Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Effizientes Elektroauto mit Sportlergenen: Visio.M-Projekt zeigt im Fahrtest Bestleistungen in Effizienz und Fahrdynamik

25.06.2014

Kleine Batterie, große Reichweite – diese Gleichung ist nur durch hohe Effizienz zu lösen. Gleichzeitig ist eine gute Fahrdynamik Grundlage für sicheres und angenehmes Fahren. Wie gut das E-Mobility-Projekt Visio.M diese Forderungen erfüllt, zeigte das Entwicklerteam der Technischen Universität München (TUM) bei Fahrversuchen mit einem aktuellen Prototypen auf dem Rollfeld des ehemaligen Flughafens Neubiberg.

Energieeffizienz ist der Schlüssel zu kostengünstiger Elektromobilität und ist daher ein zentrales Entwicklungsziel für Elektrofahrzeuge. Im Rahmen des Projekts Visio.M werden die Möglichkeiten und Grenzen der Effizienz in den Bereichen Fahrzeuggewicht, Aerodynamik, Antrieb, Rollreibung und Klimatisierung erforscht. Den aktuellen Forschungsstand zeigten die Wissenschaftler nun im direkten Vergleich mit bereits auf dem Markt erhältlichen Fahrzeugen.


Visio.M-Versuchsträger bei der Kreisfahrt

Foto: Andreas Heddergott / TUM

„Für die Optimierung der Energieeffizienz haben wir im Wesentlichen drei Stellschrauben: die Aerodynamik, den Rollwiderstand und das Fahrzeuggewicht“, sagt Prof. Markus Lienkamp vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München. Beim Test auf dem ehemaligen Flughafen Neubiberg standen die Aerodynamik und das Fahrwerkskonzept im Mittelpunkt.

Mit einem cW-Wert von 0,24 und einer Stirnfläche von nur 1,69 Quadratmetern besitzt das Fahrzeug eine hervorragende Aerodynamik. Gleichzeitig verfügt der Visio.M-Versuchsträger über schmale Reifen (115/70 R 16) mit sehr geringem Rollwiderstand. „Ziel unseres Konzeptes ist es, möglichst wenig Energie für die Überwindung der Fahrwiderstände aufwenden zu müssen“, sagt Markus Lienkamp. Der Praxistest bestätigte, dass dies den Entwicklern gelungen ist: Mit der gleichen Energie gestartet, kam das Fahrzeug der TUM beim Ausrollversuch am weitesten.

Dass die schmalen Reifen auch bei schneller Kurvenfahrt sicheren Halt bieten, zeigten die Versuche im 18-Meter Slalom-Kurs und bei der schnellen Kreisfahrt. Hier zeigte der Visio.M-Prototyp seine hervorragende Fahrdynamik. „Eine gute Fahrdynamik ist die Grundlage für sicheres und angenehmes Fahren“ sagt Markus Lienkamp. „Wenn wir erreichen wollen, dass mehr Menschen Elektrofahrzeuge kaufen, müssen sie bei Sicherheit und Fahrverhalten den auf dem Markt befindlichen Kleinwagen ebenbürtig sein“.

Beim Visio.M wird die geringere Querkraftaufnahme der schmalen Reifen durch ein ausgeklügeltes Fahrwerkskonzept ausgeglichen, das in seiner Kinematik von Sportfahrwerken abgeleitet wurde. Eine gleichmäßige Verteilung des Gewichts auf Vorder- und Hinterachse und ein niedriger Schwerpunkt verleihen dem Fahrzeug eine hohe Stabilität. ABS und ESP geben zusätzliche Sicherheit.

Einen weiteren Beitrag sowohl zur Effizienz als auch zur Fahrdynamik leistet das aktive „Torque Vectoring“-Differenzial: Eine kleine Elektromaschine im Differenzial, die sowohl als Elektromotor als auch als Generator betrieben werden kann, verteilt die Kraft ideal auf die beiden Hinterräder. Insbesondere beim Bremsen in Kurven kann auf diese Weise erheblich mehr Energie zurück gewonnen werden als ohne Torque Vectoring. Gleichzeitig wird das Auto durch die günstige Verteilung der Antriebs- und Bremskräfte sehr viel agiler und sicherer.

Während der Versuchsträger noch verschiedene Testfahrten absolviert, wird im Rahmen des Projekts ein komplett neues Fahrzeug aufgebaut. In dieses fließen die Forschungsergebnisse des Visio.M-Projekts ein. So bekommt es beispielsweise ein Monocoque aus carbonfaserverstärktem Kunststoff. Auf der eCarTec im Oktober wird das Fahrzeug erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Am Forschungsprojekt „Visio.M“ beteiligen sich, neben den Automobilkonzernen BMW AG (Konsortialführer) und Daimler AG, die Technische Universität München als wissenschaftlicher Partner, sowie Autoliv B. V. & Co. KG, Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Continental, E.ON AG, die Finepower GmbH, Hyve AG, die IAV GmbH, InnoZ GmbH, Intermap Technologies GmbH, LIONSmart GmbH, Amtek Tekfor Holding GmbH, Siemens AG, Texas Instruments Deutschland GmbH und TÜV SÜD AG. Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms IKT 2020 und des Förderschwerpunkts „Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität – STROM“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) über 2,5 Jahre gefördert und hat ein Gesamtvolumen von 10,8 Mio. Euro.

Dr. Andreas Battenberg | Technische Universität München (TUM)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Informatiker der Saar-Uni verhindern Auto-Fernsteuerung durch Hacker
03.11.2016 | Universität des Saarlandes

nachricht Gewichtseinsparung durch lasergestützte Materialbearbeitung im Automobilbau
07.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie