Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher entwickeln neue Fahrsimulatoren

16.09.2008
Immer wenn irgendwo auf der Welt ein Flugzeug abgestürzt ist, setzen sich in den Wochen danach viele Menschen mit einem unguten Gefühl in den Ferienflieger.

Dabei ist das Risiko, mit dem Auto auf der Straße ums Leben zu kommen, viel höher. Mit dem Ziel, die große Zahl von Verkehrsopfern zu senken, ist das europäische Forschungsprojekt Train-All angetreten. Psychologen von der Universität Würzburg sind daran beteiligt.

Allein in der Europäischen Union sterben jedes Jahr 40.000 Menschen durch Verkehrsunfälle. Dazu kommen rund 1,7 Millionen Verletzte, von denen 150.000 dauerhafte Behinderungen davontragen. In 15 Prozent der Unfälle sind Fahranfänger verwickelt - obwohl sie nur zwei Prozent der Verkehrsteilnehmer stellen. Auch andere Fahrergruppen verunglücken überdurchschnittlich oft, zum Beispiel Motorrad- oder Lastwagenfahrer. Diese Zahlen stammen von der Homepage des Projekts Train-All, bei dem 17 Partner aus acht europäischen Ländern mitmachen.

"Wissenschaftliche Studien belegen, dass sehr viele Unfälle unter anderem wegen zu geringer Fahrpraxis und mangelndem Risikobewusstsein passieren", sagt der Würzburger Verkehrspsychologe Professor Hans-Peter Krüger. Diesem Trend versuchen Forscher und Entwickler entgegenzusteuern: mit Trainings in Fahrsimulatoren und mit technischen Hilfen wie Fahrerassistenz-Systemen. Dazu gehören beispielsweise Systeme, die Kollisionen verhindern sollen. Sie warnen den Fahrer bei einem zu geringen Abstand zum Vordermann durch ein akustisches Signal - oder sie vertrauen erst gar nicht auf den Fahrer und bremsen das Fahrzeug direkt ab.

Auf diese Mittel setzt auch Train-All, was sich mit "Übung für Alle" übersetzen lässt. Das Hauptaugenmerk des Projekts liegt auf der Entwicklung von Fahrsimulatoren, die auf verschiedene Fahrergruppen zugeschnitten sind - auf Fahranfänger ebenso wie auf Lkw-Lenker oder auf Fahrer von Polizeiautos und Notfallambulanzen. Am Ende sollen Simulator-Prototypen mit jeweils zielgruppengerechten Trainingsprogrammen stehen.

"Künftig wird es immer mehr Fahrschulen geben, die bei der Ausbildung Fahrsimulatoren einsetzen", ist sich die Würzburger Psychologin Heidi Grattenthaler sicher. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Blaulicht-Simulator der Bayerischen Bereitschaftspolizei. An deren Standort in Sulzbach-Rosenberg trainieren angehende Polizisten in einem Simulator sicheres Verhalten bei Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn. Das Trainingsprogramm wurde unter der Leitung von Diplom-Psychologin Alexandra Neukum vom Interdisziplinären Zentrum für Verkehrswissenschaften an der Universität Würzburg in Zusammenarbeit mit der Polizei entwickelt.

Die Würzburger Verkehrsexperten - Psychologen und Informatiker arbeiten hier eng zusammen - verfügen auf diesem Gebiet über jahrelange Erfahrung. An ihrem Zentrum in Veitshöchheim bei Würzburg betreiben sie mehrere Fahrsimulatoren. Sie erforschen unter anderem, wie Alkohol, Drogen und Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Und sie gehen der Frage nach, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik funktioniert: Wie nutzen Fahrer die Assistenz-Systeme? Wie nehmen sie deren Hilfestellungen an? Und wie lassen sich die Systeme an das Verhalten der Fahrer anpassen?

Unter diesen Gesichtspunkten wirken die Verkehrswissenschaftler nun auch bei Train-All mit. Die Europäische Union fördert das Projekt in einem Umfang von rund 500.000 Euro.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hans-Peter Krüger
T (0931) 31-2653 oder 31-2612 (Sekretariat),
krueger@psychologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://www.trainall-eu.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht 3D-Scans für die Automobil-Industrie
13.01.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Jedem Fahrer das passende Fahrzeug
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie