Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gerüttelt, geschüttelt und geschleudert: Innovationen der neuen Audi A4-Montage

21.08.2001


Weltpremiere im Automobilbau: Erstmals wird in der Audi A4-Montage in Ingolstadt ein kombinierter ESP-/Rüttelrollen-Prüfstand eingesetzt. Bei der ESP-Prüfung werden die Sensoren jedes neuen A4 durch Drehung des Fahrzeugs um die Quer-, Längs- und Gierachse überprüft .
Quelle: Audi AG


  • Weltweit erster kombinierter ESP-/Rüttelrollen-Prüfstand

  • Vollautomatische Betankungsanlage

Die Leitlinie "Vorsprung durch Technik" gilt nicht nur für die Fahrzeugmodelle von Audi, sondern auch für deren Fertigung. Ein Beispiel: die Montage des neuen Audi A4 in Ingolstadt. Rund 130 Mio. DM investierte Audi in eine neue Montagehalle mit modernsten Produktionsverfahren. Einige der zahlreichen Innovationen in der A4-Montage sind unter anderem die vollautomatische Betankungsanlage, Lkw-Heber zum Logistikumschlag sowie der kombinierte Rüttel- und ESP-Prüfstand - eine Weltpremiere im Automobilbau.

Eine Premiere deshalb, weil bislang in der Branche nur getrennte Prüfstand-systeme verwendet wurden. Die für den neuen A4 eingesetzte Anlage verbindet erstmals beide Technologien in einem Prüfstand miteinander. Jeder fertig montierte Audi A4 muss über diese stationäre "Marterstrecke". Er wird gerüttelt, geschüttelt und geschleudert - ohne sich dabei auch nur einen Meter von der Stelle zu bewegen. Für das kombinierte Prüfsystem besteht ein Patentanspruch der AUDI AG. Die Firma Siemens setzte das Konzept um.

Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) gehört in allen Audi Modellen zur Serienausstattung. Im Gegensatz zu anderen Automobilherstellern wird bei Audi jedes fertig montierte Fahrzeug am Ende der Fertigungsstraße dem ESP-Test auf dem Prüfstand unterzogen. Karl Unger, Leiter Fertigungsplanung Aufbau und Strukturplanung Montage bei Audi, erläutert die Vorteile der aktiven ESP-Prüfung: "Dabei werden Querbeschleunigungs-, Längsbeschleunigungs- und Gierraten-Sensoren durch Drehung des Fahrzeugs um die Quer-, Längs- und Gierachse gecheckt. Die komplette Prüfung läuft vollautomatisch ab. Eine Minute lang werden festgelegte Profile gefahren, eine Minute lang wird frei gefahren. Die Vorgaben des Prüfprogramms laufen über ein universelles Prüfsystem (UPS) mit Kommunikation zum Steuergerät. Wir erzielen dabei reproduzierbare Messergebnisse und ersetzen so die eigentlich dafür erforderliche ’Doppel-S-Fahrt’ auf der Teststrecke."

Das spart eine Menge Zeit. Und Karl Unger ergänzt: "Es wäre auch aus logistischen Gründen derzeit kaum möglich, jeden neuen A4 aus dem Produktionsbereich zur Teststrecke auf dem Werkgelände zu bringen und ihn dort die Doppel-S-Fahrt absolvieren zu lassen." Immerhin rollen rund 1.300 Einheiten des neuen A4 pro Tag von den Ingolstädter Montagebändern.

Die computerüberwachte Rüttelprüfung wird auf drei Spuren mit unterschiedlichen Belägen simuliert: So muss der gerade vom Band gerollte A4 eine Schlechtwege-Fahrt über Kopfsteinpflaster, Bodenwellen und durch Schlaglöcher überstehen. Dabei werden auch kundenrelevante "Knister-Knaster"-Geräusche beurteilt, die beispielsweise im Bereich des Handschuhfachs, der Mittelkonsole oder der Schalttafel auftreten können. Da die Rüttelprüfung zudem vor der Fahrwerkeinstellung erfolgt, bringt das Rütteln ein frühzeitiges Setzverhalten von Karosserie und Fahrwerk mit sich. Ergebnis: eine langfristig bessere Fahrwerkeinstellung im darauffolgenden Arbeitsgang.

Dies ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Innovationen, die in der A4-Montage realisiert wurden. Ein weiteres Novum in Ingolstadt sind die zwei vollautomatischen Betankungsanlagen. Der Werker öffnet bei diesem Arbeitsschritt nur noch den Tankdeckel manuell. Den Rest übernimmt "Tankwart-Kollege Roboter". Zuvor musste ein Werker den kompletten Betankungsvorgang von Hand vornehmen. Ein mobiler Datenträger, der sich an jedem Fahrzeug befindet, sendet die relevanten Informationen wie Füllmenge, Füllgeschwindigkeit oder Kraftstoffart an den 7-achsigen Roboter. Dieser erkennt mithilfe eines 3D-Kamerasystems den Tankstutzen. Und das funktioniert so: Zwei Kameras nehmen aus unterschiedlichen Richtungen ein Bild des Tankstutzens auf und ermitteln die Position des Objektes im Raum. Das Verfahren basiert auf dem Stereobild-Prinzip des menschlichen Auges.

Der Computer berechnet nun die Verschiebung des Tankstutzens zum einprogrammierten Norm-Punkt, fährt den Tankstuzen an und beginnt mit dem Tankvorgang. Das Verfahren mit der 3D-Kamera bietet den Vorteil, dass auf diese Weise unterschiedliche Fahrzeugtypen, in diesem Fall A4 Limousine und A4 Avant, mit einer Anlage betankt werden können. Der Tankvorgang dauert im Durchschnitt eine Minute. Dabei werden zwischen fünf und 20 Liter Diesel-, Benzin- oder unterschiedliche Referenzkraftstoffe eingefüllt - je nachdem, wie weit das neue Fahrzeug noch gefahren werden muss. Anschließend werden noch die Betankungsparameter auf dem Datenträger des Fahrzeugs dokumentiert. Während des gesamten Vorgangs arbeitet der Roboter bandsynchron.

Joachim Cordshagen | ots

Weitere Berichte zu: A4-Montage Prüfsystem Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics