Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geräusche im Auto sind unerwünscht

03.03.2015

„Früher gehörte ein Klappern im Auto dazu“, sagt Prof. Dr. Ulrich Lichius. Heute ist man in dieser Hinsicht anspruchsvoller und Geräusche im Auto, ob innen oder außen, sind unerwünscht. Die Vermeidung von Geräuschen beschäftigt Ingenieure im Automobilbereich in allen Phasen der Fertigung.

Das Labor für integrierte Produktentwicklung und Prozesssimulation der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn verfügt jetzt über eine Alphakabine zur Bestimmung von Schallabsorptionsgraden. Damit kann die Leistung schalldämpfender Teile im Auto ermittelt werden.


(v.l.n.r.) Michael Gieß und Prof. Dr. Ulrich Lichius mit Demonstratoren aus dem Forschungsprojekt „Akustik-Plus“

Die Bewertung von Geräuschen rund ums Auto ist durchaus unterschiedlich. Wird der Motorensound eines Porsches oder Ferraris als angenehm empfunden, ist man bei Innengeräuschen pingeliger und wenig tolerant, wie ein Blick in die einschlägigen Foren der Autohersteller zeigt.

„Wir haben heute eine wesentlich höhere Sensibilisierung bei den Autofahrern. Geräusche werden als störend empfunden und verursachen oft Panik. Für die Hersteller wird also das akustische Verhalten im Auto immer wichtiger“, erläutert Lichius und ergänzt: „ Die Anforderung nach immer leichteren Autos bedingt den Einsatz neuer Werkstoffe, die auch nachhaltig sein sollen. Diese verursachen aber auch andere Geräusche, sie klingen anders als Blech. Deshalb gibt es auch immer mehr Teile im Auto, wo eine Geräuschmessung Sinn macht“.

In der neuen Alphakabine der Fachhochschule Südwestfalen können entsprechende Messungen durchgeführt werden. Die Alphakabine ist ein miniaturisierter Hallraum mit fünf Mikrofonen. Die zu messende Probe wird flächig in der Kabine ausgelegt und beschallt. Zur gleichmäßigen Beschallung befinden sich mehrere Lautsprecher in der Kabine und die fünf beweglichen Mikrofone in der Raummitte.

Zunächst wird ohne Materialprobe gemessen, diese Werte werden dann mit den Messwerten der Probe verglichen und der Unterschied in Abhängigkeit von der Frequenz berechnet. „Rund 80 Alphakabinen sind weltweit im Einsatz. Wir haben hier ein standardisiertes Messverfahren für die Geräuschmessung. Die Autobauer erwarten von ihren Zulieferern Nachweise, dass eine Messung in der Alphakabine durchgeführt wurde“, erklärt Lichius.

Dies betrifft beispielsweise die Hersteller von Dämmmaterialien für Autos. Gewünscht ist hier eine effiziente Schalldämmung. Die Schaumstoffe einer Unterbodenverkleidung sollen für eine optimale Schallabsorption sorgen. Ob die Materialien dies leisten können, beweist eine Messung in der Alphakabine.

Die Anschaffung der Alphakabine, die einen Wert von rund 200.000 Euro hat, erfolgte im Rahmen eines großangelegten Forschungsprojektes der Iserlohner Hochschule. Zum Einsatz kommt das Gerät in der Lehre, gleichzeitig soll es weitere Forschungsvorhaben mit den Automobilzulieferern in Südwestfalen unterstützen.

„Neben den praktischen Versuchen in der Alphakabine führen wir auch virtuelle Akustiksimulationen an den Bauteilen durch. Mit dem Thema Akustik beschäftigen sich bei uns auch einige Studierende im Rahmen ihrer Bachelor- oder Masterarbeiten“, verweist Dipl.-Ing. Michael Gieß, Doktorand und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor von Professor Lichius, auf die Expertise der Hochschule.

Birgit Geile-Hänßel | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht 3D-Scans für die Automobil-Industrie
13.01.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Jedem Fahrer das passende Fahrzeug
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie