Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochautomatisiertes Fahren: Bald führerlose Autos auf Ulmer Straßen!

12.07.2013
Ingenieure um Professor Klaus Dietmayer haben eine ganz normale Mercedes-Limousine zu einem hochautomatisierten Fahrzeug mit erstaunlichen Fähigkeiten umgebaut:

Das Auto kann seine Geschwindigkeit führerlos regulieren, hält selbstständig die Spur und manövriert vielleicht schon bald in Parklücken, die selbst routinierten Fahrkünstlern Schweißperlen auf die Stirn treiben würden.


Die umgebaute und jetzt hochautomatisierte Mercedes E-Klasse darf nach der TÜV-Abnahme auch auf öffentlichen Straßen getestet werden

Das Sicherheitskonzept der Forscher ist kürzlich vom TÜV abgenommen worden: Mit einer Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums rollt das Erprobungsfahrzeug der Wissenschaftler ab sofort auch ohne Fahrereingriff über Ulmer Straßen.

Andere Verkehrsteilnehmer müssen sich aber keine Sorgen machen: „Obwohl das Fahrzeug eigenständig durch den Stadtverkehr manövrieren wird, sind immer noch zwei geschulte Sicherheitsfahrer an Bord, die zum Beispiel bei Fehlfunktionen eingreifen können“, sagt Klaus Dietmayer, Direktor des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik und Experte für Fahrerassistenzsysteme.

Und so wird die hochautomatisierte Fortbewegung möglich: Kameras, Radar- und Lasersensoren erfassen die Umgebung des Autos. Auf Basis der Sensordaten analysieren in das Fahrzeug integrierte Rechner die Verkehrssituation. Dann planen die kleinen Computer sinnvolle Handlungen des Autos, zur Ausführung steuern sie Gas, Bremse sowie Lenkung an. Weitere, davon unabhängige Sensoren überprüfen kontinuierlich den Fahrzeugzustand und verhindern so kritische Situationen. Ob aus Spaß am Fahren oder sicherheitstechnischen Gründen: Der Autofahrer kann jederzeit selbst die Kontrolle übernehmen. Ein Knopfdruck beziehungsweise die Betätigung des Gas- oder Bremspedals reicht aus.

Ein erster Schritt von Fahrerassistenzsystemen zum automatisierten Fahren ist geschafft: „In bestimmten Situationen, beispielsweise bei kleinen Geschwindigkeiten im Stau, können Serienfahrzeuge schon heute selbstständig Gas geben und lenken“, weiß Dietmayer. In Zukunft gelte es, komplexe Fahrsituationen, wie sie beispielsweise in der Stadt auftreten, zu meistern. Schlüssel zum Erfolg sind neue grundlegende Methoden und Algorithmen. Daran arbeiten auch Klaus Dietmayers Doktoranden Jürgen Wiest, Dominik Nuß und Felix Kunz: Bei den Testfahrten auf Ulmer Straßen wollen die Ingenieure Versuche durchführen, die nur unter realen Bedingungen möglich sind.

Die deutliche Mehrzahl der Unfälle ist bekanntermaßen auf menschliches Versagen zurückzuführen: Hochautomatisierte und vollständig selbst steuernde Fahrzeuge, die Situationen selbst „ korrekt einschätzen“ und entsprechend reagieren können, werden eines Tages maßgeblich zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen – so die Expertenmeinung. „In ungefähr 20 bis 30 Jahren können wir uns von unserem Fahrzeug bedenkenlos zum Stadtbummel chauffieren lassen. Auf Autobahnen und Landstraßen wird automatisiertes Fahren schon früher zur Routine. Viele Automobilhersteller arbeiten daran“, sagt Klaus Dietmayer. Er freue sich, dass seine Forschergruppe nun diesen Herstellern bei der Erprobung hochautomatisierter Fahrzeuge gleichgestellt sei und das bereits aufgerüstete Auto auch abseits von Testgeländen und Verkehrsübungsplätzen auf den Prüfstand stellen dürfe. „Erprobungsfahrten bei realen Verkehrssituationen sind immer noch die höchste zu überwindende Hürde. Das kann man nicht simulieren“, so Dietmayer.

Die Forschungsgruppe um Professor Dietmayer am Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik der Universität Ulm arbeitet seit über zehn Jahren auf dem Gebiet der Fahrerassistenzsysteme. Die Gruppe hat mehrere Versuchsträgerfahrzeuge und umfasst zurzeit über 15 Wissenschaftler. Klaus Dietmayer ist zudem Leiter des driveU, einem gemeinsamen Innovationszentrum der Daimler AG und der Uni Ulm. Auch hier geht es um Fahrerassistenzsysteme. Schwerpunkte sind die maschinelle Wahrnehmung und das Verstehen von Situationen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Klaus Dietmayer: 0731 50-26302, klaus.dietmayer@uni-ulm.de

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Neue Akzente für das Ambiente im Automobil
19.09.2017 | Schott AG

nachricht Mobilität von Morgen: Wie wir uns in Zukunft von A nach B bewegen
07.09.2017 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie