Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilfe für die Fahrt im Dunkeln

04.08.2006
Chemnitzer und Berliner Psychologen bewerteten verschiedene Nachtsichtsysteme

Mehr als 40 Prozent aller tödlichen Autounfälle in Deutschland ereignen sich nachts, obwohl in dieser Zeit nur ein Viertel des Verkehrsaufkommens entsteht. Schuld sind oft schlechte Sichtbedingungen. Hinzu kommt, dass 80 Prozent der nachts verunglückten Personen dunkel gekleidet waren.


Moderne Nachtsichtsysteme, die mit speziellen Infrarotkameras ausgestattet sind, machen die Nacht zwar nicht zum Tag, liefern aber ein recht gutes Bild der Situation vor dem Fahrzeug ins Cockpit - oben eine Szene, die mit einer Ferninfrarot-Kamera aufgenommen wurde, unten eine mit Nahinfrarot-Kamera festgehaltene Szene. Foto: TU Chemnitz

Auch wenn heute moderne Scheinwerfersysteme die Straße gut ausleuchten, lässt sich das Problem mit einfachen Mitteln nicht lösen: In einer Entfernung von etwa 60 Metern endet das Abblendlicht auf dem Fahrbahnbelag, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Hilfe versprechen moderne Nachtsichtsysteme, die mit speziellen Infrarotkameras ausgestattet sind und Autofahrern ein wirklichkeitsgetreues Bild der Situation vor dem Fahrzeug ins Cockpit liefern.

Bislang war jedoch unklar, welche Sensortechnologie (Nah- oder Ferninfrarot), welche Form der Bildverarbeitung (analog oder Objekterkennung) und welche Anzeigeart (head-down oder head-up) den Fahrer am besten unterstützen.

Psychologen der Technischen Universität Chemnitz und der Technischen Universität Berlin haben im Auftrag eines Automobilherstellers die Gebrauchstauglichkeit von sechs unterschiedlichen prototypischen Nightvision-Systemen untersucht. Dazu führten sie nachts mit potenziellen Nutzern im Alter von 40 bis 65 Jahren Testfahrten durch. Auf unbeleuchteten Landstraßen und schlecht beleuchteten Straßen in Wohngebieten tauchten zufällig Fußgänger oder Radfahrer auf oder wurden von den Wissenschaftlern "kontrollierte Ereignisse" eingespielt.

Im Rahmen ihrer Studien befragten die Forscher außerdem Experten aus den Bereichen Wahrnehmungspsychologie, Mensch-Maschine-Interaktion, Ergonomie und Verkehrssicherheit über mögliche Auswirkungen der Systemeigenschaften der Nachtsichtsysteme auf das Fahrverhalten. Verglichen wurden beispielsweise die Entdeckungsrate von Objekten, die Reaktionszeit des Fahrers sowie subjektive Urteile zur Verständlichkeit, Einfachheit und zur Position der Anzeigen. Dabei ging es auch um Fragen wie: Lenkt ein zusätzliches Display den Fahrer ab? Verleiten Nachtsichtsysteme zu einem risikofreudigen Fahrstil?

Insgesamt zeigten die Studien, dass Nachtsichtsysteme ein hohes Potential zugeschrieben wird, um Unfälle unter erschwerten Sichtbedingungen vermeiden zu helfen. Nahinfrarotsysteme arbeiten im Unterschied zu Ferninfrarotsystemen wirklichkeitsgetreuer und sind besser in der Lage, verkehrsrelevante Informationen wie z.B. Fahrbahnmarkierungen auszuwerten. Die Wissenschaftler empfehlen im Fahrzeug LED-basierte Anzeigen, da videobasierte Darstellungen den Fahrer zu sehr ablenken. Dafür allerdings sind komplexe Algorithmen notwendig, die Sensordaten auswerten und eigenständig relevante Objekte wie Fußgänger oder Fahrradfahrer erkennen können. Im Unterschied zu videobasierten Darstellungen, die permanent ein Abbild der äußeren Umgebung ins Fahrzeug liefern, geben diese Systeme nur in den kritischen Situationen einen Hinweis.

Weitere Informationen gibt Prof. Dr. Josef Krems, Professor für Allgemeine Psychologie und Arbeitspsychologie der TU Chemnitz, unter Telefon (03 71) 5 31 - 36 421 oder per E-Mail krems@phil.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Berichte zu: Dunkel Fußgänger Nachtsichtsysteme Sichtbedingungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Informatiker der Saar-Uni verhindern Auto-Fernsteuerung durch Hacker
03.11.2016 | Universität des Saarlandes

nachricht Gewichtseinsparung durch lasergestützte Materialbearbeitung im Automobilbau
07.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie