oder die Betätigung des Bremspedals.

Bald wird die Ulmer Teststrecke im Bereich Berliner Ring/Albert-Einstein-Allee in Richtung Innenstadt ausgebaut – und umfasst somit neue Herausforderungen wie den Kreisel am Blaubeurer Ring. Zudem müssen sich die beiden selbststeuernden Fahrzeuge aufeinander abgestimmt in die B10 einfädeln. Nicht nur Autofahrer aus Ulm und Umgebung ahnen: In solchen Situationen ist ein kooperatives Verhalten aller Verkehrsteilnehmer überlebenswichtig.

Zum Hintergrund

Neben der Arbeit im F3 kooperiert das Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik im Innovationszentrum driveU mit Ingenieuren der Daimler AG. Schwerpunkte sind Fahrerassistenzsysteme, Fahrzeugsicherheit und automatisierte Fahrfunktionen.
Näheres: http://www.uni-ulm.de/in/iui-drive-u.html

Weitere Informationen: Prof. Dr. Klaus Dietmayer: Tel.: 0731 50 26302, klaus.dietmayer@uni-ulm.de

Hinweis für Redakteure: Im Original wird die 3 im Namen F3 als Hochzahl geschrieben (im idw leider nicht möglich)

Weitere Informationen:

https://www.uni-ulm.de/in/f3.html

Annika Bingmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Neue Akzente für das Ambiente im Automobil
19.09.2017 | Schott AG

nachricht Mobilität von Morgen: Wie wir uns in Zukunft von A nach B bewegen
07.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise