Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Autos schneller auf die Straße bringen

01.02.2011
Kürzere Bearbeitungszeiten, beschleunigte Logistikprozesse und neue Technologien stehen auf der Agenda der Autohersteller.

Eine neuartige Software soll Unternehmen beim Umsetzen der Aufgaben unterstützen und helfen, Entwicklungszeiten und -kosten zu reduzieren.


Autohersteller können mit der Softwareplattform IDEE Kosten sparen – hier der Prototyp eines Kotflügels. (© Fraunhofer ICT)

Die Automobilbranche steht vor großen Herausforderungen: Neue Modelle kommen in immer kürzeren Abständen auf den Markt, Produkte werden aufwändiger, der Trend hin zum Elektroauto fordert veränderte Fahrzeugstrukturen. Europäische Standorte geraten durch die Niedriglohnländer zusehends unter Kostendruck.

Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, sind Kostensenkungen, kürzere Bearbeitungszeiten, neue Materialien und Montagetechniken erforderlich. An der Umsetzung dieser Maßnahmen arbeiten 23 Unternehmen aus Industrie und Forschung im EU-Projekt Pegasus (www.pegasus-eu.net). Partner aus der Forschung ist das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal, das sein Know-how aus dem Bereich Polymer Engineering einbringt. Gemeinsam haben die Projektpartner eine Softwareplattform entwickelt, die Entwicklungszeiten und -kosten reduzieren soll.

Bei dieser integrierten Design- und Entwicklungsumgebung (kurz IDEE) handelt es sich um eine CAD/CAE-/CAM-Software, die mit einer lernfähigen Datenbank verknüpft ist. Sie analysiert die funktionellen Anforderungen eines Produkts und erkennt die passenden Werkstoffe in einem frühen Stadium des Entwicklungsprozesses. Soll etwa ein Autodach in einem anderen Material als bisher hergestellt werden, muss nicht extra ein neuer Entwicklungsprozess durchlaufen werden. Stattdessen lesen die Konstrukteure die Bauteildaten in die Software ein. Sie bewertet und wählt dann geeignete Materialien sowie Verarbeitungsverfahren aus. Zudem liefert die Plattform Konstruktionsrichtlinien für die Auslegung des passenden Werkzeugs zum Herstellen des Bauteils. Wie diese Plattform funktionieren könnte, demonstrieren die Projektpartner am Beispiel eines Kotflügels mit integriertem LED-Rücklicht.

»Wir haben den Original-Kotflügel eines Smart verwendet. Im Projekt konnten wir zeigen, wie sich dieses komplexe Bauteil mit neuen Verarbeitungsverfahren, Materialien, Klebstoffen und Werkzeugen schneller und kostengünstiger fertigen lässt«, sagt Timo Huber, Wissenschaftler am ICT. Anstelle von konventionellen Scheinwerfern statteten die Projektpartner den Kotflügel mit LED-Rücklichtern aus. Dadurch konnten sie die Anzahl der Einzelteile von acht auf fünf reduzieren, die Verarbeitungsschritte von zwölf auf fünf verringern. Material- und somit Kosteneinsparungen wurden auch durch den Einsatz von Leiterbahnen aus elektrisch leitfähigem Polymer erreicht. Die darin eingearbeiteten leitfähigen Kohlenstoffnanoröhrchen leiten den Strom vom Stecker zu den LEDs und machen so metallische Leiterstrukturen überflüssig.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel: Um Bauteile künftig schnell demontieren zu können, werden sie mit einem speziellen Klebstoff verklebt – so auch die LED-Rücklichter. Hierfür haben die Forscher des ICT zusammen mit Projektpartnern ein neues mikrowellenaktives Klebstoffsystem entwickelt. Bei der Bestrahlung mit Mikrowellen verlieren die Einzelkomponenten ihre Klebung und können schnell auseinandergenommen werden. Bauteile lassen sich dann sortenrein recyceln. »Außerdem haben wir den Kotflügel mit Hilfe von neu entwickelten Farbpigmenten basierend auf speziellen Nanopartikeln eingefärbt«, so Huber. Diese Nanostrukturen können dann besonders gleichmäßig zur Einfärbung in Kunststoffe wie Polypropylen eingearbeitet werden. Der Effekt: Es sind deutlich weniger Pigmente als üblich erforderlich. »Auch den Klimaschutz-Aspekt haben wir beachtet – Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der lokalen Faserverstärkung von strukturellen Fahrzeugkomponenten sorgen für ein reduziertes Gewicht und bewirken einen geringeren CO2-Ausstoß», resümiert der Forscher.

»Alles in allem lassen sich mit der IDEE-Methodik Entwicklungszeiträume verkürzen, Montageschritte einsparen und der Materialverbrauch mindern.« Die Plattform befindet sich noch in der Entwicklung. Einfache Bauteile lassen sich bereits damit umsetzen. In etwa einem Jahr soll die Software fertig sein und der Automobilindustrie zur Verfügung stehen.

Timo Huber | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/14/autos-schneller-auf-die-strasse-bringen.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht 3D-Scans für die Automobil-Industrie
13.01.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Jedem Fahrer das passende Fahrzeug
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise