Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt zur Entwicklung haptisch unterstützter Ein- und Ausgabegeräte in einem Fahrzeugcockpit

26.09.2007
Ein neuer Weg in der Fahrzeugentwicklung wird durch die Übermittlung von Signalen und Informationen über haptische Wahrnehmung beschritten.

In dem Projekt "Entwicklung haptisch unterstützter Ein- und Ausgabegeräte für ein Fahrzeugcockpit" wird an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft in wissenschaftlichen Testreihen an einem Fahrsimulator in einem neu konstruierten 3-D-Visualisierungsraum erforscht, inwieweit die optischen und akustischen Wahrnehmungskanäle der Fahrer durch die Verwendung haptischer Signale entlastet werden können, um Fahrsicherheit und Fahrkomfort weiter zu erhöhen.

Bei heutigen Fahrzeugen erhält der Fahrer über das Armaturenbrett zu seiner Unterstützung optische, aber auch akustische Signale. Diese Hilfsmittel unterstützen ihn, damit er auch schwierige Fahrsituationen bei ständig größerer Verkehrsdichte möglichst sicher bewältigen kann und sein Fahrkomfort erhöht wird.

Ein neuer Weg in der Fahrzeugentwicklung wird durch die Übermittlung von Signalen und Informationen über haptische Wahrnehmung beschritten. So könnten beispielsweise leichte Vibrationen des Lenkrads auf eine Gefahrensituation hinweisen oder die gewünschte Fahrzeugtemperatur ist bereits vorab am Schalter selbst fühlbar. Weitere haptische Reize können beispielsweise über Temperaturveränderungen oder Gegenkrafteinwirkung an Schaltern oder Drehknöpfen an den Fahrer übermittelt werden.

In dem Projekt "Entwicklung haptisch unterstützter Ein- und Ausgabegeräte für ein Fahrzeugcockpit" wird an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft nun erforscht, inwieweit die optischen und akustischen Wahrnehmungskanäle der Fahrer durch die Verwendung haptischer Signale entlastet werden können, um Fahrsicherheit und Fahrkomfort weiter zu erhöhen. "In unserem Projekt untersuchen wir", so Dr. Britta Nestler, Informatikprofessorin an der Hochschule Karlsruhe und Leiterin des Forschungsprojekts, "welche haptischen Reize in Abhängigkeit von konkreten Fahrsituationen den Fahrer noch weiter entlasten können. Dazu mussten wir eine Verbindung zwischen Fahrsimulation, Fahrzeugcockpit und Verhaltensänderung des Fahrers herstellen." So entwickelte das Forscherteam nicht nur haptisch unterstützte Ein- und Ausgabegeräte für ein Fahrzeugcockpit, sondern erstellte auch eine 3-D-Simulationsumgebung als Verbindung zwischen virtueller Fahrsimulation und dem Fahrzeugcockpit und damit den Fahrern. Durch verschiedene Testreihen mit der Fahrsimulation im 3-D-Visualisierungsraum (CAVE) wird nun ermittelt, wie stark und schnell unterschiedliche Signale zu einer Verhaltensänderung des Fahrers führen. "Wir können so die generellen Einsatzmöglichkeiten und die Effizienz von haptischen Signalen als Fahrerassistenzsystem und bei Bedienelementen in Abhängigkeit der jeweiligen Fahrsituation analysieren", beschreibt Prof. Dr. Britta Nestler das Projektziel. Neue Möglichkeiten verbinden sich mit dem Projekt auch für körperbehinderte Menschen. "Für diese Klientel können wir wichtige Informationen zur Steuerung eines Fahrzeugs auf Erfahrungskanäle verlegen, die den Betroffenen trotz ihrer körperlichen Einschränkungen zur Verfügung stehen", erläutert Prof. Dr. Britta Nestler, "das dürfte vielen das Fahren erleichtern und anderen überhaupt erst ermöglichen."

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg des Projekts war also, möglichst präzise zu erfassen, wie und wie schnell welche haptischen Signale zu welcher Verhaltensänderung des Fahrers führen. An der Hochschule konnte hierfür ein eigener Software-Rahmen entwickelt werden. Mit diesem Softwarepaket lassen sich die Hardwarekomponenten des Armaturenbretts entsprechend individueller Kraftprofile ansteuern und die Reaktionsgeschwindigkeit und der Grad der Verhaltensänderung des Fahrers lassen sich in Abhängigkeit von der jeweiligen Fahrsituation und der erfolgten haptischen Signale digital erfassen und automatisch auswerten. An der Erstellung dieses Software-Rahmens war Dipl.-Inform. (FH) Michael Selzer M.Sc., ein Informatikabsolvent der Hochschule Karlsruhe, maßgeblich beteiligt. Für diese Arbeit wurde er erst vor kurzem mit dem 5. Platz des doIT-Software-Awards ausgezeichnet, der jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Software-Forschung durch die MFG Stiftung Baden-Württemberg vergeben wird. Über das Projekt "Entwicklung haptisch unterstützter Ein- und Ausgabegeräte für ein Fahrzeugcockpit" strebt Dipl.-Inform. (FH) Michael Selzer M.Sc. nun seine Promotion an.

Das Forschungsprojekt zur Entwicklung haptisch unterstützter Ein- und Ausgabegeräte in einem Fahrzeugcockpit an der Hochschule Karlsruhe augenblicklich mit 250.000 Euro über das Programm FH3 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, "weitere Projektanträge", bestätigt Prof. Dr. Britta Nestler, "sind diesbezüglich jedoch schon in Vorbereitung."

"Der ausgeprägte Praxisbezug ist nicht nur ein 'Markenzeichen' unserer Hochschulausbildung", so Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, "sondern auch unserer Forschungsarbeit - daher sprechen wir auch von 'angewandter Forschung'. Durch eine solche Beteiligung an Forschungsprojekten können die Studierenden auch wissenschaftliches Arbeiten in der Praxis erleben und selbst umsetzen. Dies ist ein wichtiges Merkmal unserer Hochschulausbildung, insbesondere in den Masterstudiengängen."

Holger Gust | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-karlsruhe.de/servlet/PB/menu/1056499/index.html

Weitere Berichte zu: Ausgabegerät Fahrsituation Fahrzeugcockpit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Informatiker der Saar-Uni verhindern Auto-Fernsteuerung durch Hacker
03.11.2016 | Universität des Saarlandes

nachricht Gewichtseinsparung durch lasergestützte Materialbearbeitung im Automobilbau
07.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie