Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstes Serienfahrzeug mit Softwaresteuerung

19.12.2014

Siemens hat das erste elektrische Serienfahrzeug mit der zentralen Elek­tronik- und Softwarearchitektur RACE vorgestellt. Die Technologie des gleichnamigen Forschungsprojekts ersetzt die gesamte Steuerungstechnik durch Standardhardware und eine Art „Betriebssystem für Autos". Dadurch soll sich die Entwicklungszeit für Fahrzeuge massiv verkürzen. Ein weiterer Vorteil: Durch die einheitliche Softwarebasis können Zusatzfunktionen einfacher und kostengünstiger nachgerüstet werden als bisher. Zudem sinkt das Gewicht der Fahrzeuge merklich.

Gemeinsam mit dem Elektrofahrzeughersteller StreetScooter haben Siemens-Experten der globalen Forschung Corporate Technology ein Serienfahrzeug mit RACE-Technologie ausgestattet. Die Abkürzung steht frei übersetzt für „Robuste und zuverlässige Rechnerumgebung für zukünftige Elektroautos". In einem heutigen Mittelklassefahrzeug sind etwa 70 Steuergeräte und viele Meter Kabel verlegt.


Steuergeräte-Vielfalt im Auto der Gegenwart

In jedem Fahrzeug existieren viele verschiedene Schnittstellen und Softwareapplikationen, die ohne eine gemeinsame Softwarebasis zusammenarbeiten. Parksensor, Navigation oder Klimaanlage brauchen heute beispielsweise je ein eigenes Steuergerät, das wiederum mit anderen Steuergeräten verbunden wird.

Die Komplexität dieser über die Jahre gewachsenen Architektur wird immer weniger überschaubar und so zur Innovationsbremse. In Fahrzeugen mit RACE-Technologie gibt es nur noch eine zentrale Rechnereinheit, die alle Fahrzeugfunktionen steuert. Die Funktionen sind dabei aus Sicherheitsgründen mehrfach redundant ausgelegt. Mit den neuen Möglichkeiten von RACE könnte die Entwicklungszeit für neue Fahrzeuge um bis zu 30 Prozent reduziert werden.


Auch auf Loks oder Smart Grids übertragbar

Ähnlich wie mit Plug & Play am Computer, sollen in Zukunft auch neue Funktionen einfach nachrüstbar sein. Heute ist das kaum möglich. Nachträglich ein Auto beispielsweise mit einer Rückfahrkamera auszustatten, erfordert einen immensen Testaufwand. Außerdem sind Einbau und Integration der neuen Hardware in das bestehende Kommunikationssystem so gut wie unmöglich.

In Zukunft soll das einfacher funktionieren: Tests neuer Funktionen können dank RACE integriert und digital stattfinden; neue Komponenten werden an den RACE-Rechner z. B. über Ethernet angeschlossen. Nach dem Download der neuen Software auf einen der Steuerrechner kann die Komponente dann eingesetzt werden. Da Funktionen nicht mehr fest mit einem Steuerrechner verbunden sein müssen, können beispielsweise neue Infotainment- sowie Fahr- und Assistenzfunktionen im Idealfall nur noch in Form Software ins Fahrzeug eingebaut werden.

Weniger Kabel und Steuergeräte wirken sich auch positiv auf das Gewicht und die Fehleranfälligkeit aus. Gerade Elektroautos profitieren davon, denn sie können ihre Reichweite erhöhen und die laufenden Kosten reduzieren. Der Einsatz von RACE ist indes nicht auf das Automobil begrenzt. Die Systemarchitektur soll auch auf Triebzüge, Smart Grids oder andere komplexe Systeme übertragbar sein.

Dr. Norbert Aschenbrenner | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovationnews

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE