Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochglanz wird "haltbar"

30.04.2002


Weltweit erster superkratzfester Autolack - neue Materialien auf dem Vormarsch

... mehr zu:
»Autolack »Hochglanz »INM »Metall

Bekanntlich ist nichts von Bestand - erst recht nicht der Hochglanz von Autos: Straßenstaub, Autowaschanlagen, die Witterung und andere Einflüsse strapazieren die Oberfläche der Karossen. Kratzfeste Autolacke waren für viele Autofahrer bisher ein Traum. Auf der Hannover Messe präsentierten Wissenschaftler des Instituts für Neue Materialien (INM) unlängst eine weltweit zum Patent angemeldete Erfindung - den ersten superkratzfesten Autolack. Messebesucher konnten sich am Stand des Saarbrücker Instituts überzeugen: Selbst Stahlwolle kann dem hauchdünnen Superlack nichts anhaben.

Die neuartige Beschichtung ist nur ein Hundertstel Millimeter dünn und hat nahezu die Kratzfestigkeit von mineralischem Glas. Möglich macht dies eine "Rüstung" aus nanoskaligen Keramikpartikeln, die 4000 mal kleiner sind als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Die Erfindung steht bereits als ausgereifte Pilottechnologie zur Verfügung. Der Superlack lässt sich mit den heute in der Automobilindustrie üblichen Lackierverfahren verarbeiten.


Willkommen im Kosmos der Atome und Moleküle: Dank chemischer Nanotechnologie können Wissenschaftler neue Materieformen entwickeln - und mit verblüffenden Funktionen versehen. Denn im Nanokosmos herrschen andere Gesetze: Produziert man Metalle, Glas, Keramik oder Halbleiter nicht als Festkörper, sondern als Partikel im Nanomaß, dann verfügen sie plötzlich über völlig neue Eigenschaften: Glas kann als Klebstoff verwendet werden, Metalle werden zu Farbstoffen, und Magnetismus lässt sich sogar ausschalten. Ein herausragender Vorteil der Nanopartikel: ihre Transparenz. "Beispielsweise Metall kann transparent zu Beschichtungen oder Scheiben verarbeitet werden", erklärt Prof. Dr. Helmut Schmidt, Geschäftsführer des Leibniz-Instituts für Neue Materialien. "Dadurch ergeben sich völlig neue Perspektiven - auch in anderen Bereichen. Designer etwa verfolgen unsere Aktivitäten mit Spannung. Stellen Sie sich das Dach eines Autos als transparente Kuppel vor." Das Anwendungsspektrum ist breit. Seit einiger Zeit arbeitet das Institut gemeinsam mit dem Bayer-Konzern unter anderem an neuartigen Windschutzscheiben für die Automobil-Industrie. "Glas ist schwer und zerbricht leicht", erläutert Schmidt. "Wir entwickeln kratzfeste Schichten für Polycarbonatscheiben aus Kunststoff, die nicht nur enorm kratzfest wie Glas und robust, sondern auch viel leichter sind als herkömmliche Scheiben."

"Als ich damals meine Absicht bekundete, Nanopartikel für neue Werkstoffe auf chemischem Weg herzustellen, stieß ich bei führenden Experten noch auf Skepsis und auch Kritik", erinnert sich Schmidt. Dennoch konzentrierte er bereits 1990 die Arbeiten des INM auf dieses technologische Neuland. Inzwischen nutzt das INM seit Jahren die neuen Formen der Materie bei der Herstellung neuartiger High-Tech-Werkstoffe.

Reich der Winzlinge: Nanotechnologie

Was mit einer Vision begann, ist heute Alltag der Wissenschaftler im Reich der kleinsten Strukturen: "Es müsste in Zukunft möglich sein, Materie derart fein zu ordnen, dass der gesamte Inhalt der Encyclopedia Britannica auf einem Stecknadelkopf Platz findet!" verkündete der Physiker Richard Feynman 1959 in einer legendären Rede - zur Belustigung vieler Kollegen. Heute sind marktträchtige Produktperspektiven in Sicht: Der kratzfeste Autolack ist eine davon.

Kontakt:
Prof. Dr. Helmut Schmidt
Tel: 0681-93 00-0
Fax:0681-93 00-223
schmidt@inm-gmbh.de

Das Institut für Neue Materialien (INM) gehört zu den 79 außeruniversitären Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung der Leibniz-Gemeinschaft. Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute beschäftigen rund 12.000 Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von ca. 820 Mio. Euro. Sie arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär und sind von überregionaler Bedeutung. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter: http://www.wgl.de.


WGL-Geschäftsstelle, Eduard-Pflüger-Straße 55, 53113 Bonn; PF 12 01 69, 53043 Bonn, Tel.: (0228) 30815-0, FAX: (0228) 30815-255, Email: wgl@wgl.de


Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.inm-gmbh.de
http://www.wgl.de

Weitere Berichte zu: Autolack Hochglanz INM Metall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Mehr Flexibilität in der Produktion durch selbstfahrende Transportfahrzeuge
27.11.2017 | Technologie Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH

nachricht Leichtbauteile für die Automobilindustrie schnell und günstig fertigen
16.11.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik