Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automobiltechnik der Zukunft: Der Fahrer fährt nicht immer selbst

08.04.2003


Autofahrer werden künftig nicht immer alleine entscheiden, wie sie fahren. Automobiltechniker rechnen in absehbarer Zeit damit, dass Fahrerassistenzsysteme immer häufiger in das Geschehen eingreifen werden, wie VDI-Experten jetzt auf der Hannover Messe erklärten.


Der mögliche Sicherheitsgewinn sei so groß, dass sich dem auch die Gesetzgebung nicht verschließen werde, erwartet Professor Ulrich Seiffert, Vorstandsmitglied der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik, nachdem erste offizielle Untersuchungen sowohl der Bundesregierung als auch der EU dies nahe gelegt haben. Zudem zwingt auch die Bewältigung der wachsenden Verkehrsströme dazu, diese stärker zu lenken und so das Straßennetz effizienter zu nutzen. Was in Pilotversuchen bereits erprobt sei, sei auch flächendeckend vorstellbar, erklärte der Leiter der Entwicklungssteuerung bei Audi, Dr. Peter Tropschuh, ebenfalls in Hannover.

Die Vorbereitungen der Gesetzgeber stehen vor dem Hintergrund eines von der Europäischen Kommission definierten Ziels, die Zahl der Verkehrstoten in Europa bis 2010 um die Hälfte zu verringern. Hierzu könnten elektronische Systeme wie Abbiegesensorik, Spurwechselassistent und Sichtsysteme für frontale und seitliche Hindernisse sowie Abstands- oder Müdigkeitswarnung und automatische Notbremsung entscheidend beitragen. Tropschuh hob die Sicherheitsbedeutung einer einfachen und selbsterklärenden Bedienung der Systeme hervor, wie Audi sie mit seinem aktuellen Spitzenmodell A8 auf dem VDI-Stand in Hannover demonstriert.


Noch wirksamer könnte etwa das Einleiten einer Geschwindigkeitsreduzierung aufgrund einer Ferndiagnose oder bei unmittelbarer Gefahr sein. Hier spätestens jedoch müsse über die UNECE-Regulation ("Wiener Weltabkommen") diskutiert werden, die seit 1958 fortlaufend Sicherstandards im grenzüberschreitenden Verkehr festlegt, und die definiert, dass der Fahrer grundsätzlich für die Fahraufgabe verantwortlich ist, sagte Seiffert. Er rechnet damit, dass dies geschehen wird, denn ein gemeinsamer Bericht der drei Bundesministerien für Verkehr, Wirtschaft und Forschung sowie der Industrie von Ende 2001 über die Auswirkung neuer Informations- und Kommunikationstechniken auf den Verkehr empfiehlt z.B. Maßnahmen zur breiten Einführung von Fahrerassistenzsystemen, eine erweiterte Verkehrsdatenerfassung für vorausschauende Sicherheitssysteme und die Einführung "intelligenter" Verkehrszeichen, die mit dem Fahrzeug kommunizieren.

Da auch ein EU-Bericht über "E-Safety" im Verkehr solche Maßnahmen befürwortet, findet es Seiffert nur folgerichtig, dass das Thema auch im gerade anlaufenden 6. Rahmenprogramm für die Forschungsförderung der EU enthalten ist.

Auch den völlig automatischen, praktisch fahrerlosen Verkehr hält Seiffert für technisch machbar, sieht dafür aber nur in Nischen wie beim Gefahrguttransport oder auf Fabrikgeländen eine mögliche Zukunft.

Bei aller Begeisterung für die Möglichkeiten, die die elektronische Sicherheitstechnik bieten wird, wies Tropschuh auf ein ganz anderes denkbares Hindernis hin: "Die Akzeptanz kann sehr leicht in Frage gestellt werden, wenn die Nutzer sich nicht mehr als ’Herr des Geschehens’ fühlen." Auch wenn die Belastung des Fahrers reduziert werde und Sicherheit sowie Zuverlässigkeit zunähmen, hänge der Erfolg wesentlich von der Akzeptanz der Nutzer ab.

Ralf Kistermann | Verein Deutscher Ingenieure
Weitere Informationen:
http://www.vdi.de

Weitere Berichte zu: Akzeptanz Automobiltechnik Fahrerassistenzsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics