Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

»Grüner« Kunststoff fürs Auto

12.10.2001


Ein neuer polymerer Werkstoff vereinigt Ökologie und Ökonomie. Er enthält Produktionsreste und Abfälle, genügt jedoch trotzdem hohen mechanischen Ansprüchen: Die in Sandwichaufbau gefertigten Bauteile sind leicht, fest und vollständig recycelbar. Ein Anwendungsbeispiel ist die preisgekrönte Automobil-Fußstütze, die Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT vom 25. Oktober bis1. November auf der Kunststoffmesse »K 2001« in Düsseldorf vorstellen.


Die Automobilindustrie steht unter Druck: Die Altautoverordnung legt fest, dass schon im kommenden Jahr 85 Gewichtsprozent eines ausgedienten Fahrzeugs wiederverwertet werden müssen. Gleichzeitig sollen Autos immer weniger Benzin verbrauchen - und werden deshalb immer leichter. Das darf jedoch nicht zulasten der Sicherheit gehen - und auch die Produktionskosten müssen im Rahmen bleiben. Um all diesen Anforderungen zu genügen, suchen Hersteller und Zulieferer derzeit nach neuen Werkstoffen. Unterstützung erhielten sie nun von den Ingenieuren des ICT. Die Forscher in Pfinztal entwickelten ein innovatives Verfahren, mit dem sich Kunststoffbauteile mit den geforderten Eigenschaften schnell und kostengünstig in Serie herstellen lassen.

Der neue Werkstoff besteht aus einem Kunststoff mit Glasfaser-

anteil, der wie ein Sandwich aufgebaut ist: Zwischen zwei Außenschichten aus Polypropylen und Glasgewebe befindet sich ein Kern aus Recyclingmaterial. Als Demonstrationsobjekt wurde eine Automobil-Fußstütze für den SMART produziert. »Dafür nutzen wir Randstücke oder Abfälle aus der laufenden Produktion und weitere Recyclingreste aus langfaserverstärkten Thermoplasten«, erklärt Frank Henning, der zusammen mit seinem Kollegen Stefan Tröster nicht nur für die Entwicklung des Werkstoffs, sondern auch für dessen serienfähige Herstellungs- und Verarbeitungstechnologie verantwortlich ist. Bei dem innovativen Verfahren wird die Kernschicht in einem einzigen Verarbeitungsschritt zwischen die Deckschicht gebracht und zum Bauteil gepresst. Damit lassen sich Verarbeitungszeiten von weniger als einer Minute erzielen.

Die Fußstütze ist vollständig recyclingfähig. Obwohl sie nur ein Kilogramm leicht und drei Millimeter dünn ist, hält sie im Falle eines Crashs höchsten Kräften (5000 Newton) stand und ist damit stabiler als die bisher verwendeten Bauteile aus glasmattenverstärktem Polyurethan. Der Prototyp entstand im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Vorhabens in enger Zusammenarbeit mit Zulieferern und Herstellern. Das Demonstrationsobjekt wurde im April diesen Jahres mit dem JEC-Award 2001 ausgezeichnet.

Der neue Werkstoff lässt sich überall im nichtsichtbaren Bereich einsetzen. So zum Beispiel bei Sitzschalen oder Unterbodenbauteilen für Geländefahrzeuge, an tragenden Teilen im Unterbodenbereich sowie an Tür- und Heckklappen. Die Sandwichkonstruktion eignet sich auch als Abdeckung für den Kofferraum oder das Reserverad. Sie ist wesentlich stabiler als die derzeit verwendeten Kunststoffe bei moderat erhöhten Produktionskosten, erläutert Henning. Auch ein Einsatz am Bau als Material für Betonschaltafeln ist denkbar. Zurzeit arbeiten die Ingenieure am ICT daran, mit geschäumten Kernschichten zusätzlich Gewicht zu sparen. Außerdem wollen sie ihre Lösung auf hochwertige Materialien wie PET und PBT übertragen. Diese Sandwichverbindungen könnten dann auch erhöhten Temperaturen standhalten und zum Beispiel im Motorraum eingebaut werden.

Auf der Kunststoffmesse »K 2001« in Düsseldorf finden Sie die Fraunhofer-Institute unter anderem mit folgenden Themen: Oberflächen mit verschiedenen Funktionen, Optische Rissverfolgung sowie Vakuumbeschichtungsverfahren für Kunststoffe in Halle 3, Stand E91. Hybride Materialien für die Medizintechnik in Halle 5 Stand B38, Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen in Halle 8.2, Stand B4 und Kunststoff- und Laserschweißen in Halle 11, Stand H31.

Dr. Johannes Ehrlenspiel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi/pi2001/pi37-2001-t.html
http://www.ict.fhg.de/

Weitere Berichte zu: Bauteil Demonstrationsobjekt ICT Kunststoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht RFID-Technologie: Digitalisierung in der Automobilproduktion
02.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

nachricht Wenn dein Auto weiß, wie du dich fühlst
20.12.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie