Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Baden-württembergische Automobilzulieferer noch nicht fit für die Herausforderung Elektromobilität

16.05.2011
Der Trend hin zu alternativen Antriebskonzepten wie Elektrofahrzeugen ist nicht mehr aufzuhalten und gewinnt sprichwörtlich zusehends an Fahrt.

Doch die technologische Zukunftsfähigkeit zahlreicher Automobilzulieferer in Baden-Württemberg ist bei alternativen Antriebskonzepten deutlich kritischer einzuschätzen als bislang angenommen.

Abgesehen von den großen Systemlieferanten ist das Gros der stark mittelständisch geprägten baden-württembergischen Zulieferindustrie im Hinblick auf die anstehenden Herausforderungen der Elektromobilität eher schlecht gerüstet.

Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung bilden sie im Vergleich zu Unternehmen aus anderen deutschen Automobilzulieferregionen das Schlusslicht, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Die im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart durchgeführte Studie untersucht die Zukunftsfähigkeit baden-württembergischer Automobilzulieferer vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden technologischen Wandels hin zu Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Innovationspotenziale der in Baden-Württemberg angesiedelten Zulieferer ausreichen, um sich den potenziellen Umstrukturierungserfordernissen erfolgreich stellen zu können.

„Die Automobilzulieferindustrie muss sich auf einen technologisch und wirtschaftsstrukturell tiefgreifenden Wandel einstellen. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs in seinen verschiedenen Ausprägungen wird in den kommenden Jahren zu neuen Entwicklungen und Veränderungen in Marktpositionen führen“, erläutert Dr. Christoph Zanker, Projektleiter am Fraunhofer ISI. Zwar wird mittel- bis langfristig in einem Großteil der Personenkraftwagen der Verbrennungsmotor Teil des Antriebsstrangs sein. Allerdings wird aktuellen Berechnungen des Fraunhofer ISI zufolge bis zum Jahr 2030 für konventionelle Antriebskomponenten wie Verbrennungsmotor, Abgasanlage, Kraftstoffversorgung oder Getriebe trotz eines wachsenden PKW-Gesamtmarkts allenfalls mit schwachen Wachstumspotenzialen zu rechnen sein. Spürbares Wachstum lässt sich zukünftig in erster Linie mit Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang realisieren.

Trotz dieser Prognosen sind die Innovationsanstrengungen der Automobilzulieferer bislang eher zurückhaltend. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung als Indikator für die Fähigkeit, technologische Herausforderungen aufgreifen zu können, betragen bei baden-württembergischen Automobilzulieferern im Mittel lediglich 2,6 Prozent am Umsatz und liegen damit im Vergleich zu den anderen deutschen Automobilzulieferregionen an letzter Position. Bedenklich ist auch, dass die untersuchten Unternehmen schon heute nur unterdurchschnittliche Umsätze mit Produktneuheiten realisieren. Zudem überrascht, dass die Automobilzulieferer wenig mit Forschungseinrichtungen kooperieren. Obgleich aus der Forschung momentan wohl die wichtigsten Impulse für die Elektromobilität stammen, vertraut beispielsweise ein Großteil der Automobilzulieferer eher auf Informationen von Kunden oder der (Fach-) Presse. „Wir befürchten, dass nicht wenige Zulieferer die Relevanz der Elektromobilität für ihr Unternehmen und den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben“, fasst Dr. Christoph Zanker zusammen.

Die eher kritische Situation der kleinen und mittleren Automobilzulieferer in Baden-Württemberg wird durch Patentanalysen bestätigt: Hier zeigt sich eine extreme Ungleichverteilung zugunsten der wenigen großen Systemzulieferer, auf die mehr als 85 Prozent der Patentanmeldungen zurückgehen. Allerdings ist auch das hohe Patentaufkommen der Großunternehmen nicht uneingeschränkt positiv einzuschätzen. Sie patentieren nämlich nach wie vor schwerpunktmäßig im Bereich konventioneller Antriebskomponenten und weniger in elektromobilitätsrelevanten Technologien, insbesondere in der Batterietechnologie. Der Blick nach China zeigt, dass es dort genau andersherum ist. „Wir beobachten in China eine starke Dynamik vor allem in den Patenten für Batterietechnologie und Elektromotoren“, erläutert Dr. Thomas Stahlecker, Mitautor der Studie.

Die Studienergebnisse implizieren großen Handlungsbedarf für die baden-württembergischen Zulieferer, um auch mittel- bis langfristig die technologische Anschlussfähigkeit beziehungsweise ihren bestehenden Technologievorsprung und somit auch die eigene Zukunftsfähigkeit zu wahren. Die Automobilzulieferindustrie zählt nicht nur in Baden-Württemberg sondern auch in Deutschland zu den gesamtwirtschaftlich tragenden Säulen. Ohne Unterstützung aus der Politik werden sich gerade kleine und mittlere Zulieferer schwertun, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Das Fraunhofer ISI hat daher in der Studie konkrete Maßnahmen als Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Politik formuliert.

Weitere Informationen zur Studie sowie die Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Seite http://www.stuttgart.ihk24.de/

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Perspektiven für Entscheidungen
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
Leitung Presse und Kommunikation
Katja Rische M.A.
Telefon 0721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de

Katja Rische | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.stuttgart.ihk24.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leichtbauteile für die Automobilindustrie schnell und günstig fertigen
16.11.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Kabeleigenschaften schnell und einfach bestimmen
02.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte