Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hightech lässt Blinde Auto fahren

20.07.2009
Erstmals erfolgreicher Test für spezielles Interface-System

Das Blind Driver Challenge Team an der Virginia Tech arbeitet daran, Blinden das selbständige Fahren mit dem Auto zu ermöglichen.


Der Dirt Buggy für Blinde auf Testfahrt (Foto: vt.edu)

Die Forscher haben dazu einen Dirt Buggy mit geeigneten Sensoren sowie speziell auf blinde Fahrer ausgelegten Interface-Lösungen ausgerüstet, damit Menschen ohne Augenlicht wirklich die Kontrolle über die Fahrt haben. Dieses System wurde nun erstmals auf einem geschlossenen Gelände erfolgreich mit blinden Fahrern getestet.

"Das war großartig", so Wes Majerus, der erste blinde Testfahrer und Technik-Experte am Jernigan Institute der National Federation for the Blind (NFB). Das Institut hatte 2004 den Anstoß zum Projekt gegeben.

Die im Dirt Buggy genutzten Technologien basieren auf Entwicklungen, die für vollautonome Fahrzeuge gemacht wurden. Das umfasst etwa Laser-Entfernungsmesser als "Augen" des Fahrzeugs. Allerdings hat das Team die Gesamtlösung nunmehr so angepasst, dass blinde Fahrer wirklich die volle Steuerkontrolle haben.

Dazu wurden nicht-visuelle Interface-Technologien entwickelt, die unter anderem Sprach-Feedback umfassen. Andere Komponenten sind eine Vibrations-Weste, die Aufschluss über die Geschwindigkeit gibt, ebenso wie ein Steuer, das akustisches Feedback über den Einschlag gibt. Auch ein taktiles Karten-Interface, das mittels Druckluft Informationen über Straßenverhältnisse und Hindernisse rund um das Fahrzeug bietet, wurde implementiert.

Majerus, der nach eigenen Angaben auf Feldwegen Erfahrung damit gesammelt hat, mithilfe eines menschlichen Beifahrers ein Fahrzeug zu steuern, bezeichnet die Testfahrt als befreiend. "Im Vergleich zu menschlichen Anweisungen bietet die Stimme im Blind-Driver-Challenge-Fahrzeug sehr genaue Informationen", sagt er. Mit der technologischen Lösung könne man wirklich systematisch auf die Umwelt - die Teststrecke - eingehen. "Menschliche Beifahrer drücken sich teils sehr vage aus, etwa 'links abbiegen'", meint Majerus. Daraus sei aber nicht ersichtlich, ob nur ganz leicht eingesteuert oder wirklich scharf abgebogen werden soll.

"Das ist gewissermaßen unsere Mondlandung", bewertet Mark Riccobono, Geschäftsführer des Jernigan Institute, die historische Bedeutung des Projekts. Es handle sich um das erste funktionsfähige Fahrzeug, bei dem Blinde und Sehbehinderte das Steuer in die Hand nehmen können. "Blinde wollen ein unabhängiges Leben führen, warum sollten sie nicht auch fahren wollen", sagt er.

Trotz des erfolgreichen Tests gibt sich Riccobono keinen Illusionen hin, dass blinde Fahrer schon bald US-Straßen erobern könnten. Das Auto müsste praktisch perfekt funktionieren, ehe die NFB sich wirklich dafür stark machen könne, aktuelle Gesetze zu kippen und Blinde legal ans Steuer eines Autos zu lassen. Ehe das Fahrzeugsystem entsprechend weit gediehen sein wird, müssten noch Mio. Dollar in die Entwicklung investiert werden.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.me.vt.edu/blinddriver
http://www.nfb.org/nfb/Jernigan_Institute.asp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leichtbauteile für die Automobilindustrie schnell und günstig fertigen
16.11.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Kabeleigenschaften schnell und einfach bestimmen
02.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung