Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremerhavener Spedition testet innovative Fahrzeugsteuerung über Handy und Internet

12.04.2002


Uni Bremen: Ein Projekt der Wirtschaftswissenschaft modernisiert die Transportlogistik. Es wurde ein Konzept erarbeitet, um LKW-Flotten optimal mit Handy und Internet zu steuern. Ein Bremer Speditions- und Logistikunternehmen probierte Konzeption und System in der Praxis aus: mit großem Erfolg.

Kundenwünsche schnell erfüllen, mit den Waren zur rechten Zeit am rechten Ort: Speditionen müssen heute höchste Anforderungen erfüllen. Dennoch ist es bisher nur ansatzweise gelungen, rollende Fahrzeuge trotz teurer Bordsysteme optimal in die Transportlogistik einzubeziehen. Spediteure mit einer Vielzahl von Auftraggebern und Subunternehmern sind nach wie vor auf der Suche nach einer preiswerten Lösung, die ihren Organisationsprozessen entspricht. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bremen sorgen jetzt für Abhilfe. Sie haben im Projekt "wapLog" (wireless application protocol) des Forschungsverbundes Logistik unter Leitung von Prof. Herbert Kopfer (Lehrstuhl für Logistik) ein Konzept erarbeitet, um LKW-Flotten optimal mit Handy und Internet zu steuern. Der Tauglichkeitstest erfolgte jetzt. Bremer Speditions- und Logistikunternehmen probierten die Konzeption und System in der Praxis aus: mit Erfolg.

Aktueller Pilotpartner der Uni-Logistiker ist die 1946 gegründete Würfel Spedition. Aus dem Bremerhavener Unternehmen, das ursprünglich Seefisch-Transporte durchführte, wurde ein international tätiger Logistikdienstleister. Die Geschäftsfelder umfassen neben der Beschaffungslogistik im "just-in-sequence"-Takt und dem Betrieb sogenannter LLZ (Lieferanten-Logistik-Zentren) für namhafte Automobilhersteller auch die traditionellen Transportdienstleistungen im Massengütergeschäft. Jeden Tag werden 800 Lkw und 1.000 Wechselbrücken eingesetzt. Fast 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleisten einen hohen Servicegrad und bieten ein Spektrum von der Beratungsleistung bis zur Kommissionierung in eigenen Lagern. Dabei wird innerhalb Europas ein Umsatz von über 200 Millionen Euro erwirtschaftet. Nach wie vor im Besitz der Familie wird die Würfel-Gruppe in zweiter Generation von Gert Würfel geführt.

Das Projekt "wapLog" verfolgt zunächst das Ziel nachzuweisen, dass Internet und Handys geeignete Bausteine für eine zeitnahe Fahrzeugsteuerung im Speditions- und Transportgewerbe sind. Mit Hilfe mehrere Fahrer wurde die Tauglichkeit für den täglichen Bordeinsatz überprüft. Für diese Testphase setzten die Disponenten im Hause Würfel bereits die Internet-basierte Auftragserfassung und Disposition ein. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Projektes untersuchten bei Fahrten nach Belgien und den Niederlanden die Kommunikation zwischen Fahrern und Bremer Zentrale, um Probleme zu erfassen und Lösungen in das wapLog-System zu integrieren.

Grundlage für das System wapLog bilden die Prozesse der Transportlogistik. Die Abläufe in Unternehmen - hier bei der Würfel Spedition - mit sehr unterschiedlichen Verkehrsarten sind analysiert und in der wapLog-Datenbank hinterlegt worden. Je nach konkreter Anwendung wird das zutreffende Modell aktiviert. Darin sind die Details der Arbeitsprozesse und des aktuellen Auftrages erfasst, so dass der Fahrer schrittweise durch seinen Fahrverlauf geführt wird. Kurzfristige Aufträge können so schnell in den Tourenplan aufgenommen werden.

Der Fahrer ist im einfachsten Fall über ein wap-fähiges Handy mit der zentralen Leitstelle verbunden. Mehr Komfort bieten persönliche und digitale Assistenten (PDA), die einen größeren Bildschirm besitzen. Gemeinsam ist allen, dass sie nicht mit dem einzelnen Disponenten, sondern mit dem Dispositionssystem von wapLog im Dialog stehen. Dort sind die aktuellen Auftrags- und Tourendaten abgelegt, auf die nun direkt zugegriffen wird. In welcher Form die Aufträge abgearbeitet werden, welcher Ausschnitt auf dem Bildschirm des Fahrers erscheint und welche Statusmeldung von ihm auszuwählen ist - diese Eigenschaften lassen sich direkt vom Logistiker in der Speditions-Zentrale steuern. Während der wapLog-Server sämtliche Auftrags-, Touren- und Fahrzeugdaten kennt, auf die unterschiedlichen Prozessmodelle zugreifen kann und auf diese Weise die Auftragsabwicklung steuert, bleibt das Endgerät dagegen "unwissend".

Für die mobile Kommunikation zwischen Dispositionssystem und Fahrzeug wurde das GPRS-System (General Packet Radio Service) benutzt. Dieses System gewährleistet durch das Zerlegen der Dateien in Pakete eine optimale Datenübertragung. Mit Hilfe des GPRS-Protokolls kann eine Verbindung zwischen Fahrzeug und Dispositionssystem auch dann bestehen bleiben, wenn längere Zeit keine Datenübertragung stattfindet. Ein erneutes Anwählen wie in anderen Modi entfällt. Auch bestimmt nicht mehr die Gesprächsdauer den Tarif, sondern das übertragene Datenvolumen. Bisherige Erfahrungen ergeben erhebliche Kostenvorteile für den Spediteur. Für den reibungslosen Einsatz von GPRS wurde von den Wirtschaftswissenschaftlern der Uni Bremen eine systematische Vorgehensweise gewählt, die den Einsatz unterschiedlicher Gerätetypen, Netzbetreiber (D1/Telekom und D2/Vodafone) sowie verschiedener Verfahren (auch GSM: Global System for Mobile Communications) umfasste. Allerdings gelang die durchgängige Kommunikation über GPRS nur bis zur deutschen Grenze. Doch die großen Netzbetreiber werden hier bald einen europaweiten Service anbieten. Die Spedition Würfel ist für die Logistik-Zukunft bestens gewappnet.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Wirtschaftswissenschaft


Lehrstuhl für Logistik
Prof. Dr. Herbert Kopfer
Projektleitung: Dr. Elmar Erkens

Tel. 0421 218 4903

Angelika Rockel | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise