Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einführung eines Rußfilters für Dieselfahrzeuge

26.01.2004


Eine schnelle Klärung der Rahmenbedingungen für die steuerliche Förderung von Rußfiltern für Diesel-Pkw ab 2005 fordern die im Bündnis "Kein Diesel ohne Filter" zusammengeschlossen Umwelt- und Verbraucherverbände sowie Verkehrsclubs. Gleichzeitig wurde die Ausdehnung der Initiative auf alle Diesel-Fahrzeuge (Lkw, Busse, Lokomotiven und Baumaschinen) angekündigt.


Schwere Vorwürfe richtet die das Bündnis koordinierende Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) an die bundesdeutsche Automobilindustrie. Die im Verband der Automobilindustrie (VDA) zusammengeschlossenen Unternehmen wollen nach Informationen der DUH auch zukünftig einen wesentlichen Teil ihrer Diesel-Pkw ohne Rußfilter verkaufen. Durch einen massiven Druck auf die Bundesregierung versucht der VDA, den Grenzwert für Dieselruß von 2,5 mg/km zu verhindern, auf den sich 16 Landesumweltminister und das Bundesumweltministerium im November 2003 verständigt haben. Stattdessen soll ein mehr als dreimal höherer Grenzwert von 8,5 mg/km festgeschrieben werden.

"Ein hoher Grenzwert bedeutet, dass es den Rußfilter nur bei extrem leistungsstarken Diesel-Pkw, nicht aber in bei Kompakt- und Mittelklasse-Pkws geben soll. Damit werden die vorhandene deutsche Rußfiltertechnologie und ihre weltweiten Exportchancen blockiert. Wir fordern die Bundesregierung auf, noch in diesem Frühjahr die Förderbedingungen auf der Basis eines Partikelgrenzwertes von 2,5 mg/km festzuschreiben und damit den Automobilherstellern die offen- sichtlich notwendige Hilfestellung zur Entwicklung innovativer, umweltfreundlicherer Diesel-Pkw zu geben" so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH). Besitzer von Diesel-Pkws ohne Russfilter müssen ab dem kommendem Jahr mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Ab dem 1.1.2005 werden Immissionsgrenzwerte für Feinstpartikel (PM10) europaweit verbindlich. In vielen Städten werden diese Werte an verkehrsreichen Straßen derzeit erheblich überschritten. Hier ist u. a. mit Fahrverboten für Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter zu rechnen. "Dieselfahrzeuge mit Rußfilter sollen schon 2005 mit einer Plakette gekennzeichnet werden, welche die freie Fahrt in rußbelasteten Städten ermöglicht", forderte Stefan Bundscherer, Verkehrsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und stellte den Prototypen einer Plakette für Diesel-Fahrzeuge mit Rußfilter analog zu der seinerzeit ausgegebenen G-KAT Plakette vor.


Ähnlich wie die G-Kat Plakette in den 80er-Jahren solle umweltfreundliches Verbraucherverhalten mit einem klaren Benutzervorteil belohnt werden. "Die Schonfrist für Besitzer von Dieselfahrzeugen ohne Filter muss noch dieses Jahr endgültig auslaufen! Es gibt ausreichend Möglichkeiten, auch ältere Diesel- Pkw mit Russfiltern nachzurüsten." Großflottenbetreiber wie die Deutsche Telekom, die Deutsche Post oder Siemens forderte Bundscherer auf, noch 2004 auf um-weltfreundlichere Diesel-Pkw mit Rußfilter umzustellen.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) e.V. kritisierte das mangelnde Engagement der deutschen Autohersteller für den Rußfilter und damit für den Gesundheitsschutz. "Die Hersteller spielen weiter auf Zeit. Noch vor einem Jahr haben sie die Notwendigkeit des Partikelfilters bestritten. Auf den starken öffentlichen Druck hin brach dieses Verweigerungskartell zur Internationalen Automobilausstellung im September letzten Jahres dann zwar zusammen, aber jetzt kommen die deutschen Hersteller ihren Ankündigungen nur sehr zögerlich nach. Gleichzeitig versuchen sie mit massiver Lobbyarbeit einen strengen ge-sundheitsschützenden Schadstoffgrenzwert für Dieselfahrzeuge zu verhindern." Lottsiepen weiter: "Die Gelackmeierten sind die Kunden, denen heute noch Autos mit einer Technik von gestern verkauft wird. Der Wertverlust für solche Gebrauchtwagen ohne Rußfilter wird in den nächsten Jahren überdurchschnittlich hoch sein."

Die Europäische Kommission hat einen klaren rechtlichen Rahmen zu den Grenzen der Belastung der Atemluft mit Feinstäuben geschaffen. Werden diese Grenzen überschritten, sind die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, konkrete Maßnahmen vorzunehmen, um die Einhaltung der Grenzwerte abzusichern. Noch in diesem Jahr sollten daher in Deutschland die vom Bündnis vorgestellten Prüfplaketten sowie Steuererleichterungen für Fahrzeuge mit Dieselruß beschlossen werden: Die dazu notwendigen gesetzlichen Instrumente liegen in den Schubladen der Behörden.

Der VCD hat alle Informationen über Diesel-Pkw mit Rußfilter in einer aktuellen Liste zusammengestellt. Während längst viele Modelle von Peugeot und Citroen mit Russfilter auf dem deutschen Markt erhältlich sind, bietet von den deutschen Herstellern zur Zeit lediglich Mercedes Fahrzeuge der C- und E-Klasse und VW den Passat mit Partikelfilter an. Der VCD hat die erhältlichen Fahrzeuge einem Öko-Check nach dem Muster der jährlich erscheinenden VCD-Auto- Umweltliste unterworfen. Danach ist der Peugeot 307 HDi FAP 135 der zurzeit sauberste Diesel-Pkw auf dem Markt. Die aktuelle VCD-Liste zu Diesel-Pkw mit Partikelfilter steht im Internet unter www.vcd.org zur Verfügung.

Günter Hubmann von Greenpeace e.V.: "Die Autoindustrie blockiert nicht nur die Einführung wirksamer Filtertechnik für Neufahrzeuge. Sie unterminiert auch jeden Fortschritt in der Nachrüstung: Mit gezielter Lobbyarbeit auf Bundes- und EU-Ebene und auch, indem sie Hersteller von Nachrüstfiltern mit Auftragsstornierung zu "Wohlverhalten" nötigt." Werte von einem mg Ruß pro Kilometer sind jedoch auch in der Nachrüstung ohne weiteres technisch machbar. Dies beweist der vom RWTÜV mit Partikelfilter nachgerüstete Mercedes von Greenpeace bereits seit über zwei Jahren realitätsnah. Daher kann ein Grenzwert von 2,5 mg/km problemlos eingehalten werden. Führende Abgastechnikfirmen wie z.B. HJS rüsten seit einigen Jahren Nutzfahrzeuge, wie z.B. Stadtbusse, mit Rußpartikel- Filtersystemen nach.

"KEIN DIESEL OHNE FILTER" ist ein breites Aktionsbündnis aus Umwelt- und Verbraucherverbänden, Verkehrs- und Automobilclubs, Gesundheitsexperten und Kinderschutzbund. Wissenschaftliche Berater sind die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf und das Umweltbundesamt, technischer Berater ist der ADAC. Nach seiner Gründung im Herbst 2002 hat sich das Bündnis zum Ziel gesetzt, durch eine breit angelegte Aufklärungskampagne Druck auf die Automobilindustrie und die Politik zur durchgängigen Einführung des Dieselrußfilters auszuüben und die Verbraucher über die Gefahren von Dieselruß und verfügbare Filtertechnologien aufzuklären. Seit dem 1. Mai 2003 arbeitet die Initiative "KEIN DIESEL OHNE FILTER" eng mit Partnerorganisationen und Institutionen in den USA zusammen.

Die Plakette für Diesel-Fahrzeuge mit Russfilter (Designvorschlag DUH)ist downloadbar auf der Interntseite www.duh.de.

Für Rückfragen:
Deutsche Umwelthilfe e.V.,
Jürgen Resch,
Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell,
Tel.: 07732-9995-0, Fax.: -77
E-Mail: resch@duh.de

Jürgen Resch | Deutsche Umwelthilfe e.V.
Weitere Informationen:
http://www.duh.de
http://www.vcd.org

Weitere Berichte zu: DUH Diesel-Pkw Grenzwert Partikelfilter Plakette Rußfilter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Verbesserte Leistung dank halbiertem Gewicht
24.07.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Hochschule Bochum und thyssenkrupp präsentieren Solar-Sportcoupé
06.07.2017 | Hochschule Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie